Drive - Filmkritik

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Leben und Sterben in L.A.

 

Mit „Drive“ ist dem Dänen Nicolas Winding Refn ein hoch stilisierter, moderner Film Noir gelungen, der das Zeug zum Kultfilm hat. Ryan Gosling glänzt als legitimer, wortkarger Erbe von Steve McQueen.


Driver (Ryan Gosling) ist sein Name und sein Programm. Der wortkarge Einzelgänger schraubt in der Werkstatt von Shannon (Bryan Cranston) an Autos, lässt es auf der Rennstrecke krachen und arbeitet auch schon mal als Stuntfahrer für Hollywood. Erst nachts aber holt sich Driver den ultimativen Kick, wenn er sich als Fahrer von Fluchtautos der Mafia verdingt. Dann aber lernt er seine neue Nachbarin Irene (Carry Mulligan) kennen und verliebt sich in die alleinerziehende Mutter. Als Irenes Ehemann (Oscar Isaac) aus dem Gefängnis entlassen wird, lässt sich Driver von ihm zu einem vermeintlich todsicheren Coup überreden. Tatsächlich aber läuft alles schief, und es geht für Driver und Irene nur noch ums nackte Überleben…
 

Hommage an Boormans „Point Blank“ und Friedkins „Leben und Sterben in L.A.“

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Mit oberflächlicher Krawall- und Auto-Verwertungs-Action der Sorte „The Fast and The Furious“ hat „Drive“ allenfalls marginal zu tun: in beiden Filmen werden nun mal eine Reihe Autos geschrottet. Wo diese Blechorgie aber beim Paul Walker/Vin Diesel-Vehikel zum bloßen Selbstzweck verkommt, da bedeutet das zerstörte Blech bei „Drive“ vielmehr einen Handlungskatalysator. Dem dänischen Regisseur Nicolas Winding Refn, der zuvor u. a. mit „Walhalla Rising“ auf sich aufmerksam gemacht hat, gelingt mit seinem Hollywood-Debüt eine großartige Hommage an das Thriller-Kino der späten 60er und 80er Jahre, an unterkühlte Klassiker wie John Boormans „Point Blank“ oder Peter Yates „Bullitt“ und an hoch stilisierte Meisterwerke aus der Schule eines William Friedkin oder eines Michael Mann wie „Leben und Sterben in L.A.“ oder „Der Einzelgänger“ mit James Caan. Refn zeigt sich dabei als ausgewiesener Stilist, der mit großer Stilsicherheit seine cineastischen Vorbilder ins 21. Jahrhundert hinüber transportiert.

Driver ist ein einsamer Wolf. Und er will es auch sein

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Unterlegt mit einem grandiosen, hypnotischen Euro-Synthie-Score von Komponist Cliff Martinez, der seine ersten Meriten einst als Drummer in der US-Punk- und No Wave-Szene u. a. bei Lydia Lunch und den Dickes sammelte, lässt der Regisseur so das typische Lebensgefühl der 80er Jahre wieder lebendig werden. Einsamkeit, ja Verlorenheit zeichnen seinen Helden aus. Ja fast somnambul bewegt sich der Mann, der sich nur Driver nennt, durch diesen modernen, neonfarben getränkten Film Noir. Und tatsächlich erinnert Ryan Goslings reduziertes, sparsames Spiel an wortkarge Leinwandikonen wie Steve McQueen oder den „Einzelgänger“ James Caan. Dieser Driver ist ein einsamer Wolf und will es auch sein. Bis er Irene trifft. Plötzlich scheinen seine Gefühle geradezu zu explodieren, in einer Fahrstuhlszene, die jetzt schon – wie dieser Film per se – wahren Kultcharakter hat. Zwischen heißer Leidenschaft und eiskalter Brutalität bewegt sich Driver da von einem Moment zum nächsten und erinnert damit nicht zuletzt auch an andere Kult-Protagonisten der Populär-Kultur, wie Nicolas Cages Sailor in „Wild at Heart“ oder an Christian Slaters Clarence in „True Romance“. Bessere Fürsprecher kann man in Hollywood kaum haben.

 

Andreas Kötter

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