Filmkritik - Lady Vegas
© Wild Bunch Germany/Dink LLC.
Wie im wahren Leben
"Lady Vegas" basiert auf den Erinnerungen der US-Schriftstellerin Beth Raymer, die ihre Karriere als Stripperin und in einem Wettbüro in Las Vegas begann. Rebecca Hall scheint diese Rolle auf den Leib geschrieben.
Beth (Rebecca Hall) hat ein großes Herz, aber dennoch (oder gerade deshalb) meist die falschen Jobs. Vom 'in home strippen' jedenfalls hat sie die Nase voll, lieber wäre ihr schon ein Job in einer Cocktail-Bar in Las Vegas. Aber es kommt noch besser in Vegas: Das Angebot, für den Buchmacher-Fuchs Dink Heimowitz (Bruce Willis) zu arbeiten, erscheint Beth fast schon wie der Jackpot.
Dort etabliert sie sich in Windeseile als sexy Fachkraft, die nicht nur top aussieht, sondern auch noch Köpfchen und ein phänomenales Zahlengedächtnis hat. Dink ist begeistert, was seine eifersüchtige Gattin Tulip (Catherine Zeta-Jones) auf den Plan ruft, so dass das Arbeitsverhältnis bald schon wieder beendet ist. Beth aber gibt nicht auf und versucht sich weiter am Wettgeschäft. Allerdings nicht mehr im Zockerparadies Vegas, sondern in New York City, diesmal an der Seite des zwielichtigen Buchmachers Rosie (Vince Vaughn). Das Problem: Im „Big Apple“ sind Profi-Wetten illegal. Und schon bald stecken Beth und ihr neuer Freund, der Journalist Jeremy (Joshua Jackson) mittendrin in den größten Schwierigkeiten. Nur Dink kann jetzt noch helfen...
Die wahre Geschichte der Beth Raymer
"Nach einer wahren Geschichte": Dieser Zusatz, der ja nichts anderes sein soll als ein ganz besonderes Gütesiegel, macht sich immer gut. Vielleicht weil sich die Zuschauer danach sehnen, dass es Träume, die wahr werden, eben nicht nur in Hollywood gibt, sondern auch im richtigen Leben.
Auf dem Regie-Stuhl: Stephen Frears
Der englische Regisseur Stephen Frears ("My beautiful Laundrett","High Fidelity") hat sich den Erinnerungen von Beth bzw. des Drehbuchs Drehbuch von D.V. DeVincentis ("Ein Mann, ein Mord") angenommen. Und in diesem Drehbuch liegt vielleicht für manch einen auch ein kleiner Makel des Films. Denn DeVincentis hatte mit dem Schreiben bereits begonnen, als Beth ihr Buch – und damit die Vorlage - noch gar nicht beendet hatte.
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Das merkt man Frears’ Film an, der manchmal ein wenig ziellos wirkt. So als könne er sich nicht entscheiden, ob er nun Biopic, Gauner- oder romantische Komödie sein möchte.
Ein Drama ist das aber nicht. Im Gegenteil. Lässt man sich darauf ein, dann kann man "Lady Vegas", den Film, der auf einem wahren Leben mit allen Höhen, Tiefen, Absurditäten, Lachen und Weinen basiert, durchaus auch genauso goutieren - so unvorhersehbar, so unorganisiert, so zufällig wie das Leben nun manchmal ist.
Bruce Willis gibt den Modemuffel - Catherine Zeta-Jones die Tussi
Was natürlich auch damit zu tun hat, dass Frears wunderbare Darsteller gefunden hat. Rebecca Hall ("Frost/Nixon", "Vicky Cristina Barcelona") ist die Beth auf den Leib geschneidert wie selten einer Schauspielerin ein Leben. Wie Hall die junge Frau mit dem großen Herzen auf der Suche nach dem möglichst noch größeren Glück gibt, wie sie alle um den Finger wickelt und doch manchmal auch ein wenig unsicher wirkt, das macht ihre Beth so lebendig.
Aber auch sonst ist es eine wahre Freude, den Akteuren zuzuschauen. Bruce Willis, hier mit grässlichem Floridahemd und noch grässlicheren weißen Tennissocken, beweist mit zunehmendem Alter endlich (wieder), dass er mehr drauf hat als nur drauf zu hauen. Und Catherine Zeta-Jones zeigt Mut zur Zicke. Als Dinks Ehefrau Tulip ist seine echte Show, irgendwo zwischen Tussi, Nervensäge und Superschlampe angesiedelt. Wenn man so will, Menschen wie du und ich also.
Andreas Kötter