Filmkritik - Black Death

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Im Herzen der Finsternis

„Black Death“ bietet Kostüm-Horror mit Mystery- und deftigen Splatter-Effekten. Sean Bean glänzt als Ritter, dessen Glaube in den Grundfesten erschüttert wird.

 

Im Jahr 1348 wird Europa von der Pest heimgesucht. Der schwarze Tod rafft Millionen Menschen dahin, eine Rettung scheint es kaum zu geben. In ihrer Hilflosigkeit erklärt die Kirche die Pest zu einer gottgewollten Strafe.

Diejenigen, die sich nicht in ihr Schicksal fügen wollen, flüchten sich in ihrer Not in Aberglauben und Promiskuität. Als in England bekannt wird, dass ein Dorf offensichtlich von der Epidemie verschont bleibt und dort heidnische Rituale abgehalten werden, reagiert die Kirche umgehend. Soll ihr Einfluss nicht noch weiter schwinden, kann man solches Treiben nicht dulden.

Daher entsendet der Bischof eine Schar von Söldnern und Folterknechten unter der Führung des Ritters Ulric (Sean Bean) und des Novizen Osmund (Eddie Redmayne) in das kleine Dorf. Die Männer sollen dem Spuk ein Ende bereiten. Unversehens aber geraten sie mitten hinein ins Herz der Finsternis...

Düsterstes Mittelalter

Regisseur Christopher Smith hat sich mit Filmen wie „Creep“ oder „Severance – Ein blutiger Betriebsausflug“ durchaus einen Namen als Horror- respektive Splatter-Experte gemacht, der gerne auch schon mal auf einen humorvollen Unterton setzt.

Von diesem Unterton ist bei „Black Death“ aber nichts mehr zu spüren. Ob das Mittelalter tatsächlich so düster war, wie es hier geschildert wird, mag dahin gestellt sein. Dass der schwarze Tod, die große europäische Pest-Pandemie zwischen 1347 und 1353, die geschätzte 25 Millionen Todesopfer gefordert haben soll, den Menschen dieser Zeit wie die Apokalypse vorgekommen sein muss, steht aber außer Frage. 

Eine Welt wie geschaffen von Bosch oder Breugel

Ganz diesem Zeitgeist verhaftet, entwirft Smith dann auch ein Szenario, wie es düsterer nicht sein könnte. „Wir reisen in die Hölle, aber Gott reist mit uns“ sagt Ulric einmal zu seinen Männern.Und muss doch schon bald erkennen, welch fataler Irrglaube dem zweiten Teil seiner Aussage zugrunde liegt.

Smith schickt seine Protagonisten in eine Welt gleich den künstlerischen Visionen eines Hieronymus Bosch oder eines Jan Breugel. Eine Welt, die Gott längst verlassen hat und die in Qual und Tod versinkt. Eine Welt auch, die der Regisseur in Deutschland auferstehen ließ, an Schauplätzen in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg, die einem mittelalterlichen Landschaftsgemälde entsprungen scheinen.

Dieses Ambiente füllt er mit Schock-Szenen, wie man sie aus seinen früheren Filmen bereits kennt, ohne dass diese Szenen aber zum reinen Selbstzweck verkommen würden. 

Brücke ins Hier und Jetzt

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Was auch an der Glaubwürdigkeit der Charaktere liegt. Diese wilde Meute unter der Führung von Ulric hat ganz unterschiedliche Motive für ihre Beteiligung an der gefährlichen Mission. Nicht jeder ist wirklich am Heil der Kirche interessiert.
Vor allem Sean Bean überzeugt als Ritter, dessen Glaube in seinen Grundfesten erschüttert wird. Und auch Eddie Redmayne als junger Mönch, der in Versuchung gerät, spielt sehenswert, weil differenziert.
Dass Smith zudem geschickt aktuelle Fragen anschneidet, wie den Stellenwert von Religion für eine Gesellschaft und religiösen Fundamentalismus und das Unrecht, das unter dem Deckmantel des Glaubens begangen wird, schlägt eine Brücke ins Hier und Jetzt und macht „Black Death“ damit zu einem durchaus sehenswerten Film. Und Genre-Fans werden von Smith ohnehin bestens, also auf deftigste Weise bedient.
 
Andreas Kötter