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Marius ist zurück und klingt frisch und rotzig wie zu seinen besten Zeiten

Westernhagen

Mit "Alphatier" legt Marius Müller-Westernhagen sein insgesamt 19. Studioalbum vor. Das in Südafrika, New York und Berlin entstandene Werk ist nicht weniger als die Quintessenz einer einmaligen Karriere.

Westernhagen 2014

In einer langen Karriere, das gehört selbstverständlich dazu, durchläuft man verschiedene Phasen, die einen prägen – und schließlich zu dem machen, der man am Ende ist. Kaum einer weiß das besser als Marius Müller-Westernhagen : Er war der junge, aufstrebende vom Lob der Kritiker verwöhnte Charakterdarsteller und Deutschrock-Pionier, den man vor allem als Schauspieler kannte. Dann spielte er den straßenverhaften Kumpeltyp Theo Gromberg aus dem Ruhrgebiet, mit dem sich eine ganze Generation identifizierte. Westernhagen, der ebenfalls mit der Albumtriologie " Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz ", " Sekt oder Selters " und "Stinker" den Zeitgeist und die Befindlichkeiten der Menschen einfing – und so eine erste, wahnwitzige Hochphase seiner Karriere erleben durfte oder wie er sagen würde, erleiden durfte. Anschließend nahm sich unser Held eine Weile lang ein wenig zurück. Er experimentierte mit Synthesizern und neuen Einflüssen, auf Kosten des großen Erfolges, welcher aber eh nie seine Antriebsfeder war. Die kommerziell größte Phase lag damals indes noch vor ihm: Die Neunzigerjahre mit ihren zahlreichen Hits, den übervollen Stadien. Marius Müller-Westernhagen wurde zum Volkssänger, zum Dompteur der Massen – und schließlich zum Mann für alle, der erste deutsche Megastar.

Man muss sich diese reichhaltige, von Niederlagen und Siegen und viel Erfahrung geprägte Laufbahn, die ja zu den ganz großen Rock’n’Roll-Geschichten dieser Republik zählt, noch mal in Erinnerung rufen, um wirklich zu verstehen, worin das besondere Element von Westernhagens 19. Studioalbum " Alphatier " liegt. Denn auf dieser Platte fließt schließlich alles zusammen, was Marius Müller-Westernhagens Arbeit als Songschreiber und Entertainer stets ausgemacht hat: Die zarte Individualität des Frühwerks, die ungehobelte Rock'n'Roll-Aufsässigkeit des Pfefferminz-Prinzen, die neugierige Experimentierfreude der späten Achtziger sowie die große Geste seiner Megastar-Phase – gepaart mit der superben Musikalität der vergangenen Jahre.

 

Diese Musikalität, Spielfreude und Hingabe von Westernhagen und seinen Musikern hört man unmittelbar den ersten Akkorden des Openers "Hereinspaziert, Hereinspaziert", vor allem aber dem Titelsong "Alphatier" an:  Ein superber Auftakt, der derart hingerotzt und räudig-jaulend klingt, als wäre die Platte 1972 in einem Keller in Detroit aufgenommen worden. Zu einem an Jimi Hendrix ' Klassiker " Voodoo Chile " erinnernden Wahnsinnsriff ächzt, stöhnt und juchzt Marius besser denn je. Nicht ohne eine gehörige Portion Selbstironie singt er: "Folge mir, ich bin ein Alphatier / Alphatiere können nicht verlieren".

Unten auf dieser Seite gibt es das Video ab 4. April, 8 Uhr, in voller Länge!

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