Straw Dogs - Filmkritik

Gewalt ist (k)eine Lösung ...

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„Straw Dogs“ ist ein Klassiker von Regie-Legende Sam Peckinpah über die Mechanismen von Gewalt. Regisseur Rod Lurie hat sich an ein Remake gewagt und die Handlung aus dem englischen Hinterland in den tiefsten Süden der USA verlegt.


David Sumner (James Marsden) ist ein erfolgreicher Hollywood-Autor, seine Frau Amy (Kate Bosworth) eine blendend aussehende Schauspielerin. Als Amy das tief in den Südstaaten gelegene Haus ihrer Eltern erbt, entschließt sich das Ehepaar Los Angeles zu verlassen.


In der alten Heimat trifft die junge Frau schon bald auf ihre einstige Highschool-Liebe, den damaligen lokalen Football-Star Charlie (Alexander Skarsgard), den David mit Reparaturarbeiten beauftragt.


Schon bald treten erste Spannungen auf zwischen den Männern aus dem Provinzkaff und dem Pärchen aus der Glitzerwelt Hollywoods. Schließlich wird Amy vergewaltigt, ohne dass David davon zunächst erfährt.


Auch zwischen dem jungen Ehepaar kommt es nun zu Spannungen. Und dann entladen sich diese Spannungen in einem Blutbad...

Im Original gab Dustin Hoffman den unerbittlichen Rächer

Noch ein Remake eines Klassikers also. Nachdem vor kurzem John Carpenters „The Thing“ wiederaufgelegt worden ist, hat man sich nun an „Straw Dogs“ versucht, der tief verstörenden Gewaltexzess-Studie von Regielegende Sam Peckinpah. Regisseur Rod Lurie, der mit „Rufmord – Jenseits der Moral“ vor einigen Jahren großes Gespür bewiesen hatte für die Zusammenhänge von Macht, Sex und Politik, hat sich nun dem Peckinpah-Klassiker aus den frühen 70er Jahren angenommen.


Damals waren es der junge Dustin Hoffman und Susan George, die im ländlichen, sonst so pittoresken England buchstäblich unter Feuer genommen wurden...und sich schließlich auf grausame Weise zur Wehr setzten. Kaum einmal zuvor und, so überzeugend, auch danach nie wieder hatte ein Filmemacher die Mechanismen von Gewalt in einen furiosen, unerbittlichen Revenge-Alptraum umgesetzt und sichtbar gemacht.

Ein pessimistisches, ja nihilistisches Menschenbild

Peckinpah galt damals ohnehin als das Enfant Terrible der Traumfabrik. Mit seinem monumentalen Western-Abgesang „The Wild Bunch“ hatte er schon 1969 Gewalt auf der Leinwand neu definiert und die Zeitlupe in Gewaltsequenzen zum Status Quo erhoben. Einer seiner Lieblingssprüche damals: „Die meisten Menschen wissen nicht wie ein Einschussloch aussieht, ich will es ihnen zeigen.“


Und spätestens mit der Gnadenlosigkeit von „Straw Dogs“ sorgte Peckinpah dann für einen handfesten Skandal. So gibt es die unzensierte, von ihm ursprünglich beabsichtigte Fassung des Films bei uns erst seit 2007 auf DVD zu sehen. Der Regisseur hatte einer Gesellschaft, die sich für zivilisiert hält, den Spiegel vorgehalten. Und das, was die Kino-Zuschauer da damals zu sehen bekamen, das dürfte ihnen kaum gefallen haben. Mit einem so pessimistischen, ja nihilistischen Menschenbild, mit dem wollte nur gerade einmal 25 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust niemand konfrontiert werden.
 

Remake erreicht nicht die Ambivalenz des Originals

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Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen, und auch im Kino sind längst jegliche Schranken gefallen und ist längst jedes Tabu gebrochen worden. Filme, die sich explizit und auf pornographische Weise irgendwelchen wahnhaften Folter-Visionen widmen wie die „Saw“- oder die „Hostel“-Streifen, oder TV-Blut-Exzesse wie „Spartacus“ haben das Publikum beizeiten desensibilisiert.


Rod Lurie ist wohl auch deshalb klar gewesen, dass er dem Peckinpah-Klassiker in Sachen Gewalt-Darstellung kaum etwas hätte hinzufügen können. Um seiner Geschichte dennoch einen neuen Dreh zu geben, hat der Regisseur das Geschehen also aus dem englischen Hinterland in den tiefen Süden der USA verlegt. Dorthin, wo Traditionen so hoch gehalten werden wie vielleicht nirgendwo sonst in Amerika. Hier ist God’s Own Country, hier gehen die Uhren anders als im Rest der USA und damit auch anders als in Davids Hollywood.


Dass Luries neue Schauplatzwahl dennoch nur bedingt gelingt, liegt daran, dass er bisweilen zu dick aufträgt und in typische Klischees vom tumben, rassistischen Redneck verfällt. Der ursprünglichen Absicht der Story schadet das. Denn so neigt man allzu gerne dazu, Davids Rache-Exzess zu rechtfertigen. Die Ambivalenz des Peckinpah’schen Originals jedenfalls, die bleibt bei Luries Fassung auf der Strecke.


Andreas Kötter