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ProSieben.de Feature - RAF 3.0

RAF 3.0

Am 05.07. erscheint das Album "Hoch 2" von RAF 3.0...Ein Künstler, der es Wert ist unter die Lupe genommen zu werden. Mit dabei sind u.a. Vega, Prinz Pi, Tua und Chakuza. Doch wer ist dieser RAF? Und wieso wurde aus RAF CAMORA nun RAF 3.0?

RAF Titelbild

Fragt man Raf 3.0 nach seiner Lieblingsplatte, bekommt man als Antwort nicht etwa einen der großen Rap- oder Reggae-Klassiker genannt. Nein. Die Lieblingsplatte des in Berlin lebenden Wiener ist „Nevermind“ von Nirvana. Und zwar nicht deshalb, weil er mit dem Album Träume seiner Teenie-Zeit verbindet. Vielmehr verkörpert sie etwas, das ihn beeindruckt und das ihm auch für seine Musik vorschwebt: Sie ist reduziert auf das Maximum.  

So ist Raf für sein neues Album auch bereit, einen langen Weg zurückzulegen. Wer etwas Neues schaffen will, darf sich von vermeintlichen Genregrenzen nicht aufhalten lassen. Wer den Zeitgeist treffen will, dem wird es nicht reichen, ihn nur zu erkennen. Er muss ihm einen Schritt voraus sein. Wer seinen eigenen Stil manifestieren will, der muss sich aus der Schublade befreien, in die er mal gesteckt wurde. Das ist der Anspruch. Dass er die Fähigkeiten dafür hat, konnte er auf dem ersten Raf 3.0-Album schon mehr als nur andeuten. Woher diese Fähigkeiten kommen, erklärt sich ein gutes Stück weit aus seiner Geschichte. 

Als Kind einer süditalienischen Opernsängerin und eines Vorarlbergers 1984 in der französischen Schweiz geboren, spielt Musik im Leben von Raphael Ragucci schon früh eine Rolle. Als 4jähriger hält er erstmals ein Instrument in seinen Händen, über die Jahre lernt er Geigespielen, Klavier, Schlagzeug, Gitarre, Bass etc.. Inzwischen mit seinen Eltern nach Wien gezogen, gehört er dort verschiedenen Bands an – mal als Gitarrist, mal als Schlagzeuger, mal als Bassist. Seinen Weg als Musiker beginnt er also auf der Bühne. Mit 14 rappt er zum ersten Mal – auf Französisch. Die Sprache bezeichnet er bis heute als seine Muttersprache. Zum Rap geführt hatte ihn seiner Zeit Cypress Hill, genauer gesagt das Cover von deren „Black Sunday“-LP. Von dem hatte sich der junge Raf angesprochen gefühlt. 

RAF klein
©  BMG Rights

Was dann kommt, könnte man als die düstere Zeit des Raphael Ragucci beschreiben. Er reißt von zu Hause aus, schläft mal hier, mal da und schlägt sich bis nach Südfrankreich durch, wo er eine Zeit lang am Strand von Marseille abhängt. Als er, zurück in Wien, erfährt, dass seine Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn sogar ihre italienische Verwandtschaft mobilisiert hat, kehrt er in sein Elternhaus zurück. Während dieser Zeit hatte er auch seine erste Rap-Crew gegründet. Weitere Intermezzos in verschiedenen Formationen folgen.

Mit der Crew Family Bizz stand er gar bei der österreichischen EMI unter Vertrag. Dabei war Raf, der mittlerweile vornehmlich auf Deutsch rappte, meist beides: Produzent und MC.

Als die zweite Generation der österreichischen Rap-Szene Fahrt aufnimmt, ist Raf Camora, wie er sich nunmehr nennt, vorne mit dabei. Er produziert für Chakuzas „City Cobra“-Album, auf dem er auch als Feature vertreten ist, und veröffentlich 2008, inzwischen connected mit dem Berliner D-Bo, über dessen Wolfpack Entertainment sein erstes Streetalbum. 2009 folgt das Debütalbum von Raf Camora: „Nächster Stopp Zukunft“. 2010 bringt er zusammen mit Nazar die Kollabo-LP „Artkore“ sowie zwei weitere Streetalben heraus, um sich anschließend ein neues Alterego zuzulegen: Raf 3.0. 

Unter dem neuem Namen beginnt Raf, sich musikalisch breiter aufzustellen. Während Raf Camora mit düsterem Rap auf finsteren Beats besticht, kommen bei Raf 3.0 seine sämtlichen musikalischen Einflüsse zum Tragen. Ein alternativer Künstler mit Street-Background ist geboren. Das ist neu. So fließen nun auch Dancehall- oder Electro-Einflüsse in seine Musik mit ein und bereichern seinen Sound. Nachzuhören ist das erstmals auf dem 2012 erschienenen selbstbetitelten Raf 3.0-Album. Die LP chartete in Deutschland auf #7, in Österreich auf #5 und in der Schweiz auf #22. 

All das wird Raf 3.0 mit seinem im Sommer erscheinenden Album fortführen – und noch besser machen. Und dabei wählte er die Langstrecke. Zwar saß auch er mit einigen Major-A&Rs am Tisch, doch statt mit einem Vertrag verließ er die Meetings mit einer Erkenntnis: Eine selbstbestimmte künstlerische Entwicklung wird nachhaltiger sein als ein Major-Deal. Raf will sich eines Tages nicht fragen müssen, ob er das, was sein A&R- und sein Produktmanager von ihm wollen, noch vertreten kann. „Ich denke, bei einer Major-Firma hast du zwei Möglichkeiten: entweder du gehst direkt durch die Decke – oder du bist raus und genießt keine Priorität mehr“, erklärt Raf. Verteufeln will er die großen Plattenfirmen trotzdem nicht. Als Kooperationspartner auf Augenhöhe kann er sich eine Zusammenarbeit weiterhin gut vorstellen. „Nur können sie im Künstleraufbau eben nicht die notwendige Liebe und Detailgenauigkeit aufbringen. Das können wir schneller – und besser.“ 

Also schafft sich Raf 2013 mit seinem Label Indipendenza seine eigene Basis, die Refugium und Startrampe zugleich sein wird. Hierüber wird er im Sommer sein neues Album veröffentlichen. Die Produktion der Platte geschieht wie schon bei seiner ersten LP: Er packt seine Instrumente ein und fährt mit KD Supier ins spanische Malaga. Hier haben sich Raf und KD ein Studio eingerichtet, wo sie fernab vom täglichen Trubel in Berlin in aller Ruhe das ausarbeiten können, was sich während Rafs Touren oder bei der Arbeit in seinem Berliner Studio angesammelt hat. Wie gesagt: Für sein Album hat er sich eine Menge vorgenommen. Sie wird alle Seiten seiner Persönlichkeit widerspiegeln und doch nicht überladen sein, sondern eben reduziert auf das Maximum. Erste Songs der neuen Platte wird Raf 3.0 während seiner Tour im April und Mai vorstellen.