Für Bobby Walker könnte es im Leben kaum besser laufen. Umso härter trifft es ihn, als er unerwartet entlassen…
Company Men - Filmkritik
© Central Film
Männer ohne Porsche
Mit „Company Men“ gelingt Regie-Debütant John Wells ein packendes Stück Zeitgeschichte, das von den Umwälzungen erzählt, die die Finanzkrise für viele Amerikaner mit sich bringt. Ben Affleck und Tommy Lee Jones brillieren als Männer, die sich in einer für sie unbekannten Welt zurechtfinden müssen.
Dabei fing der Tag so gut an, mit einer 86-Runde beim Golf. Und als Bobby Walker (Ben Affleck) vom Golfplatz aus im Porsche zum GTX-Konzern braust, beim dem er als hochbezahlter Manager angestellt ist, könnte seine Stimmung nicht besser sein. Im Büro angekommen aber platzt Bobbys Lebenstraum aus Luxuskarosse, Golf und Villa.
Weil der Aktienkurs es verlangt, wird er - wie hunderte andere auch - von seiner Firma gefeuert. Für den Mann in seinen besten Jahren ein tief greifender Einschnitt. Und obwohl seine Ehefrau und seine Kids alles unternehmen, um die Lage gemeinsam mit Bobby zu meistern, fällt er in ein tiefes Loch.
Daran ändert zunächst auch der Hilfsarbeiter-Job nichts, den ihm sein Schwager (Kevin Costner) anbietet, der einen kleinen Handwerksbetrieb führt. Bobby ist ein ums andere Mal der Verzweifelung nahe und muss auf sehr schmerzhafte Weise lernen, das Leben nicht länger durch die rosarote Brille betrachten zu können.
Ein Lernprozess, der für seine weit älteren Kollegen Phil Woodward (Chris Cooper) und Gene McClary (Tommy Lee Jones) noch drastischer ausfällt...
Eine Geschichte über den amerikanischen Albtraum
Ein Hollywood-Drama zur Finanzkrise, eine Geschichte über den amerikanischen Albtraum, in der die Männer leiden lernen müssen, die sonst achselzuckend andere leiden lassen, nur um sicher wieder ihrem Golf-Handicap zu widmen – das hätte böse ins Auge gehen können.
Kino-Debütant John Wells hätte z. B. mit dieser Story über einstige Top-Verdiener, die plötzlich ohne Job dastehen, unfreiwillig Häme beim Zuschauer provozieren können. Denn welcher Zuschauer hat schon Mitleid mit einer Führungskraft, die sich Porsche, Villa und Mitgliedschaft im Golf-Club nicht mehr leisten kann, wenn er selbst vielleicht längst arbeitslos ist.
Und genauso gut hätte „Company Men“ dem Regisseur auch zu einer plakativen Anklage gegen das „System“ geraten können, zu einem pathetischen Plädoyer für den Kampf des Guten gegen das Böse, den das amerikanische Kino so liebt.
Das Spiel der freien, fairen Kräfte – eine Utopie
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Aber nichts davon ist der Fall. Denn Wells ist ein Mann, der seine Meriten längst im TV verdient hat als Produzent solcher Klassiker wie „Emergency Room“ oder „West Wing“. Dort hat er bewiesen, dass er kleine und große Dramen erzählen kann, ohne übermäßig ins Dramatische zu verfallen. So verkneift er sich irgendwelche aufgesetzten Kommentare zu einer Schuldfrage, die ohnehin nie geklärt werden würde.
Schon weil es völlig unsinnig wäre, sie zu stellen, da das „System“ weder weder gut noch böse kennt. Viel mehr lässt Wells die Geschichte von seinen Figuren erzählen und zeigt so, dass die Utopie vom freien, aber auch fairen Spiel der Kräfte, die Amerika einst den Rang einer Supermacht beschert haben mögen, in einer globalen Welt längst eben genau das ist – eine Utopie.
Die Figuren bekommen Zeit, um einmal durchzuatmen
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Dabei scheint es immer wieder wie ein kleines Kino-Wunder, wenn man sieht, wie gut es einer solchen Geschichte tut, wenn sie sich nur ein wenig Zeit gönnt für ihre Figuren. Wenn nicht alles durch Effektgewitter und schnellste Schnitte zugekleistert wird, wenn die Protagonisten buchstäblich ein wenig Zeit bekommen, um Luft zu holen, einmal durchzuatmen und überhaupt zu begreifen, was mit ihnen vorsichgeht.
„Company Men“ nimmt sich diese Zeit für die Männer, die der Film im Titel trägt. Ob Ben Affleck oder Tommy Lee Jones, ob Chris Cooper oder Kevin Costner, der hier in einer wunderbar zurückgenommenen Rolle zu sehen ist als Mann, der die Ängste, die sein Schwager nun durchleidet, längst kennt und tagtäglich mit ihnen lebt – diese vier Oscar-Gewinner geben diesen Figuren ein Gesicht und eine tiefe Authentizität. Deshalb versteht der Zuschauer die Nöte dieser Männer - ohne deshalb gleich in plakatives Mitleid verfallen zu müssen.
Andreas Kötter