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Ihr findet sie unter H wie Judith Holofernes

Judith Holofernes

Judith Holofernes , Frontfrau der seit 2011 pausierenden Band Wir sind Helden, hat eine Soloplatte aufgenommen – unter dem Radar, aber mit Radau. Mit Einflüssen von 80er Jahre Groove-Punk, 90er Jahre Indie-Rock , Country, Zydeco und 60er Jahre Rock ’n’ Roll liefert sie jetzt ein gutgelauntes und ordentlich zerzaustes „Debüt“ ab, das schnell klarstellt: Die Holofernes führt auch als Solokünstlerin „ Ein leichtes Schwert .“

Judith Holofernes
© Sony Music

Und warum hat sie niemandem Bescheid gesagt? Das erklärt sich wohl im Titelsong: „Ich will ein Schwert, das bei der Arbeit singt/ alleine für die, die es schwingt/ Eins, das meinen Namen in hunderte Bäume ritzt/ und dann wieder stumm an meiner Seite sitzt/ – ein leichtes Schwert.“ Und so ein Schwert findet man wohl am besten, wenn einem keiner beim Suchen zuguckt. Und so unterhielt Holofernes ihre Fans auf ihrem Blog www.judithholofernes.com  vornehmlich mit schrägen Kreuzberg-Anekdoten und Tiergedichten – ohne ihnen Hoffnung auf neue Musik zu machen.

Im September 2013 postete sie dann jedoch diese nur nachlässig codierten Zeilen: „Als meine Band 2011 in die Pause ging, hatte ich keine Ahnung, was ich als Nächstes machen würde. (...) Und so hing ich eine imaginäre Hängematte in meinen imaginären
Garten und übte mich im Schaukeln. Aber ach! Bei den ersten Versuchen wurde mir übel. Bei den Darauffolgenden schlief ich ein und träumte wilde Hundeträume mit zuckenden Pfoten. Er will geübt sein, der Müßiggang!
Eine ungezähmte Hängematte kann dich abwerfen wie ein störrisches Pferd. Aber weil ich stur und ehrgeizig bin, schaukelte ich bald sanft und sicher – und wenn ich träumte, schaukelte ich in den Wolken weiter. „Ich mach
heut nichts!“ dachte ich beim Aufwachen zufrieden. „Nichts! Nichts! Nichts! Nichts, was etwas nutzt, wobei man schwitzt oder lang sitzt.“ Hmm. „Ich bin Nichts! Nichts! Nichts! Nutz! Nutz! Nutz! Nichts, was etwas nutzt,
was unterstützt oder was putzt.“ Und damit ging ich federnden Schrittes ins Haus, mein Notizbuch und meine Ukulele zu holen.“

„Das reimt sich doch! Das ist doch ein Lied!“, denkt da doch der aufmerksame Leser. Und so ist es: Jene Zeilen waren die Initialzündung für einen ersten Song: „ Nichtsnutz “ ist eine hüpfige, verquere Ode an den Müßiggang, verpackt in eine Mischung aus Graceland-Afrobeat und Delta-Blues, getragen von einem verblüffend groovigen Geflecht aus Bluesgitarre und Ukulele. Gespielt übrigens, wie auch alle anderen Gitarren auf dem Album, von eben jener Künstlerin, die noch im Jahr 2009 behauptete, die Nase voll zu haben vom Gitarre spielen. Aber so ist das wohl. „Wenn man gerade mal gar nichts muss, dann findet man vor allem eins heraus, nämlich: was man trotzdem macht“, sagt Holofernes dazu. Und dann findet man in einer Ecke des eigenen Arbeitszimmers vielleicht ein mit Saiten bespanntes Schwert. Oder eben eine Ukulele, ein bestechend vielseitiges und, ja eben, leichtes Instrument, das Holofernes, als bekennender Dolly-Parton-Fan, übrigens schon vor dem allgemeinen Hype mit Hingabe gespielt hat.

Kurz nach jenem Hängematten-Bericht ließ die Holofernes dann endgültig die Katze aus dem Sack – bzw. schmiss das schläfrige Tier unsanft aus eben jener Hängematte. In einem gutaufgelegten Bekennerschreiben gab sie öffentlich
zu, „ganz offensichtlich ... immer noch Musik“ zu machen. Sie schreibt: „Ich habe dies im letzten Jahr sehr viel ausgiebiger getan, als ich der Welt (und am Anfang auch mir selbst) gegenüber zugeben wollte. So habe ich heimlich
einen ganzen Haufen Lieder aufgenommen – mit dem Deppenprogramm GarageBand, ganz alleine, auf meinem Bett, auf dem Sofa, im Stehen ... und ganz manchmal sogar in einem beinahe dafür geeigneten Arbeitszimmer“.
(....) Und jetzt ihr: Wer von euch hat gedacht, ich schreibe ab jetzt nur noch Tiergedichte? Ich selber, für ungefähr fünf Minuten.“

Trotz aller Freude am Alleinebasteln sollte Holofernes nicht lange allein bleiben. Immerhin war das, was sie da vorhatte, ziemlich weit entfernt von einer besinnlichen Solo-Singer-Songwriter-Platte. Sie schreibt weiter: „Nach wenigen Monaten der Einsiedelei fiel mir dann ein, dass ich exzellenten Kontakt zu einem echten Drummer pflege,“ – eine Anspielung auf Ehemann und Helden-Drummer Pola Roy – „... also (...) auf dem schnellsten Weg rüber in unser kleines Studio. Dortselbst entstand aus meinen kratzigen Demos nicht minder kratzige Musik – in kleinster, aber wummsiger Besetzung, mit dem wunderbaren Jörg Holdinghausen (Tele, Per Anders) am Bass (und so ziemlich Allem, was man ihm in die Hand drückt) – und dem euch wohl vertrauten und natürlich nicht minder wunderbaren Pola Roy am Schlagzeug.“

Im April 2014 findet man sie dann endlich auch wieder auf der Bühne – in größerer Besetzung, aber wahrscheinlich nicht minder ungekämmt. Judith Holofernes’ Solo-Album „Ein leichtes Schwert“ erscheint am 7ten Februar über Four Music. Die erste Single „Liebe Teil 2 - jetzt erst recht“, laut Holofernes „ein Liebeslied für die Zeit nach dem Abspann“ soll noch dieses Jahr in den Äther geschickt werden.

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