Colin Farrell im spannenden Actionthriller.
Filmkritik Total Recall
© Sony Pictures
Totale Erinnerungen 2.0
„Total Recall“ ist das Remake des gleichnamigen Arnold Schwarzenegger-Hits von1990. Colin Farrell macht in der Arnie-Rolle eine erstaunlich gute Figur, und Regisseur Len Wiseman entfesselt einen gewaltigen Bildersturm.
Im Jahr 2084 ist die Erde weitgehendzerstört und unbewohnbar. Nur zwei Regionen lassen noch Leben zu. Zum einen dasGebiet des ehemaligen Großbritanniens, die „United Federation of Britain“, zumanderen der Kontinent, der einst als Australien bekannt war. Diese „Kolonie“wird vom herrschenden Regime gnadenlos ausgebeutet und muss Arbeitskräfte fürdie UFB abstellen. Verbunden sind die beiden Regionen durch ein gigantischesAufzug- und Transportsystem, das mitten durchs Erdinnere führt. Das UnternehmenRekall hat sich darauf spezialisiert, den wie Ameisen schuftenden Arbeiternimaginäre Erholung von ihren Strapazen zu verschaffen, indem Wunschfantasienjeglicher Art im Gehirn implantiert werden.
Auch Douglas Quaid (Colin Farrell)sucht diese Entspannung. Dann aber läuft etwas schief mit seinem Wunschtraumvom toughen Geheimagenten. Denn einst war Quaid offensichtlich tatsächlich indiesem Gewerbe tätig, und schon bald muss er sein Leben gegen die eigeneEhefrau Lori (Kate Beckinsale) verteidigen, die auf der Lohnliste des Regimessteht. Auch die Polizei unter der Führung von Cohaagen (Bryan Cranston) machtjetzt Jagd auf ihn. Quaid schlägt sich auf die Seite des Widerstands und suchtgemeinsam mit der schönen Rebellin Melina (Jessica Biel) nach der Wahrheit...
Der schöne Colin muss den „Arnie“ geben
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„Total Recall“ basiert auf der Kurzgeschichte„Erinnerungen en gros“ aus der Feder des begnadeten Sci-Fi Autoren Philip K.Dick, der auch die Vorlage für ein filmisches Meisterwerk wie „Blade Runner“und für weitere Streifen wie „Minority Report“, „Paycheck“ oder „Der Plan“lieferte. Regisseur Len Wiseman („Underworld“; Stirb langsam 4.0“) hat sich nunan einem Remake des gleichnamigen Arnold Schwarzenegger-Blockbusters aus dem Jahr 1990 versucht, so dass man durchaus auch von „Total Recall 2.0“ sprechenkönnte. Fundamentale Unterschiede zum Original: Die Story bleibt der Erdeverhaftet, Quaids Mars-Abenteuer gibt es hier nicht.
Und natürlich ist diesmalauch Arnie nicht mit von der Partie, was einen US-Kritiker zu folgendem Urteilveranlasste: „Ohne den Mars kommen wir aus, aber ohne Arnold, das ist eineandere Sache“. Kennt man das Original, dann fällt es zunächst tatsächlichschwer, sich den schönen Colin Farrell in der Schwarzenegger-Rollevorzustellen. Zwar ist Farrell ohne jeden Zweifel der weitaus bessereSchauspieler, aber Schwarzenegger hatte seine mimischen Einschränkungen zur„Terminator“-Zeit längst zu einem sich gut verkaufenden Markenzeichenumgedeutet.
Große visuelle Opulenz, aber auch inhaltliche Magerkost
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Trotzdem macht Farrell einen guten Job und bemühtsich immer wieder, die Verzweiflung
eines Mannes sichtbar zu machen, der um seinewahre Identität ringt und nach der Wahrheit sucht. Ganz leicht dürfte das kaumgewesen sein in einem Umfeld, das diesem Thema durchaus etwas mehr Raum und Komplexität hätte angedeihen lassen können.
So fehlt etwa auch jeglicher Ansatzvon politischer Kritik, die hier doch eigentlich unvermeidbar sein müsste. Wiseman aber scheint am philosophischen und sozio-kulturellen Aspekt der Storyweit weniger interessiert gewesen zu sein als an den visuellen Möglichkeiten,die ihm nicht zuletzt das Budget von 200 Millionen Dollar geboten hat. So entfesselt der Regisseur dann auch einen wahren Bildersturm, der seinesgleichensucht.
Mit größter Detailgenauigkeit beschreibt er die zwei sounterschiedlichen Seiten dieser postapokalyptischen Welt, das reiche Britannienhier und die ausgebeutete, überbevölkerte Kolonie dort. Da darf man danndurchaus von größter visueller Opulenz sprechen. Eine Opulenz, die etwas mehrinhaltliches Rückgrat verdient gehabt hätte.
Andreas Kötter