Shanghai im Jahr 1941. Die von japanischen Truppen besetzte Hafenstadt wird von der Härte der Besatzer, der ro…
Shanghai - Filmkritik
© CENTRAL FILM Verleih
Ein Cusack macht noch keinen Bogart
Mikael Hafström versucht sich mit „Shanghai“ an einer Hommage an „Casablanca“ und Hollywoods „Schwarze Serie“. Das gelingt aber nur teilweise, denn trotz visueller Opulenz bleibt das Verlangen nach großen Gefühlen unbefriedigt.
Wir schreiben das Jahr 1941. Noch tobt der 2. Weltkrieg vor allem in Europa. Aber auch im Pazifik brodelt es, Japan gehört zu den Achsenmächten und ist getrieben von ähnlich wirren Expansions-Plänen wie das Deutsche Reich. Noch aber geschieht vieles im Verborgenen.
Der amerikanische Geheimagent Paul Soames (John Cusack), der in Shanghai den Mord an seinem besten Freund aufklären will, gerät in ein Netz aus Intrigen, Lügen und Verrat. Die Schlüsselfiguren im verwirrenden Ränkespiel sind der Chef des japanischen Geheimdienstes, Tanaka (Ken Watanabe), der charismatische Triadenboss Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat) und dessen Frau schöne Anna (Gong Li), die über Verbindungen zur chinesischen Widerstandsbewegung verfügt.
Als Soames herausfindet, dass der Tod des Freundes mit den geheimen Kriegsplänen der Japaner zusammenhängt, und er sich zudem in die mysteriös-verführerische Anna verliebt, gerät der US-Agent in größte Lebensgefahr...
Historische Einordnung: Kurz vor Pearl Harbor
Die amerikanische Geschichte kennt zwei große nationale Tragödien, die diese Nation, die sich gerne selbst auch als von Gott auserwählt bezeichnet, bis ins Mark erschüttert haben. Da ist zum einen – aus heutiger Sicht – natürlich der 11. September 2001, der sich gerade erst zum zehnten Mal gejährt hat. Für die andere steht „Pearl Harbor“.
Der Angriff der japanischen Marineluftstreitkräfte am 7. Dezember 1941 auf die in Pearl Harbor auf Hawaii vor Anker liegende Pazifikflotte der USA gilt den Amerikanern heute als bitteres Synonym für einen ohne rechtzeitige, diplomatische Vorwarnung erfolgten, vernichtenden Angriff. Denn Japan hatte den USA zuvor nicht offiziell den Krieg erklärt, der Angriff erfolgte buchstäblich aus heiterem Himmel. Mehr als 2400 Soldaten fielen, zwanzig Schiffe sanken oder wurden beschädigt. „Pearl Harbor“ bedeutete damit auch gleichzeitig den Eintritt der Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg.
Große Vorbilder: „Casablanca“ und Co.
Prächtige Kulissen, aber blutleere Figuren
Und in mancherlei Hinsicht ist Hafström diese Hommage durchaus auch gelungen. Sein Kino ist eines der Eleganz und der Opulenz. So prächtige, nostalgisch anmutende (Studio)-Kulissen wie hier, die sieht man jedenfalls nicht mehr allzu oft in Zeiten der Computer-Animationen und der On Location-Drehs. Das mag vielleicht für jüngere Gemüter etwas altmodisch, ja altbacken daher kommen, zeugt aber von einem großen Stil- und Geschichtsbewusstsein der Macher.
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Dass „Shanghai“ damit zwar ein Augenschmaus, aber dennoch kein ganz großes cineastisches Vergnügen ist, das liegt an den Figuren, bzw. an den Schauspielern, die diesen Figuren Leben einhauchen sollen. John Cusack ist alles andere als ein Unsympath. Im Gegenteil, oft genug hat Cusack den amerikanischen Jedermann gegeben und dabei oft auch eine gute Figur gemacht.
Was ihm aber völlig abgeht ist das Lakonisch-Zynische eines Bogart oder eines Mitchum. Und so entzückend Gong Li auch daherkommt, so wenig kann sie mithalten mit dem verrucht-lasziven Femme Fatale-Charme einer Lauren Bacall oder einer Rita Heyworth. So bleibt das Verlangen des Zuschauers nach den ganz großen Gefühlen am Ende trotz aller optischen Opulenz unbefriedigt.
Andreas Kötter