Die drei Musketiere - Filmkritik

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Wie das Luftschiff zu seinem Namen kam

Mit seiner Version des „Die drei Musketiere“-Stoffes will Regisseur Paul W. S. Anderson die großen Klassiker von George Sidney und Richard Lester herausfordern. Das aber gelingt dem aufwändigen Spektakel kaum.

Frankreich im 17. Jahrhundert. Die drei Musketiere Athos (Matthew Macfayden), Aramis (Luke Evans) und Porthos (Ray Stevenson) scheinen ihre besten Tage längst hinter sich zu haben. Dem machthungrigen Kardinal Richelieu (Christoph Waltz) und dessen Bestrebungen, den König zur bloßen Marionette zu machen, hat das Trio kaum noch etwas entgegenzusetzen.

Dann aber taucht der junge, tollkühne D’Artagnan (Logan Lerman) in Paris auf und reißt die alten Helden aus ihrem Vorruhestand. Gemeinsam stellen sich die Musketiere den Schergen des Kardinals entgegen und treten ein für den jungen Regenten. Frei nach dem weltberühmten Motto  „Einer für alle? – Jeder für sich selbst!“

Große Vorbilder mit Gene Kelly und von Richard Lester

Neben „Robin Hood“ gibt es wohl kaum einen zweiten Abenteuer-Klassiker, der so oft verfilmt worden ist, wie Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“. Und warum auch nicht?! Ist diese große, pralle Abenteuer-Geschichte um Freundschaft und Loyalität doch  absolut zeitlos. Man sollte also meinen, dass man auch in der xten Verfilmung eigentlich kaum etwas falsch machen kann.

Eigentlich. Denn Regisseur Paul W. S. Anderson macht im Bestreben, eine Art Zeitgeist-Musketier-Story auf die Leinwand zu bringen, dann eben doch längst nicht alles richtig. Zugegeben, die Meßlatte liegt hoch, wenn man den Stoff an den besten Leinwandadaptionen misst, der Gene Kelly-tanzt-mit-dem-Degen-Variante von 1948 und dem leicht anarchisch-ironischen Zweiteiler von Richard Lester aus den 70er Jahren.

„Fluch der Karibik“ meets „Wild Wild West“

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Anderson weiß sicher um die Güte dieser Vorbilder. Im Versuch sie zu übertreffen, setzt er auf große Ausstattung (die letzte Arbeit von Produzent Bernd Eichinger wurde komplett in Deutschland gedreht, Bamberg gibt Paris) und auf beinahe unablässiges Spektakel und Feuerwerk. Soll heißen: die Kampf- und sonstigen Actionszenen sind natürlich State of the Art und damit durchaus sehenswerte Unterhaltung. Und wer immer schon wissen wollte, wie das Luftschiffe zu seinem Namen kam, für den haben der Regisseur und Orlando Bloom als Herzog von Buckingham eine wirklich schlüssige Erklärung.

Und das alles auch noch in spektakulärer 3D-Optik! Aber Bloom oder besser sein bloßer Name steht auch stellvertretend dafür, was hier schief läuft. Der Engländer war einer der Erfolgsgaranten der großen „Fluch der Karibik“-Hysterie. Und macht auch hier keine schlechte Figur. Aber Regisseur Anderson mischt in seinem Bestreben, die ultimative Musketier-Blaupause zu kreieren, nahezu hemmungslos den Piraten-Blockbuster-Esprit mit weiteren Kinospektakeln wie „Wild Wild West“ oder „Indiana Jones“.

Figuren, keine Charaktere

Soviel Overkill kann aber höchstens dann gut gehen, wenn die Protagonisten nicht nur Figuren, sondern Charaktere sind. Und genau diese Aufgabe erfüllen die wichtigsten Protagonisten, die (vier) Musketiere hier nicht.

Wer etwa an Michael Yorks D’Artagnan denkt, an Oliver Reeds Athos, an Charlton Hestons Richelieu oder Faye Dunaways Milady de Winter (allesamt im Richard Lester-Zweiteiler), den dürften Lerman, Macfayden, Christoph Waltz und die Regisseurs-Gattin Milla Jovovich in eben diesen Rollen doch sehr ernüchtern. Denn (nicht nur) deren Figuren bleiben auch Figuren, ja sind – mit Ausnahme von Bloom und James Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen als Rochefort – eher Karikaturen der genannten Vorbilder.

Dass eine Knallcharge wie Til Schweiger dank seiner Freundschaft zu Eichinger auch noch mit von der Partie ist, macht die Sache nicht besser. Schade, angesichts einer Produktion, die – s. o. - ansonsten auch einiges richtig macht. Wenn aber das Wichtigste, die Sympathieträger und die Identifikationsfiguren schwächeln, dann bleibt am Ende eben doch eine gewisse Leere.

 

Andreas Kötter