Hell - Filmkritik

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Hölle, Hölle, Hölle

„Hell“ ist ein wahrlich höllischer Film. Ein Endzeit-Thriller, wie man ihn lange nicht gesehen hat, und ganz sicher noch nie aus deutscher Hand. Regie-Debütant Tim Fehlbaum ist ein Genre-Meisterwerk gelungen.

2016: Die Temperatur der Erdatmosphäre hat sich um zehn Grad erhöht. Die Sonne, früher Lebensspender, hat die Erde buchstäblich ausgedörrt und in ein mörderisches Ödland verwandelt. Nur wenige Menschen haben den Temperaturanstieg überlebt; ein Überleben, das nun daran hängt, irgendwo noch Wasser zu finden.

Phillip (Lars Eidinger), seine Freundin Marie (Hannah Herzsprung) und deren Schwester Leonie (Lisa Vicari) machen sich in einem notdürftig abgedunkeltem Kombi auf den Weg in die Berge, wo sie Wasser und auch Benzinreserven vermuten. Unterwegs trifft die Gruppe auf den Mechaniker Tom, der sich den jungen Leuten anschließt. Als die Gruppe in einen Hinterhalt gerät und Leonie entführt wird, tun sich neben der klimatischen Hölle auch noch menschliche Abgründe auf...

Regie-Debüt mit Vorbildcharakter

Schon die sinnige Doppeldeutigkeit des Titels zeigt die ganze Klasse dieses Films. Hier stimmt noch jedes kleinste Detail. Denn hell ist es in „Hell“ tatsächlich, so gleißend hell, dass das Leben beinahe nur noch im Dunkel möglich ist. Und damit auch so hell, dass dieses Leben wie die buchstäbliche „Hölle (engl. ’Hell’) auf Erden anmutet.

Regie-Debütant Tim Fehlbaum, ein gebürtiger, 28-jähriger Schweizer, ist das gelungen, woran in den letzten Jahren jeder andere deutsche Film und Regisseur kläglich gescheitert ist. Fehlbaum hat eine originäre Bildsprache gefunden und ein Stück Genre-Kino geschaffen, das selbst für Hollywood vorbildlich wäre.
 

Hilfe vom Apokalypse-Papst

Apropos Hollywood: Viel war im Vorfeld zu lesen von Fehlbaums Verbindung zum Apokalypse-Papst der Traumfabrik, zu Roland Emmerich, der dem Regie-Neuling als Executive Producer zur Seite stand.

Das mag in organisatorischer Hinsicht eine Hilfe gewesen sein, unter cineastischen Gesichtspunkten aber ist von einem Emmerich-Einfluss zum Glück nichts zu spüren. Denn wo Emmerichs Weltuntergang in aller Regel nach Popcorn schmeckt und wie ein Spiel für die XBox daherkommt, da vermittelt „Hell“ wirklich einen fühlbaren Eindruck von Hölle.

Mit Plastik-Endzeit-Thrillern wie etwa Emmerichs „The Day After Tomorrow“ hat Fehlbaum Regie-Debüt zum Glück gar nichts gemein. Wenn überhaupt, dann ließe sich „Hell“ eher noch einreihen neben Filmen wie „The Road“ nach Cormac McCarthys Endzeit-Roman oder dem Denzel Washington-Streifen „The Book Of Eli“.

Bilder wie aus Schwefel

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Wahrscheinlich war es auch ein Segen, dass Fehlbaum „nur“ drei Millionen Euro zur Verfügung hatte, und so den Thrill nicht im digitalen Overkill suchen konnte, sondern in einer Geschichte, die dem Zuschauer buchstäblich auf der Haut zu brennen scheint. Was eben damit zu tun hat, dass „Hell“ nicht am Computer und vorm Blue Screen zusammengestückelt, sondern in realen Landschaften umgesetzt wurde.

Bilder, überbelichtet und wie aus Schwefel, die den Augen zu schmerzen scheinen, bietet „Hell“, bevor dann diese gleißende Helle im Laufe des Films monochromen, düsteren Bilder weicht. Dann, wenn die kleine, verzweifelte Reisegesellschaft die Berge und damit die andere, die von Menschen gemachte Hölle erreicht.

Endzeit, Horror, Splatter

Endzeit- und später Horror-, ja beinahe Splatter-Thriller – all das in einem ist „Hell“. Erstaunlich genug, dass all diese Elemente so clever verwoben sind, dass das große Ganze nicht gestört und „Hell“ ein ganz und gar in sich geschlossenes Stück Apokalypse-Horror ist.

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(Wenige) Kritiker-Vorwürfe wie der, der Splatter-Aspekt sei schon deshalb nicht ganz überzeugend, weil eine für den Zuschauer sichtbare Gewaltorgie ausbleiben würde, sind absurd und beweisen wieder einmal, dass Suspense längst auch nicht von allen Kritikern verstanden wird.

Ist es doch auch in der zweiten Hälfte von „Hell“ gerade das Subtile, das bloße Andeuten des Grauens, das den Schrecken so nachhaltig macht. Nachhaltig nicht zuletzt auch dank der grandiosen Schauspieler, die beweisen, dass es auch hierzulande mehr gibt als Beziehungskomödien-Chargen - wenn man nur sucht. Von Hannah Herzsprung jedenfalls wird man in Zukunft noch hören...und sehen.

 

Andreas Kötter