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Der Brite und seine kreative Flucht vor dem Druck

George Ezra

Mit gerade einmal zwanzig Jahren hat sich George Ezra in die beneidenswerte Rolle eines Newcomers gebracht, dessen Name in aller Munde ist. Wie es dazu kommen konnten, ist dem in Hertford geborenen Sänger mit der tiefen, bluesigen Stimme allerdings selbst nicht ganz klar. Der Hype um seine Person ist ihm aber offensichtlich nicht zu Kopf gestiegen – auch heute noch reagiert der 20-Jährige auf die zahlreichen Erwähnungen in den „One To Watch in 2014“-Listen mit ungläubiger Verlegenheit. „Alle sagten mir, dass dies mein Jahr werden würde“, erinnert sich Ezra. „Das klingt natürlich sehr schön, ist aber gleichzeitig auch problematisch, denn ich plane ja auch 2015 noch am Start zu sein und lange darüber hinaus.“

George Ezra - Feature
© Danny North

In Großbritannien erschien gerade seine zweite EP „Cassy O“ , sein Debütalbum „Wanted On Voyage“ folgt Ende Juni, doch in der Zwischenzeit macht er genau damit weiter, was er seit er seinem siebzehnten Lebensjahr macht, als er nach Bristol zog um Songwriting zu studieren: er schreibt Songs. Im Sommer 2013 trat er auf der BBC Introducing-Bühne beim legendären Glastonbury-Festival auf und bekam große Augen, als sich Massen von Fans ins Zelt drängten und seine Texte mitsangen. Im Herbst wurde der Song „Budapest“ (ebenfalls von der Debüt-EP) als Gratis-Download online gestellt und schnell von einigen Radio 1 DJs aufgegriffen und gespielt, noch lange bevor sie offiziell bemustert worden waren.   

Einige Songs auf dem Debütalbum „Wanted On Voyage“ gehen auf Ezras College-Zeiten zurück. Ein Großteil des Albums wurde auch durch eine Reise inspiriert, die er ganz alleine im vergangenen Sommer unternahm. Der Song „Budapest“ handelt zum Teil davon, dass es einem nicht gelingt, bis nach Budapest zu kommen, greift jedoch auf der anderen Seite auf surreale Art und Weise die uralte Idee auf, alles für ein Mädchen zu opfern. „Cassy O‘“ beschreibt den Wunsch, dass die Reise niemals enden wird.

 

„Wanted On Voyage” wurde zwischen Anfang November und Mitte Januar in Clapham im Süden Londons mit Produzent Cam Blackwood (London Grammar, Florence and the Machine, Paulo Nutini etc.) aufgenommen. Der Refrain „What are you waiting for?” des Album-Openers „Blame It On Me” bringt das Motto des Sängers auf den Punkt, Aufgaben einfach anzupacken und zu erledigen. „Listen To The Man“ ist eine benebelt bluesige, sommerlich klingende Lehrstunde in Sachen Selbstvertrauen. Soundtechnisch ist der überraschendste Track auf „Wanted On Voyage“ das aufmüpfige, elektronische „Stand By Your Gun“, das klingt, als hätten sich The Blue Nile an einem Disco-Song versucht. Den lustigsten Text – und davon gibt auf der Platte einige – enthält vermutlich „Drawing Board“, eine Fantasie-Vergeltung in Richtung Ex, wenn die Beziehung den Bach runtergegangen ist.    

„Das Album klingt auf jeden Fall nach Spaß“, sagt Ezra. „Das liegt vielleicht daran, weil es so viel Spaß gemacht hat, es zu machen. Ich mag es eigentlich nicht, darüber zu reden, wovon meine Songs handeln, aber auf vielen mache ich mich über mich selbst lustig, u.a. auch bei dem Song ‚Cassy O‘, in dem ich über meine eigenen Klischee-Gedanken spotte. ‚Listen To The Man‘ ist eigentlich nur ein alberner Song, den man live toll spielen kann. Bei ‚Leaving It Up To You‘ singe ich im Refrain Falsett, was für jemanden mit einer tiefen Stimme, wie ich sie habe, nicht ganz einfach ist. Auf der Bühne behaupte ich, dass ich Mädels habe, die es für mich singen. Das ist natürlich Quatsch, aber es klingt ziemlich cool.“

Alle Songs des Albums wurden vor den Aufnahmen monatelang live gespielt. Im Studio spielte Ezra Gitarre, Bass und Keyboards, das Schlagzeug überließ er allerdings anderen. Bei „Blame It On Me“ gibt es die einzigen Streicher des Albums – eine einzige Note, gespielt auf dem Cello.

„Das Beste im Studio waren die beiden Achtziger Jahre-Keyboards, mit denen wir jede Menge verrückter Sounds machten“, sagt Ezra. „Der seltsame Beat bei ‚Did You Hear The Rain?‘ besteht aus drei Loops, die wir fanden – ein Beatboxer, ein Didgeridoo-Spieler und noch etwas anderes, an das ich mich nicht mehr erinnere. Wir schickten Loops durch Verzerrer und machten dann Beats daraus. Auf dem Album gibt es jede Menge davon und es macht wahnsinnig viel Spaß, sowas im Studio zu machen, die Quittung bekommt man dann aber, wenn man eine Band hat und versucht, die Rhythmen live zu reproduzieren.“

Es läuft nicht alles wie von ganz allein, und Ezra ist durchaus bewusst, dass es noch viele weitere Herausforderungen geben wird, die es zu überwinden gilt, doch er bewahrt sich stets eine entspannte Grundeinstellung  -  dieser Typ hat einfach einen vernünftigen Kopf auf seinen Schultern. 

„Und wenn alles schief geht, dann lache mich darüber mindestens genauso kaputt wie alle anderen.“

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