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Filmkritik - "Schwarzer Ozean"
© Salzgeber & Co. Medien GmbH
Reise ins Herz der gleißenden Finsternis
Mit „Schwarzer Ozean“ erzählt die Belgierin Marion Hänsel eingebettet in die Kulisse der französischen Atomtest der 70er Jahre vom schmerzhaften Erwachsenwerden drei junger Matrosen.
1975: Drei Jungen an der Grenze zum Mannsein heuern auf einem Schiff der französischen Marine an. Was Massina (Nicolas Robin), Moriaty (Adrien Jolivet), Da Maggio (Romain David) noch nicht wissen: Dieses Schiff ist auf dem Weg in den Südpazifik, zum Mururoa-Atoll, wo La Grande Nation ihre überirdischen Atombombentests durchführt. Je länger die Reise dauert, desto mehr machen die Monotonie und die latente Gewaltbereitschaft unter der Besatzung den Dreien zu schaffen, bis sich die Spannung schließlich in der ungeheuren Explosion der Atombombe entlädt...
Marion Hänsel ist nicht interessiert an den Aufgeregtheiten des modernen Erzählkinos
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Die Regisseurin Marion Hänsel ist nicht interessiert an den Aufgeregtheiten, die das Erzähl-Kino heute weithin ausmachen.
Schon bei ihrem letzten Film, dem bewegenden, aber nicht gefühligen afrikanischen Flüchtlingsdrama „Als der Wind den Sand berührte“ zeigte die Belgierin, dass sie es versteht, das Innenleben ihrer Figuren auf sehr sanfte, einfühlsame Weise sichtbar werden zu lassen.
Aber „Als der Wind den Sand berührte“ war auch ein mächtiger und doch ruhiger Film über die Natur. Ein Film, der von deren auch zerstörerischer Kraft erzählte und den Menschen, die sich versuchen gegen diese Kraft zur Wehr zu setzen.
Und auch „Schwarzer Ozean“ ist alles andere als ein Film nur über die Bombe oder über den sinnentleerten Drill, die Monotonie und die immer wieder aufkeimende Ahnung von brutaler Gewalt in einer reinen Männergesellschaft wie dem Militär der 70er Jahre.
Parabel über den schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens
In kontemplativen, ja bisweilen poetisch anmutenden Bildern erzählt Hänsel von der zunächst noch vorherrschenden Unbekümmertheit der drei jungen Männern, die immer weiter zurückgedrängt wird durch das Erleben von direkter physischer Gewalt auf dem Schiff und einer schier unvorstellbaren Art der totalen Vernichtung durch die gleißend-helle Bombe, die doch nur Finsternis bringt.
Der Atom-Pilz am Horizont ist gleichsam Fanal für eine geschundene Natur und für die geschundenen Seelen der drei Kadetten. Ein Fanal, das wie kein anderes auch zeigt, dass das Paradies (nicht nur das in der Südsee) unrettbar verloren ist. Mit dieser bitteren Erkenntnis wird „Schwarzer Ozean“ nicht zuletzt auch zu einer Parabel über den schmerzhaften Prozess des Erwachsenswerdens.
Denn am Ende dieser Reise wird für die drei Jungen nichts mehr so sein wie es einmal war.
Andreas Kötter