Cowboys and Aliens - Filmkritik

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Alien goes Western

„Cowboys & Aliens“ mischt Amerikas ureigenste Kunstform, den Western, mit Science Fiction. Dass der Mix wenigstens teilweise funktioniert, liegt auch den grimmig aufspielenden Stars Daniel Craig und Harrison Ford.

Arizona zur Zeit des Wilden Westens: Ein Cowboy (Daniel Craig) wacht mitten in der Wüste auf. Nicht nur, dass ihm jegliche Erinnerung fehlt, am linken Handgelenk trägt der Fremde ohne Namen auch noch eine metallene Manschette, die selbst mit brachialer Gewalt nicht zu lösen ist. Als er schließlich nach einer Prügelei im Gefängnis des Städtchens Absolution landet, erfährt er vom Sheriff, wer er ist.

Der einsame Cowboy heißt Jake Lonergan und ist ein Outlaw. Als plötzlich UFOs den Ort angreifen und den Sohn des tyrannischen Ranchers Colonel Dolarhyde (Harrison Ford) entführen,  stellt Jake fest, dass die Metallmanschette eine Waffe mit nie zuvor gesehener Wirkung ist. Kurzerhand wird er verpflichtet, um gemeinsam mit den Männern in den Krieg gegen die Außerirdischen zu ziehen...

Western: die ureigenste amerikanische Kunstform

Der Western ist die ureigenste amerikanische Kunstform. Edwin S. Porters zwölfminütiger Film „Der große Eisenbahnraub“ von 1903, das bekannteste Werk der ganz frühen Kino-Jahre, war wie selbstverständlich ein Western.

Von da ab begannen die Pferdeopern einen Siegeszug, dessen Höhepunkt von Mitte der 30er bis Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts währte. Was nicht heißt, dass der Western seitdem nicht immer wieder mal eine Renaissance erlebt. Sei es dank „Der mit dem Wolf tanzt“, sei es dank „Erbarmungslos“ oder zuletzt auch dank „Open Range“ - der Western kam und kommt immer zurück.

Schon „Star Trek“ spielte mit Western-Versatzstücken

Ein Genre-Mix mit dem anderen ganz großen Genre Hollywoods aber, dem Science Fiction-Film, der liegt zumindest auf den ersten Blick nicht gerade auf der Hand. Tradition und Moderne, das scheint nicht zu passen. Bei genauerem Hinsehen aber fallen durchaus Parallelen auf. Tatsächlich geht es in beiden Genres oft um das Vorwärtstreiben oder auch das Sichern von Grenzen.

So war die TV-Serie „Raumschiff Enterprise“ nichts anderes als ein „Sterne-Western“, was gerade im Originaltitel deutlich wird. „Star Trek“ bedeutet übersetzt nichts anderes als „Treck zu den Sternen“. Und genau so hatte es der Macher der Serie, Gene Roddenberry, der zuvor schon für Western-Serien wie „Have Gun, Will Travel“ als Autor tätig gewesen war, auch verstanden wissen wollen. Western und Science Fiction, das geht also doch zusammen.

Spätspätwestern von brutaler Härte

„Ein seriöser Mix aus den Western-Stilen eines Sergio Leone und John Ford und gruseligen SciFi-Filmen à la „Alien“ sei sein Film, sagt dann auch „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau. Und Favreau hat nicht zuviel versprochen.

Denn „Cowboy and Aliens“, die Adaption eines Comics, gibt den Spätspätwestern mit brutaler Härte und ohne jedes Augenzwinkern. Genau genommen führt Favreau den Western wieder zurück in seine Heimat, von wo er einst gen Italien „verschleppt“ worden war.

„Cowboys & Aliens“ und das Duo Daniel Craig und Harrison Ford machen da weiter, wo „Django“ Franco Nero, „Il Grande Silenzio“ Jean Louis Trintignant und nicht zuletzt der „Fremde ohne Namen“ Clint Eastwood einst aufgehört hatten.

Cowboys and Aliens

Denn „Cowboy and Aliens“, die Adaption eines Comics, gibt den Spätspätwestern mit brutaler Härte und ohne jedes Augenzwinkern. Genau genommen führt Favreau den Western wieder zurück in seine Heimat, von wo er einst gen Italien „verschleppt“ worden war.

„Cowboys & Aliens“ und das Duo Daniel Craig und Harrison Ford machen da weiter, wo „Django“ Franco Nero, „Il Grande Silenzio“ Jean Louis Trintignant und nicht zuletzt der „Fremde ohne Namen“ Clint Eastwood einst aufgehört hatten. Und Craig und Ford sieht man an, dass sie sich pudelwohl fühlen zwischen Cowboys, Indianern und Aliens.

Am Ende verliert Regisseur Favreau das Maß

Mit großer Lakonie und grimmiger Härte interpretieren sie ihre Rollen, so als hätten sie sich nie woanders herumgetrieben als im Wilden Hollywood-Westen.

Und auch was den Außerirdischen-Anteil betrifft hat Favreau nicht übertrieben. Seine Aliens erinnern weder an putzige E.T.s noch an die grotesken Chaoten à la „Mars Attacks!“.

Vielmehr bekommen es die (unfreiwilligen) Helden des Westens mit richtig üblen Kreaturen zu tun, die kein Pardon kennen.

Dass „Cowboys & Aliens“ dennoch kein ungetrübtes Vergnügen ist liegt daran, dass Favreau es oft mit der Logik  nicht ganz so genau nimmt. Und gen Ende verliert er das Maß völlig, wenn er tatsächlich einen wahren Krieg der Welten inszeniert, der doch ein wenig zum Selbstzweck verkommt.


Andreas Kötter