Vier Egos, zwei Ehepaare, eine Wohnung. Mehr braucht es in Roman Polanskis "Gott des Gemetzels" nicht, um die …
Der Gott des Gemetzels - Filmkritik
Wenn die Maske fällt
Mit „Der Gott des Gemetzels“ inszeniert Regie-Legende Roman Polanski ein faszinierendes Kammerspiel, das die Abgründe zeigt, die hinter jeder bürgerlichen Fassade drohen. Die Oscar-Preisträger Kate Winslet, Jodie Foster und Christoph Waltz sowie der fantastische John C. Reilly liefern sich ein Scharmützel der niedersten Instinkte.
© Constantin Film Verleih GmbH
Der Sohn des Anwalts Alan (Christoph Waltz) und der Bankerin Nancy (Kate Winslet) hat den Sprössling von Penelope und Michael Longstreet (Jodie Foster und John C. Reilly) heftig verprügelt. Um die Sache aus der Welt zu schaffen und sich auszusprechen, empfangen die Eltern des Opfers die des Schlägers bei sich zuhause.
Zunächst scheint es auch so, als gelänge eine Aussöhnung. Dann aber, nicht zuletzt durch zunehmenden Alkohol-Konsum, fallen die Masken der scheinbar so braven, so einsichtigen Bildungsbürger, und die Situation entgleist zusehends...
„Ich bin ein richtig fieses, cholerisches Drecksschwein“
Die anständigen Bürger und das, was dieser Anstand tatsächlich wert ist: Ein wunderbares Thema, an dem sich bereits viele Dichter und Denker, Autoren und Regisseure versucht haben. Und nach dem gleichnamigen Bühnenerfolg von Yasmina Reza reißt nun auch Regie-Legende Roman Polanski den Bildungs- und den Wohlstandsbürgern einer ach so zivilisierten Gesellschaft mit „Der Gott des Gemetzels“ die Maske dieses Anstands von ihren Gesichtern.
Nur ein wenig Alkohol ist z. B. nötig, um die vermeintlich so distinguierte Nancy aus der Reserve zu locken. „Ich wisch’ mir den Arsch mit den Menschenrechten“, faucht die Bankerin dann, deren Fassung längst ähnlich derangiert ist wie ihr teures Kostüm. Oder nehmen wir den zunächst so entspannt und um Ausgleich bemühten Michael.
Bald schon scheint es aber fast so, als hätte er nur auf eine solche Situation gewartet, um endlich einmal so richtig die Sau rauslassen zu können. „Meine Frau verkauft mich als Gutmenschen“, beschwert er sich bei seinen Gästen. „Aber in Wahrheit fehlt mir völlig die Geduld für diesen Gutmenschen-Blödsinn. Ich bin ich ein richtig fieses, cholerisches Drecksschwein.“
Fast gefilmtes Theater