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„Colombia, Tolú“ - Träume

Larsito

Kolumbien im Jahr 1977: An der Karibikküste des Landes spürt man nur wenig vom Trubel der großen Städte Bogota oder Medellin. Der Alltag ist entspannt und Leidenschaft, Schmerz, Freude und Liebe werden hier seit Generationen mit den drei klassischen Elementen des Nationalrhythmus „Cumbia“ ausgedrückt: mit der Flöte, dem Gesang und den Trommeln.

Larsito
© GUERILLA MANAGEMENT

In dem kleinen Fischerdorf Santiago de Tolú packt der Percussionist und Sänger „Catico“Barragán De Luyz seine Taschen voller Instrumente und warmer Kleidung, denn er begibt sich auf eine lange Reise. Als Musiker der Gesangslegende Toto La Momposina macht er sich auf den Weg nach Europa. Wie lang diese Reise tatsächlich für ihn werden soll, ahnt er noch nicht, als er das von seiner Familie geführte kleine Hotel am Strand verlässt. Die Tournee durch die Fremde bringt ihn auch nach Deutschland, in das damals noch geteilte und turbulente Berlin der späten siebziger Jahre. Von der Bühne aus sieht Catico eine junge blonde Frau, die, wie er später herausfinden soll, aus Hamburg als Erzieherin nach Berlin kam. Nach dem Konzert spricht er sie an. Am nächsten Morgen teilt er seiner Auftraggeberin mit, dass die Tour für ihn hiermit beendet ist: „Ich habe die Frau meines Lebens getroffen“. So ist es überliefert.

Etwas bleibt
„Berlin-Schöneberg / Der Beat, mein Herz“ - Träume
„Catico“ Barragán De Luyz bleibt. Die Band zieht weiter durch die Welt, aber seine Welt liegt jetzt in Berlin. Er heiratet die Frau seines Lebens, die beiden beziehen eine gemeinsame Wohnung und zwei Jahre später wird der kleine Lars (spanisch: „Larsito“) geboren. Larsito wächst in den 80ern unweit des berüchtigten Pallas Hochhauses in Berlin-Schöneberg

auf. Auf den Straßen läuft Hip Hop, Breakdance schwappt aus den Staaten herüber und Michael Jackson ist der größte Star der Welt. Zuhause hört der kleine Lars R.Kelly, Bob Marley, Jazz und Funk. Sein Vater führt den Sohn bereits als 2-jährigen an afrokolumbianische Rhythmen heran. Larsito beginnt mit dem Percussionspiel, bevor er ein Dreikäsehoch ist. Mit sechs Jahren betritt er zum ersten Mal als Solo-Musiker die Bühne und kündigt per Drumroll seinen weiteren Weg an: er wird Percussionist. In verschiedenen Jazz und Soulbands trommelt er als junges Talent, ist mit nur acht Jahren Teil der jüngsten Jazzband Deutschlands, verbringt als Teenager ein Jahr in den USA und spielt in der Highschool Bigband. Zurück in Deutschland beginnt er unter eigener Marke Percussion-Workshops zu geben (http://www.rhythm-is-life.com). Mit sechzehn vertritt Larsito zum ersten Mal seinen Vater auf dessen Konzert – ein Meilenstein für den jungen Musiker. Ab diesem Moment ist es nur noch ein kleiner Schritt und Larsito beginnt seinen ganz eigenen
Weg zu gehen.

Etwas bleibt
„Sie zieht mich an wie ein Magnet“- Magnet
Die Liebe zu Rhythmus und Beats führt Larsito im Jahr 2001 mit einem bunten Haufen Berliner Jungs zusammen, die gerade eine Band gegründet haben. Verschiedenste musikalische Einflüsse sollen auf Pop und urbanen Sound treffen, Entertainment wird als unverzichtbarer Zusatz zur Musik gesehen. Man ist sich einig: ein Percussionist wird die Band perfekt erweitern! Die Jungs machen gemeinsame Sache und nennen sich „Culcha Candela“. In den nächsten zehn Jahren schreiben sie deutsche Pop-Geschichte, und Larsito wiederum schreibt viele der Refrains und Melodien die ihnen dabei helfen. Mit „Hamma“ gelingt Culcha Candela 2007 der große Durchbruch. Hits wie „Ey DJ“, „Eiskalt“ und „Monsta“ folgen - alles Songs, die aus Larsitos Ideen und Melodien entstanden sind. Seine Liebe zu den Percussions bleibt bei allen Charterfolgen unverwässert, doch entdeckt er während seiner Zeit bei Culcha Candela eine zweite große Liebe: das Songschreiben.

Über 2,2 Millionen verkaufte Platten später entscheidet sich die Band für eine kreative Pause – und in Larsito wächst eine Idee. Wenn er beim Songs schreiben für Culcha Candela mit ziemlicher Treffsicherheit eines gelernt hat, dann dass die erste Idee und die purste Melodie immer die Besten ist. Bevor er also seine Pläne zu Ende denkt, bevor er sich sorgt um Finanzierung oder Details, beginnt er seine Idee zu leben: er schreibt im Winter 2012 die ersten Zeilen für sein Soloalbum.

Etwas bleibt
„Karibik, „Nur Du“ / ... Kuba, Libre!“
Wenn die Wurzeln nie vergessen wurden, wenn der Cumbia seit je her ungefiltert das Blut in den Ohren rauschen lässt, dann ist der Weg zu den Ursprüngen keine Rückkehr, sondern eine Festigung der Verbindung. Larsito packt seine Taschen voller Instrumente und kurzer Sommerkleidung, denn er begibt sich auf eine Reise zu seiner musikalischen Herkunft. Gemeinsam mit dem Produzenten David Vogt des Berliner Produzenten-Teams Beatgees (u.a. Tim Bendzko, Chima, LARY, MC Fitti uvm.) fliegt er noch im Jahr 2013 zweimal nach Kolumbien und Kuba um Musik zu machen, die seine Ideen mit all ihren Facetten und Einflüssen widerspiegelt. Aus Deutschland bringt er Festplatten voller Melodien und Skizzen mit. In Berlin hat das Team Larsito und David Vogt bereits viele Songs geschrieben und vorproduziert, Larsito hat ein großes Spektrum von Percussions eingespielt, und diese Songs treffen nun in Lateinamerika auf die besten Musiker der Jetztzeit. Amadito Valdes, eine Legende, der Percussionist des Buena Vista Social Clubs, spielt das kubanisch-creolische Instrument Timbales für Larsito ein und erweist ihm damit die größte Ehre unter Kollegen und Gleichgesinnten. Auf dem Lied „Zu Groß“, einer klaren, unverschnörkelten Ode an den Mut, ist dies als absolut magischer Moment zu hören. Auf „Solo Tu“ erklären die Timbales einer Frau die Liebe so eindringlich wie Larsitos Text selbst. Unter allen Aspekten ist es ein besonderer Song: Larsito singt den Refrain hier gemeinsam mit seinem Vater. Das ist einer dieser Momente, an dem alles Richtige zusammen findet – und etwas ganz Besonderes entsteht. So wird „Solo Tu“ zu einem der wichtigsten emotionalen und musikalischen Eckpunkte in Larsitos Leben.

„Etwas bleibt“ führt nicht nur den Hörer auf eine Reise, sondern auch den Künstler selbst. An einem Studiotag in Bogota ereignet sich plötzlich ein Zufall, der keiner sein kann: Larsito begegnet überraschend der großen Toto La Mompesina. Ihre Musik ist Legende in Kolumbien, Toto La Momposina war es auch, die seinen Vater nach Berlin führte. Larsito spricht sie an und erzählt ihr, wer er ist: der Sohn von Catico. Und er erzählt, dass er gerade ein Album macht, dessen Ursprung auch in ihrer gemeinsamen Geschichte liegt. Toto La Mompesina’s Überraschung und Freude darüber, den Sohn des alten Weggefährten zu treffen, sind groß. Man spricht über Familie und über Musik. Und dann gibt es den Song „Unter Diesen Wolken“, zu dem Larsito schon oft eine Passage aus einem alten Toto La Mompesina Song gesummt hat – und sie bietet ihm an, die Melodien für Ihn noch einmal persönlich einzusingen. So verewigt „Etwas Bleibt“ die ganze Geschichte von Larsitos Leben: Toto, Catico, Karibik, Deutschland, Buena Vista, Berlin. Der Kreis schließt sich.

Etwas bleibt
„Ku-Damm, Zoo / Treffpunkt, und los!“- Träume
Larsito kehrt zurück nach Berlin, dieses mal mit einer Festplatte voller Inspiration aus der karibischen Welt und mit genug Material für einen ganzen Batzen neuer Songs. Das akustische Bild festigt sich, afro-karibische Rhythmen verbinden sich jetzt selbstverständlich mit europäischen, urbanen Beats. Die Musik lässt deutlich erkennen, dass ihre Melodien und Akkorde ein direktes Abbild von Larsitos Lebenserfahrung sind: im deutschen Ohr klingen sie erfrischend nach ihren Latino-Wurzeln, in Kuba wiederum trifft Larsito auf überraschte Musiker, die ihren Ohren bei den für sie ungewöhnlichen musikalischen Wendungen nicht trauen. In beiden Welten etwas Besonderes sein und sie dann harmonisch zu vereinen – das ist der Weg.

Und dieser Weg wird auch gegangen. Larsitos „Männer Wie Wir“ treibt mit Percussions durch die Straßen, die man in dieser Wucht selten hört. Klare Worte erzeugen ein archaisches Männerbild - und auf einmal kommt der Refrain, ruhig wie die Gassen in Tolu nach einem tropischen Regenguss. Die Worte sind plötzlich ganz nah und sanft. Ungestüm und Zerbrechlichkeit gehören zusammen, das ist spürbar. Denn „ein Auge weint, und ein Auge lacht“, so heißt es auf „Etwas Bleibt“, dem Titeltrack des Albums. Mit sehr gelöster, aber tief melancholischer Stimmung ist er das Testament des Reisenden an die geliebten Menschen, die auf beiden Seiten zurückblieben. Das Abschiedsversprechen ist klar: ich vergesse Dich nicht. Und ich komme wieder.

Etwas Bleibt
„Bald, bald bin ich bei Dir“- Bald
Im Studio der Beatgees in Berlin hängt ein kleines Bild an der Wand. Es zeigt zwei Aquarien und einen Fisch, der gerade aus dem einen hinaus springt, um zum anderen hinüber zu gelangen. Larsito hat dieses Bild zu Beginn der Produktion mitgebracht. Für ihn stehen die zwei Aquarien dafür, dass er gewohnte Gewässer verlassen muss, um etwas Neues zu finden. Ohne Zweifel weiß Larsito, wie Songs „funktionieren“ – doch für ihn zählt immer zuerst das Gefühl. Etwas, dass sich überträgt ohne erklärt werden zu müssen. So erzählt „Etwas bleibt“ seine Geschichten ohne, dass sein Autor ein klassischer Storyteller ist in Bildern, die Erinnerungen, Fern- und Heimweh wecken. Direkt, greifbar, ungekünstelt.

Die zwei Aquarien sind auch Sinnbild für Larsitos Einflüsse: Rhythmus und Melodie, Deutschland und Karibik, Tradition und Moderne. 9100 Kilometer von Schöneberg bis Kolumbien. 9100 Kilometer von Berlins Häusern zu Santiago de Tolú’s Fischerbooten. Das afrikanische in der lateinamerikanischen Musik, das Schwarze in der Popmusik Amerikas, Cumbia und R’n’B, Buena Vista Social Club und Berliner Großstadtbeat: das sind jene Zutaten der Musik von Larsito, die er mit einem Augenzwinkern „URBEATO“ getauft hat.

„Etwas bleibt“ ist ein Album, das ein Erlebnis ist. Ein Album, das die Reise zwischen den Welten und Kulturen zum klingen bringt. Ein Album, das den Mut hat, Dinge zurückzulassen. „Etwas Bleibt“ ist kein kugelsicheres Werk eines berechnenden Pop-Songwriters. Es ist voller freudiger Überraschungen und Lieder, die vor allem eines tun: ein Gefühl hinterlassen. Ein Gefühl, das exotisch und vertraut ist. Ein Gefühl, das bleibt.

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