Die Passion Christi
Originaltitel The Passion of the Christ
Land und Jahr Italien 2003
Kino-Start 18.03.2004
Genre Historienfilm
FSK 16
DVD-Start 02.09.2004
Regie Mel Gibson
Länge 127 Min.

Kritiken

Die Diskussion um Mel Gibsons Bibelfilm trieb in den Monaten vor dem Kinostart seltsame Blüten. Nicht zuletzt aufgrund einiger antisemitischer Äußerungen von Gibsons Vater wurden auch dem Sohnemann und seinem Passions-Spielfilm solche Tendenzen zugeschrieben. Seit dem Filmstart in den USA (März 2004), wo "Die Passion Christi" die Kinos am Aschermittwoch mit 4.000 Kopien überflutete, wird nur noch über das Einspielergebnis geredet: Wer hätte gedacht, dass ein Christus-Film fast so erfolgreich sein kann wie "Der Herr der Ringe" und innerhalb der ersten fünf Tage weit über 100 Millionen Dollar einspielt. Eigentlich erstaunlich, denn "Die Passion Christi" wird irgendwann vor allem aus einem Grund in die Geschichte eingehen: Es dürfte sich hier um den blutrünstigsten Film aller Zeiten handeln! Weit über die Hälfte der Zeit bleibt einem als Zuschauer nichts anderes üblich, als dabei zuzusehen, wie der König der Juden von seinen Feinden geschlagen, geschunden, geprügelt und gepeitscht wird. Man ist fast geneigt, "Die Passion Christi" als großen Unterhaltungsfilm zu bezeichnen, denn so ist der Film - von der Gewalt und auch von den nicht gerade massentauglichen Sprachen Aramäisch und Latein abgesehen - inszeniert: Gibson arbeitet mit stilistischen Effekten wie Zeitlupen, um die markanten Momente seiner Geschichte - den Judaskuss beispielsweise - zu betonen. Subtil und zimperlich geht es hier eher nicht zu. Auch mit den von Anfang allzu dominierenden Klangteppichen und Chorälen will Gibson per Holzhammer-Methode Eindruck schinden. Was oft zu viel ist und gar nicht nötig wäre, denn die Bilder sprechen für sich: Gibsons Kameramann Caleb Deschanel, der schon an "Der Patriot" mitarbeitete, komponiert die Einstellungen nach dem Vorbild von Caravaggios Gemälden und spielt geschickt mit Licht und Schatten. Opulent sind auch die in den Cinecittà Studios in Rom errichteten Kulissen sowie die Eindrücke der süditalienischen Stadt Matera, wo die Kreuzigungsszenen entstanden. Mel Gibson hat ein Werk geschaffen, das sicherlich nicht jedem gefallen wird, das aber in jedem Fall starke Emotionen hervorrufen wird.

Frank Geissler/Filmreporter.de