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Am 6. Februar erscheint sein neues Album "Aus dem Schatten ins Licht"

Kontra K

Es ist kalt - draußen auf der Straße; und auch hier in deinen vier Wänden. Aber nicht nur da, es ist auch kalt in dir drin. Um dich herum nur ein Dunkel, das nach dir greift. Aber durch das Fenster fällt ein wenig Licht ins Zimmer. Sonne oder Mond? Irgendetwas ist da. Und du weißt: Da wo Schatten ist, existiert auch Licht. Die Frage ist:Was bist du? Schatten oder Licht? Darauf kommt es an.

Kontra K
© Oliver Rath

"Aus dem Schatten ins Licht", das Four Music-Debütalbum von Kontra K, erzählt von der Reise aus dem Dunkeln an das Licht - von der Vergangenheit ins Jetzt. Dabei schwelgt der Berliner Rapper nicht in verklärter Nostalgie oder drückt auf die Tränendrüse. Er spricht reflektiert über vergangene Zeiten und zeigt, wo es hingehen kann, wenn man nur will. Er erzählt seine Geschichte. Denn wenn Kontra K jetzt auf seinem neuen Album rappt »Erfolg ist kein Glück, sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen", dann ist das keine leere Worthülse, sondern Losung und Ansage zugleich.

Es ist vor allem die Wahrheit. Denn Kontra K hat die Schattenseiten des Lebens gesehen. Nicht die kühlen Plätzchen, die einen vor der heißen Sonne schützen, sondern Orte, an denen keine Sonne scheint. Geboren wird Kontra K in Berlin-Charlottenburg, kein sozialer Brennpunkt, dennoch ist auch hier eine Kindheit weit entfernt von gehobener Mittelklasse-Idylle möglich. Der Kontakt zum Vater wird dem Heranwachsenden polizeilich untersagt - er trifft ihn dennoch immer wieder. In der Schule läuft es alles andere als rund. Eigentlich sind es mehrere Schulen, denn lange bleibt er nie auf einer. Man kann das seinem impulsiven Charakter zuschreiben. Fakt ist: Er randaliert und prügelt sich. Das bisschen Boxen, das der Vater ihm beigebracht hat, reicht längst nicht mehr aus, um seine Aggressionen abzubauen. Es ist dunkel um ihn herum, in ihm. Er weiß nicht wohin. Nach mehreren Schulwechseln bricht er schließlich die Schule komplett ab. Kontra K ist 16 Jahre alt und hat längst einen Weg eingeschlagen, auf dem die eigene Mutter kaum mehr Einfluss auf ihn nehmen kann. Dass man Teil eines kriminellen Umfelds ist, merkt man dann richtig, wenn es Stück für Stück wegbröckelt - weil die neuen Freunde in den Knast wandern oder einfach weg sind. "Auch wenn manche Dinge im Rückblick ganz witzig anmuten, war es alles andere als lustig", erinnert sich Kontra K heute. "Als Jugendlicher weißt du noch gar nicht, wo du hinwillst im Leben. Aber wenn du immer nur gedrückt wirst, bist du irgendwann steinhart - dann ist dir auch scheißegal, was passiert." Doch Kontra K trifft eine Entscheidung.

"Ich habe gemerkt, dass ich da nicht hingehöre und beschlossen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen." Mit Anfang 20 sucht Kontra K Ablenkung und Ausgleich im Sport und fängt wieder mit dem Kickboxen an. Und da ist noch etwas: Schon während seiner turbulenten Tage hat Kontra K immer wieder auf der Baustelle gejobbt. Dort geht er jetzt wieder hin. Erst arbeitet er als Maler, dann wird er Haustechniker und schließlich Industriekletterer. Wochenlang ist er auf Montage in ganz Europa unterwegs - weit weg von all dem Trouble in Berlin. "Ich habe gar keine Zeit mehr gehabt, Scheiße zu bauen", sagt er heute. Wieder zurück in Berlin macht er sich selbstständig und betreibt bald ein
eigenes Industriekletter-Gewerbe und arbeitet nebenher in einem Boxclub als Trainer für Jugendliche. Außerdem wird er Vater. »Letztendlich ist mein Leben bis hierhin verlaufen wie ein Film mit Happy End«, blickt er zurück. »Klar kann immer noch Scheiße passieren. Aber damit komme ich jetzt klar.« Auch weil Kontra K seine Musik hat.

Schon für die "Wölfe" -EP hat Kontra K mit Dirty Dasmo (u.a. Marteria , Kollegah , Die Orsons, 257ers) und Matthias Mania zusammengearbeitet. Mit dem gleichen Team hat er sich an sein neues Album gesetzt. "Ich hätte mir auch einfach 20 Beats zusammensuchen können, aber ich wollte Musik machen! Deswegen bin ich mit meinen beiden Produzenten ins Studio und wir haben einfach probiert, gute Musik zu machen." In unzähligen Studio-Sessions entwickelte das Trio den Sound für "Aus dem Schatten ins Licht". Erhabene Gitarrenflächen wechseln sich ab mit rotzigen Riffs und treffen auf wuchtige Drums, die einem nicht nur auf Platte sondern auch live mit Schmackes entgegenschlagen.

Bereits im zweiten Stück "Erfolg ist kein Glück" stellt Kontra K klar, dass man nichts dem Zufall überlassen sollte, sondern sein Schicksal selbst in der Hand hält und all die Meilensteine im eigenen Leben selbst bestimmt - eben weil sie »das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen« sind. »Träume« erinnert eindrucksvoll an unbeschwerte Kindertage, weit Weg von Hass, Neid und Gier und fragt, wo eigentlich all unsere großen Pläne und Ziele von damals hin sind. Aber dann gibt es auch Songs wie "Atme den Regen", mit dem Kontra K der Berliner Betontristesse ein hoffnungsvolles, melodisches Lied entgegenstellt. Oder das bewegende "Karma", ein herzergreifender Rap-Song über Leben und Sterben, auf dem er den Tod seiner Großmutter und die Geburt seines Kindes verarbeitet. Songs, die man von Kontra K vielleicht so nicht erwartet hätte. Kontra K sagt dazu: "Ich mache Tracks, die so rund sind, dass ich sie selber geil finde. Egal um was es in dem Song geht, bin das immer zu 100 Prozent ich."

Neben all den melancholischen und majestätischen Stücken bietet "Aus dem Schatten ins Licht" auch die Art von rauem Rap, für die man Kontra K seit jeher kennt. "Hassen ist leicht" mit seinem langjährigen DePeKa-Weggefährten Skinny Al (auf der Extended Version vereint Kontra K alle alten Begleiter wie Bonez MC, Skinny Al, Fatal, Gazi 030, Skepsis und Crackaveli auf dem Song) oder "Disziplin" drücken mit Monsterbässen tief in die Magengegend und malträtieren mit hochaktuellen 808-Drums das Trommelfell. Und dann ist da noch "Kampfgeist 2", die Fortsetzung von Kontra Ks legendärer Motivationsmusik aus dem Jahr 2012. Ein Song, zu dem man unweigerlich seine Joggingschuhe schnüren, zehn Kilometer rennen und danach noch Liegestütze drücken muss, bis die Arme schlackern - eine positive Motivation, wie sie nicht viele andere Rapper herüberbringen können.

Kontra K gehört zu einer neuen Generation, deren HipHop-Definition breiter gefächert ist. Klar ist Kontra K ein Straßenrapper aus Berlin, aber er ist anders als die anderen. Er erzählt von den Schwierigkeiten der urbanen Realität, er verherrlicht sie aber nicht. Er ist leidenschaftlicher Sportler, dem seine Leistungen wichtig sind. Dort und auch in seiner Musik will er den Jugendlichen, die ihm zuhören, etwas mitgeben. "Ich bin kein Schaf das folgt und Scheiße baut, sondern einer, der anführt. Ich habe mir alles mit meinen eigenen Händen aus dem Nichts aufgebaut. Wenn ich über die Jahre eines gelernt habe, dann ist es: Du kannst alles schaffen."

"Aus dem Schatten ins Licht" ist ein Album, das einen Künstler zeigt, der sich von keinem Genre in gegebene Strukturen zwängen lässt. Das Album eines Künstlers, der das Zeug zum nächsten großen Genre-Weichensteller hat. Ein Album, für das es sich gelohnt hat, härter zu arbeiten als der ganze Rest.

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