Dame, König, As, Spion - Filmkritik
© STUDIOCANAL FILMVERLEIH
Dagegen ist James Bond nur Kino
Mit „Dame, König, As, Spion“ gelingt dem Schweden Tomas Alfredson nach dem gleichnamigen Bestseller von John Le Carré ein unterkühlter, wunderbar altmodisch anmutender Agententhriller. Mit Gary Oldman, John Hurt und Colin Firth ist die Besetzung hochkarätig.
England 1973: Der kalte Krieg tobt im Geheimen. Als Folge einer missglückten Aktion in Budapest müssen der langjährige britische Geheimdienstchef „Control“ (John Hurt) und seine rechte Hand George Smiley (Gary Oldman) zurücktreten. Eine jüngere Generation um den intriganten Percy Alleline (Toby Jones) soll übernehmen. Nur wenige Monate später aber wird Smiley reaktiviert. Der Topagent soll einem ungeheuren Verdacht nachgehen: Gibt es an der Spitze des MI6 einen Maulwurf des russischen KGB? Fünf Männer stehen unter Verdacht: Alleline, der neue Chef, der selbstbewusste Bill Haydon (Colin Firth), der langjährige Mitarbeiter Roy Bland (Ciaran Hinds), der bürokratische Toby Esterhase (David Dencik) und...auch Smiley selbst...
Die Paranoia der 70er Jahre
© STUDIOCANAL FILMVERLEIH
„Dame, König, As, Spion“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Agenten-Thrillers von Bestseller-Autor John Le Carré, der sich wiederum von einer wahren Begebenheit inspirieren ließ. Regisseur Tomas Alfredson stand vor der Herausforderung, dass viele Kritiker seine Vision vom Meisterspion George Smiley an der legendären TV-Serie mit Alec Guiness aus den späten 70er Jahren messen würden. Eine Herausforderung, die der Schwede glänzend gemeistert hat. Denn „Dame, König, As, Spion“ fängt die Paranoia der 70er Jahre nahezu perfekt ein, auf eine Art und Weise, wie das eigentlich doch nur einem zeitgenössischen Film gelingen sollte.
Suspense statt Action
Fast scheint es so, als habe Alfredson die letzten vier Jahrzehnte Kinogeschichte und damit die technologische Entwicklung des Mediums aus seinem Gedächtnis ausgeblendet. So verzichtet „Dame, König, As, Spion“ fast völlig auf Action und setzt – ganz im Hitchcock`schen Geiste - lieber auf Suspense. Ein ruhiger, ja fast stiller Thriller ist „Tinker Tailor Soldier Spy“, so der Originaltitel geworden. Hier wird eher geredet als geschossen. Und es ist eine düstere Welt, in der sich die Agenten hier bewegen. In ausgeblichenen Braun- oder Gelbtönen zeigt Alfredson diese Welt, die er noch bis in die letzte Requisite detailgenau wiederzugeben scheint. Langsam, ja fast schleppend erzählt der Film dabei zunächst seine Geschichte und scheint sich immer wieder auch in Rückblenden oder Zeitsprüngen zu verlieren. Und doch nimmt die Spannung stetig zu, wird der Druck von Minute zu Minute höher und damit unerträglicher.
Hier stimmt jede Geste, jedes Wort
© STUDIOCANAL FILMVERLEIH
Damit steht „Dame, König, As, Spion“ auch in der Tradition der so genannten Paranoia-Thriller der 70er Jahre. Und tatsächlich sollen sich die Macher gerade auch von Francis Ford Coppolas „The Conversation – Der Dialog“ haben inspirieren lassen. Nicht zuletzt aber trägt zum Gelingen auch die fabelhafte Besetzung bei. Hurt, Oldman, Firth, Strong oder der BBC-„Sherlock Holmes Benedict Cumberbatch, um nur einige zu nennen, spielen fabelhaft. Da sitzt noch jede Geste und jedes Wort. Und am Ende ist dieser britische, wunderbar altmodische Thriller vielleicht auch ein Zeichen an Hollywood, dass nicht immer der Recht hat, der den meisten Krawall schlägt.
Andreas Kötter