Mission Impossible - Phantom Protokoll - Filmkritik
© Paramount
Hypernervös wie ein Perpetuum mobile
„Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ kennt nur eine Richtung und eine Geschwindigkeit: Vorwärts mit Vollgas. Was nach Rasanz klingen mag, sorgt aber trotz der waghalsigen Stunts von Tom Cruise nur für Ermüdung.
Als IMF-Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) und seine Crew eine Operation im Kreml durchführen, explodiert plötzlich eine Bombe. Diese Explosion wird Hunt und seinem Team angehängt, und die US-Regierung leugnet jede Verbindung zur Spezialeinheit. Um den wahren Drahtziehern des Anschlages auf die Spur zu kommen, bleibt dem IMF-Team nur die Flucht in den Untergrund. Bald schon gerät man in Dubai an den geheimnisvollen Kurt Hendricks (Michael Nykvist)...
Kein Moment der Besinnung
Zum nun auch schon vierten Mal gibt Tom Cruise den Mann, der alles kann. Ein Mann für unmögliche Aufträge: Der Agent Ethan Hunt, gegen den selbst James Bond wie ein Waisenknabe wirkt.
© Paramount Pictures
Nach Brian de Palma, John Woo und J.J. Abrams versucht sich nun Regisseur Brad Bird (u. a. „Ratatouille“) an der doch sehr formelhaften Idee hinter dem „M:I“-Trademark.
So ist dann auch „Mission Impossible – Phantom Protokoll“ wieder ein Film in ständiger Bewegung. Ein Film, hypernervös wie ein Perpetuum mobile, der sich und seinen Zuschauern nicht einen Moment der Besinnung schenkt.
Das aber, diese ständigen Verfolgungsjagden, Explosionen etc., die den Zuschauer eigentlich doch bei der Stange halten sollen, die ermüden ihn vielmehr doch zusehends.
Kapitulation vor der Tradition des Geschichten-Erzählens
Genau genommen ist „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ nicht mehr als ein bunter Bilderbogen. Eine wilde Hatz, bei der sich spektakulärer Stunt an spektakulären Stunt reiht, und das selbstverständlich immer an noch spektakuläreren Locations wie dem Burj Khalifa-Tower in Dubai, dem höchsten Gebäude der Welt.
Ethan Hunt: Agent mit der Lizenz zur Cartoon-Figur
Die originäre Fähigkeit seiner Profession, die Darstellung eines Charakters, die ist hier nie gefragt. Tatsächlich scheint es vielmehr so, dass Regisseur Bird bei seinem Realfilm-Debüt schlichtweg immer noch in Trickfilm-Kategorien gedacht hat.
© Paramount Pictures
Dass in Birds Portfolio auch der zweifelsohne gelungene Superhelden-Animationsspass „The Incredibles“ gehört, das passt wie die viel zitierte Faust aufs Auge.
Denn mit jeder weiteren „M:I“-Episode drängt sich immer stärker auch der Eindruck auf, dass Ethan Hunt doch nicht viel mehr ist als eine Cartoon-Figur. Wenn auch eine sehr attraktive.
Andreas Kötter