Contagion - Filmkritik

Contagion - Trailer

Kein Star kann seines Lebens sicher sein

Mit „Contagion“ zeichnet Regisseur Steven Soderbergh nüchtern, ja fast unterkühlt das Bild einer globalen Epidemie nach. Der Schock beim Zuschauer sitzt dafür umso tiefer.

Nach einer Geschäftsreise nach Asien fühlt sich Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow), Angestellte eines großen Konzerns, unwohl. Zunächst führt Emhoff dies auf den Jetlag zurück. Eine Einschätzung, die sich als fataler Fehler herausstellt, denn kurz darauf stirbt die junge Frau an einem ansteckenden Virus. Der trauernde Ehemann (Matt Damon) muss fassungslos zur Kenntnis nehmen, dass die Ärzte nicht einmal die Ursache kennen.

Schon bald zeigen auch andere Patienten dieselben Symptome wie sie Emhoff aufwies, trockener Husten, Fieber, Krämpfe, Gehirnblutungen. Explosionsartig breitet sich die Epidemie nun über den gesamten Erdball aus. Fieberhaft versucht man bei den US-Behörden für Seuchenbekämpfung den Code des Erregers zu entschlüsseln, der aber ständig weiter mutiert.

Deputy Director Cheever (Laurence Fishburne) versucht vergeblich, die in der Bevölkerung aufkommende Panik in den Griff zu bekommen, während Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) von der Weltgesundheitsbehörde ihr weitreichendes Netzwerk aktiviert, um den Ursprung des Erregers zu finden. Längst aber breitet sich mit der stetig eskalierenden Zahl der Opfer auch die Paranoia in der Bevölkerung weiter aus...

„Outbreak“ war Hollywood, „Contagion“ ist das Leben

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Eine globale Epidemie, eine die nicht mehr zu beherrschen ist – dieses Szenario, das Regisseur Steven Soderbergh für „Contagion“ entwirft, erinnert an die H1N1-Seuche vom Frühjahr 2010. Die erreichte zwar längst noch nicht das ungeheure Inferno, das Soderbergh ausbrechen lässt, zeigte aber dennoch in Ansätzen, was der Welt in einem solchen Fall droht, und wie hilflos die Menschheit einer solchen Seuche ausgeliefert ist.

Nüchtern, zurück genommen und halbdokumentarisch inszeniert Soderbergh diese Katastrophe und lässt den Schrecken damit nur umso realer erscheinen. Mit den Hollywood-Manierismen eines thematisch ansatzweise ähnlich gelagerten Films wie „Outbreak“ hat „Contagion“ jedenfalls nichts mehr gemein. Und Soderbergh wäre nicht Soderbergh, wenn er sich nicht auch den gesellschaftlichen Folgen einer solchen Pandemie annehmen würde.

Viele Erzählstränge

Contagion

Minutiös zeichnet er nach, was mit einer Gesellschaft passiert, die geradezu von einem solchen Virus überschwemmt wird. In mehreren Erzählsträngen (ähnlich wie er es bei „Traffic – Die Macht des Kartells“ schon mit dem Thema „Drogen getan hat) widmet sich der Regisseur den Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen.

Er zeigt, wie das egoistische Kompetenzgerangel der verschiedenen zuständigen Behörden Lösung blockieren, wie Verschwörungs-Theorien und Terrorangst sich ausbreiten und wie Geschäftemacher und Medien noch ihr ganz eigenes Süppchen kochen können. Bei einer so umfangreichen Erzählstrategie braucht es auch die Gesichter, die dieses Erzählmuster tragen. Und Soderbergh setzt auf ein Staraufgebot, wie man es in dieser Größe lange nicht gesehen hat.
 

Großes Staraufgebot

Neben Gwyneth Paltrow, Matt Damon, Laurence Fishburne und der Französin und Edith Piaf-Darstellerin Marion Cotillard sind auch noch Kate Winslet, Jude Law, Elliott Gould, „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston und der Deutsche Armin Rohde gelistet, um nur einen Bruchteil des riesigen Casts zu nennen.

Kein Wunder, ist der Blutzoll durch das unerbittliche Virus, das vor nichts und niemandem halt macht, doch enorm. Geschickt nutzt Soderbergh die Strahlkraft seiner Stars, um seinem Publikum klipp und klar zu verdeutlichen: Wenn selbst solche Stars in einer Mega-Produktion nicht mehr sicher sind und wie Gwyneth Paltrow schon sehr früh im Film „geopfert“ werden, dann sollte jeder eine solche auch jederzeit mögliche Bedrohung doch endlich Ernst nehmen!

 

Andreas Kötter