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Der Popstar ohne Gesicht

Sia

Für Millionen Musikfans weltweit ist sie ein einzigartiges Popgenie, für viele ein unnahbares Mysterium – und für Musikexpress schlicht und ergreifend der "ehrlichste aller Popstars". Am 4. Juli 2014 veröffentlichte die australische Sängerin/Produzentin/Songwriterin/Hitmacherin Sia mit "1000 Forms Of Fear" nach vierjähriger Veröffentlichungspause nun endlich ihr heiß ersehntes neues Studioalbum. Der Longplayer, der u.a. die aktuelle Hitsingle "Chandelier" enthält, wurde von Greg Kurstin (P!nk, Kelly Clarkson, Tegan & Sara u.a.) produziert. Die Aufnahmen fanden in den Echo Studios in Los Angeles statt.

Sia 2014
© Sony Music

Zurück zu Sia und ihrem faszinierend-verwirrenden Bild in der Öffentlichkeit, das nicht zuletzt auf die erfrischende Diskrepanz zwischen Vorsatz und Handeln der Künstlerin selbst zurück zu führen ist. So hatte sie im vergangenen Jahr zwar überraschend ihren Rückzug aus dem Musikbiz verkündet ("Ich habe mich zur Ruhe gesetzt") und der Monetarisierung ihrer Kunst eine grundsätzliche Absage erteilt ("Kommerzieller Erfolg interessiert mich nicht"), dann aber doch zahlreiche Hits für einige der größten Popstars der Welt geschrieben, darunter Rihannas "Diamonds" , Katy Perrys "Double Rainbow", Britney Spears' "Perfume" , Beyoncés "Pretty Hurts", Kylie Minogues "Kiss Me Once" und Celine Dion "Loved Me Back To Life". 

Darüber hinaus arbeitete sie mit einigen der angesagtesten Tastemakern zusammen, darunter Angel Haze, Brooke Candy, der Produzent Diplo und The Weeknd. Mit letzteren schrieb sie den Hit "Elastic Heart" für den Soundtrack des Blockbusters " The Hunger Games: Catching Fire ". Doch damit nicht genug: als "Featured Vocalist" wirkte sie bei einigen Riesen-Hits mit, die sie für andere Künstler geschrieben hatte, darunter "Titanium" für David Guetta, "Beautiful Pain" für Eminem und "Wild Ones" für Flo Rida. Jüngst wurde sie von der australischen Musikrechte-Verwertungsgesellschaft APRA AMCOS als "Songwriterin des Jahres" ausgezeichnet. Sia ist damit die erste Künstlerin, der diese Ehre zwei Jahre in Folge zu Teil wurde. Die Dankesrede ließ die Preisträgerin konsequenterweise (per Video) von einem jungen Herrn mit blonder Pagenschnitt-Perücke übermitteln – der seine Lippen gekonnt zu Sias O-Ton bewegte. 

Kurz gesagt: ganz im Gegensatz zu ihren eingangs erwähnten Statements könnte Sia die mit Abstand meistbeschäftigste "Rentnerin" Künstlerin im gesamten Musikbusiness sein. Sie war sensationell erfolgreich und berühmt, obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, dies nicht zu sein. Sie ist ein Popstar, der eigentlich kein Star sein will. Sie mag es nicht, wenn Bilder von ihr gemacht werden. Sie ist kompromisslos – und ein wenig verrückt. Auf Twitter beschreibt sie sich selbst mit dem Satz: "i am sia, i was born from the bumhole of a unicorn named steve". Im vergangenen Jahr ließ sie sich zu einem ihrer seltenen Interviews überreden, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie auf dem Titelbild des Billboard Magazins eine Papiertüte über dem Kopf tragen dürfe. Als das Sony Music-Label RCA Records sie unter Vertrag nehmen wollte, verlangte sie eine Klausel, die ihr zusicherte, dass sie keine Tourneen und keine Interviews machen müsse, um das Album zu promoten. Das Label willigte ein. An dieser kleinen Anekdote lässt sich ablesen, WIE GUT Sia sein muss. 

Und trotz ihrer Abneigung gegenüber dem Scheinwerferlicht ist die geheimnisvolle Australierin die erfolgreichste und produktivste Songwriterin des vergangenen Jahres, ihre Tracks verkauften sich mehr als 13 Millionen Mal. Ihre Ausnahmefähigkeiten als Songwriterin melodiöser Pop-Meisterwerke schulte Sia u.a. mit einer Serie von Solo-Alben: "Hearing Is Difficult" (2001), "Colour The Small One" (2004), das u.a. das zarte "Breathe Me" enthält, das u.a. durch den Einsatz in der Schlussszene der HBO-Serie "Six Feet Under" unvergesslich wurde, "Some People Have Real Problems" (2008) und "We Are Born" (2010). Außerdem ist ihre einzigartige Stimme auf Alben des britischen Downtempo-Duos Zero 7 zu hören, dem sie zu zahlreichen Awards und Ansehen in Großbritannien und vielen weiteren Ländern auf der ganzen Welt verhalf.  

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