Inglourious Basterds
Originaltitel Inglourious Basterds
Land und Jahr USA 2009
Kino-Start 20.08.2009
Genre Action
FSK
DVD-Start
Regie Quentin Tarantino
Länge 154 Min.

Kritiken

Quentin Tarantino hat eine Mischung aus Schundroman, Kriegsdrama und Propagandafilm im Gepäck. Über zehn Jahre gingen ins Land, bis der Ausnahmeregisseur sein Projekt endlich umsetzen konnte. Zwischendurch war "Inglourious Basterds" sogar als Mini-Serie geplant, doch Tarantino legte die Idee wieder auf Eis. Nach "Death Proof - Todsicher" packte er das Drehbuch noch einmal an, um es endlich für die Leinwand umzusetzen. Gedreht wurde überwiegend in Deutschland, was bereits vorab für jede Menge Publicity sorgte. Ober-Bastard Brad Pitt siedelte für die Dauer der Dreharbeiten nach Berlin um. Auch die ausgewogene Mischung aus Hollywoodstars und deutschen Schauspielern weckte das Interesse der Öffentlichkeit. Daniel Brühl, Til Schweiger und Christoph Waltz beeindruckten Tarantino schon beim Casting und erhielten nach der Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2009 Anerkennung von Publikum und Kritiker. "Inglourious Basterds" ist kein Kriegsfilm der mit einem Übermaß an Seriosität daherkommt, womit er sich in Opposition zu einem Werk wie "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" stellt. Quentin Tarantino bietet keine seelenlose Durchschnittsware an, sondern zeigt beispielsweise NS-Propagandaminister Joseph Goebbels beim Liebesspiel mit seiner Mätresse - denn auch Nazis hatten Sex! Mit dieser Erkenntnis kommt man der sogenannten Realität im Zweifel näher als irgendeine hollywoodfrisierte Nacherzählung. Doch es geht nicht um Geschichte, sondern um Geschichten. Mit Querverweisen zu Grimms "Aschenputtel", Regielegende Sergio Leone oder US-Serienknüller "Das A-Team" gelingt Tarantino ein Potpourri der Stilmerkmale. Er zitiert und zerstampft bis kein Stein mehr auf dem Anderen steht, beziehungsweise etwas Neues entstanden ist. Dabei geht es ihm immer ums Kino, denn Kino von der Qualität Tarantinos ist mächtiger als die Realität, so jedenfalls die Filmmessage. Das geschickte Spiel mit Netz und doppeltem Boden wird von Tarantino kultiviert: Eine Schauspielerin spielt eine Schauspielerin und ist zugleich Doppelagentin. Derweil spielt ein Schauspieler einen Colonel, der als Attentäter einberufen wird, eigentlich jedoch Filmkritiker ist und durch Unfähigkeit stirbt. "Inglourious Basterds" ist das Gegenteil eines knochentrockenen Geschichtsaufbereitungskurses für Lesefaule und bietet Möglichkeiten eines Diskurses der nicht schon etliche Male geführt wurde. Zudem schenkt uns Tarantino mit der Figur von SS-Oberst Hans Landa einen neuen Standard des deutsch-österreichischen Superschurken. Ein putziges Arschloch, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Timo Buschkämper/Filmreporter.de