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Milow mit neuer Single & neuem Album

Milow

Wenn Milow etwas verabscheut, dann sind es Wiederholungen. Jedes seiner Alben steht für eine bestimmte Zeit. Stand das Vorgängeralbum „North And South“, ein absolutes Wohlfühlwerk, für die Verwirklichung seines Traumes, ununterbrochen durch Europa touren zu können, zeigt sich Jonathan Vandenbroeck auf „Silver Linings“ als deutlich gereifte Künstlerpersönlichkeit mitunter auch von seiner melancholischen Seite.

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Die zehn auf dem Album enthaltenen Songs bezaubern mit den unwiderstehlichen Hooks, für die der charismatische Musiker schon auf seinen früheren Alben geliebt wurde. Die Songs haben große Sogkraft, besitzen Tiefe und geben Innerstes preis. Schrieb Milow in der Vergangenheit vor allem sehr direkte, wörtlich gemeinte Texte, arbeitet er auf „Silver Linings“ mit Bildern und Metaphern. Zwar geht es immer auch um ganz persönliche Erlebnisse sowie um introspektive Gedanken und Ideen, doch Milows Songs haben eine universelle Dimension, die Botschaften in seinen Liedern sind individuell nachvollziehbar.

Mal abgesehen vom in der Tat offen positiven „Against The Tide“, das für eine fantastische Zeit in seinem Leben steht und gleichzeitig ein Mutmachersong für Leute ist, die gegen den Strom schwimmen, zieht sich unüberhörbar Melancholie wie ein roter Faden durch das Werk. Die Lyrics offenbaren mitunter Abgründe, etliche Strophen sind dunkel angelegt. Doch es geht ihm nicht darum, Pessimismus zu verbreiten, viel mehr wird das Licht am Ende des Tunnels zum Thema. „Ich bin ein großer Fan von trauriger Musik.“, erklärt der 32-jährige Belgier,  „Wenn du ein trauriges Lied hörst, fühlst du dich besser. Es scheint ein Paradoxon zu sein, weil man denkt, man braucht einen fröhlichen Song, wenn man am Boden ist. Aber manchmal hörst du ein trauriges Lied, und es gibt dir Kraft, weil du fühlst, dass du nicht alleine bist.“ Milow, der ein Examen in Politikwissenschaften innehat, ist überzeugt davon, die Dinge aus einem positiven Blickwinkel betrachten zu müssen. Er ergänzt: „Es ist eine Überlebensstrategie des Menschen, weil man keine andere Wahl hat, als die positive Seite zu sehen und weiter zu machen. Du musst also auch in schlechten Situationen Hoffnung finden. Von diesen Lichtblicken handelt mein Album.“

Aufgenommen wurde das Album in Los Angeles, bei Fairfax Recordings. Als Sound City Studio Los Angeles ging es in die Musikgeschichte ein; großartige Alben von Fleetwood Mac, Tom Petty, Neil Young und Nirvana entstanden hier. Nach L.A. verschlug es Milow spontan und instinktiv im Januar 2012, als er nach fünf Jahren unermüdlichem Unterwegssein eine Auszeit brauchte. Es ging ums Ausspannen, ums endlich wieder schlafen, um eine Zeit ohne Druck und Deadlines. Er begann allerdings auch wieder, Musik zu machen, schrieb alsbald neue Lieder, jedoch ohne dabei ein konkretes Ziel zu verfolgen. Etwaige Erwartungshaltungen blendet Milow, der über eine Million Alben verkauft hat, dabei geschickt aus: „Ich stelle mir vor, alles wäre vorbei, und ich schreibe Songs, um der Welt zu zeigen, dass sie falsch lag.“ Zudem genoss er es sehr, unbekannt zu sein: „Ich konnte vor einem Publikum spielen, das mich nicht kannte. So konnte ich diesen Moment noch einmal erleben, darüber nachdenken, warum Leute meine Musik mögen. Sehr erfrischend! Ich blühe in dieser Art von Situation auf.“

Gemeinsam mit seinem jahrelangen Produzenten Jo Francken (sowohl Milows Debüt als auch „North And South“ entstand unter seinen Fittichen) und Kevin Augunas (bekannt durch seine Arbeit für die The Lumineers, Cold War Kids sowie Valerie June) scharte Milow ein illustres Team um sich: Clif Norrell (Bruce Springsteen, R.E.M., Tom Petty) saß an den Reglern, Larry Goldings (James Taylor, Norah Jones, Tracy Chapman) an den Keyboards sowie Matt Chamberlain (Fiona Apple, David Bowie, Regina Spektor) am Schlagzeug. Für die Gitarren zeichneten Val McCullum (Jackson Browne, Willie Nelson) und der Belgier Tom Vanstiphout (seit 2007 festes Mitglied in Milows Band) verantwortlich. Neben weiteren Gästen wie etwa Roger Manning Jr. (Beck) und echten Streichern, auf die Milow besonders stolz ist, darf Courtney Marie Andrews nicht unerwähnt bleiben. Die 22-jährige Sängerin aus Seattle, die schon vier Soloalben veröffentlichte, übernahm die Backing Vocals. In „Echoes In The Dark“ ist sie Milows Duettpartnerin. Für den Künstler eins der stärksten Stücke. „Es ist ein dunkler Song. Aber wenn ich zum Mond fliegen würde und ein Lied mitnehmen könnte, wäre es dieses.“, schmunzelt er.

Wenngleich durch Sessionmusiker in jedem Ton die kalifornischen Vibes mitschwingen und sich Milow in der Laurel-Canyon-Szene durchaus inspiriert fühlte, einen ausschließlich kalifornischen Sound kann man der Platte nicht attestieren. Zwar waren es bei ihm die Amerikaner wie Bruce Springsteen, Neil Young und Bob Dylan, die ihn zu Beginn seiner musikalischen Laufbahn inspirierten, und nicht die britischen Bands, wie bei den meisten belgischen Musikern, doch spätestens auf „Silver Linings“ hat Milow seine ganz eigene Handschrift gefunden. So sehr er die Musik der 60er und 70er liebt, arbeitet er dennoch auch mit Pro Tools.. „Ich bin happy, in diesen Zeiten Musik zu machen“, grinst Milow. Der Retrogedanke ist trotzdem nicht von der Hand zu weisen. „Auf diesem Album wollte ich die Magie eines Live Recordings einfangen, die entsteht, wenn man großartige Musiker zusammen in einem Raum packt und sie gemeinsam musizieren lässt, möglichst ohne die heutige Technologie in Anspruch zu nehmen.“, ist Milows erklärtes Ziel von „Silver Linings“. „Die Fans müssen die technischen Details nicht kennen, aber wenn sie mir sagen, dass es sich warm anfühlt, dass all diese kleinen Schritte zum organischen Feeling beigetragen haben.“

„Silver Linings“ fühlt sich nicht nur warm an, es fühlt sich fantastisch an. Der stark überstrapazierte Singer/Songwriter-Begriff wurde seiner eigentlichen Bedeutung wieder zurückgeführt.

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