Extrem laut und unglaublich nah - Filmkritik

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Ziemlich leise und doch so ergreifend

„Extrem laut und unglaublich nah“ ist die berührende Geschichte einer Trauerbewältigung und eines schmerzvollen Erwachsenwerdens zugleich. Der jungeThomas Horn in seiner ersten Rolle wird zur großen Entdeckung.

 

Einen Vater wie Oskar (Thomas Horn) ihn hat, den wünscht sich wohl jeder Junge. Thomas Schell (Tom Hanks) ist ein liebevoller Vater und einer, der sich Zeit nimmt für seinen Sohn. Und Oskar ist ein Sohn, wie ihn sich wohl jeder Vater wünscht. Ein besonders aufgeweckter Junge, einer, der dem Leben schon als Kind viel näher kommt als manch einer sonst in der gesamten Spanne seiner Jahre. Thomas fördert seinen Sohn auf wunderbare Weise, sucht stets den Dialog und versucht, Antworten zu geben. Dann aber kommt der Vater am 11. September 2001 beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben.

 

Ein unsagbarer Schock für Oskar, der sich nun mit aller Macht an seine Erinnerungen an den Vater klammert. Als er in dessen Sachen einen Schlüssel mitd er Aufschrift „Black“ findet, will der Junge unbedingt das passende Schloss zum Schlüssel finden. Also sucht er alle nahezu 500 New Yorker mit diesem Nachnamen auf, um auf diese Weise irgendwie die Verbindung zum Vater halten zu können. Auf seiner Odyssee durch die von den Anschlägen traumatisierte Stadt trifft er auch auf einen seltsamen alten Mann (Max von Sydow)...

Die Geschichte der Trauer eines Jungen ist auch die Geschichte eines nationalen Traumas

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Extrem laut und unglaublich nah“ geht zurück aufden gleichnamigen Roman von Jonathan Safran Foer aus dem Jahr 2005, der damals von der Kritik zwar nicht ungeteilt goutiert, aber auch als „weise, witzig und unglaublich traurig“ gelobt wurde. Ähnlich hin- und her gerissen geben sich die Kritiker nun auch bei der Verfilmung. Dabei hat Regisseur Stephen Daldry die berührende Geschichte der Bewältigung einer tiefen Trauer auf sehr einfühlsame Weise inszeniert, ohne dabei in beliebige Gefühligkeit abzugleiten.

 

Was eine umso größere Leistung darstellt, wenn man bedenkt, dass 9/11 für Amerika das größte Trauma seiner Historie ist, und schon deshalb schnell die Gefahr bestehen könnte zu überziehen. Daldry hat aber schon in der Vergangenheit mit „The Hours“, „Der Vorleser“ oder „Billy Elliot“ bewiesen, dass er in der Lage ist, ungewöhnliche und auch komplexe Stoffe in einfache, nichts destotrotz – oder gerade deshalb – ergreifende Bilder umzusetzen.

Eine Geschichte von lebensbejahender Kraft

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Und auch für „Extrem laut und unglaublich nah“, das nicht zuletzt auch die Geschichte einer Initiation, eines schmerzvollen Erwachsenwerdens ist, findet Daldry fast immer diese ruhige, ja bisweilen poetische, nicht aber gestelzte Bildsprache. Mit Tom Hanks (wenn auch in einer kleineren Rolle), Max von Sydow, Sandra Bullock als Oskar Mutter, und vor allem dem unbekümmert aufspielenden Thomas Horn in seiner ersten Rolle überhaupt, ist die Geschichte zu dem punktgenau besetzt.

 

Dass der Film dennoch auch Momente aufweist, die demZuschauer zuviel abverlangen, das liegt eher an der literarischen Vorlage selbst. „Oskar Schell ist ein Neunjähriger mit dem Verstand des 28-jährigen Autors Safran Foer“ äußerte sich eine der schon angesprochenen, auch negativen Stimmen anläßlich der Veröffentlichung des Buches. Nicht ganz zu Unrecht. Denn wenn einem ein Neunjähriger fortlaufend die Welt erklären will, dann kann das auch schon mal ziemlich ermüdend wirken. An der puren Kraft dieser lebensbejahendenGeschichte aber ändert das gar nichts.


Andreas Kötter