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Schönheitsoperationen – Wie Hollywood die Brustvergrößerung salonfähig machte

Schönheitsoperationen galten noch bis vor ein paar Jahren als Tabuthema. Doch diese Zeiten scheinen sich längst geändert zu haben. Die Akzeptanz und Nachfrage plastisch-ästhetischer Eingriffe wächst stetig. Sie sollen Abhilfe schaffen, wo Ernährung, Sport, Kosmetik und herkömmliche Beautybehandlungen nicht mehr ausreichen.

Alleine in den USA werden laut ISAPS (International Society of Aesthetic Plastic Surgery) über vier Millionen minimal-invasive kosmetische Eingriffe und Operationen vorgenommen. Da ist Deutschland mit etwas über 615.000 Eingriffen zwar weit abgeschlagen, weltweit aber dennoch der sechstgrößte Markt der Welt. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen aus der letzten Patientenbefragung der DGÄPC (Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie), die jährlich durchgeführt wird.

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Neben nicht-invasiven Eingriffen wie Injektionen mit Botox oder Hyaluronsäure, befinden sich vor allem Eingriffe an der Brust auf einem hohen Niveau. Die Brustvergrößerung mit Implantat ist mit 15,7 % die beliebteste Schönheitsoperation in Deutschland. Nicht ganz so häufig, aber mit steigender Tendenz, werden Bruststraffungen (4,5 %), Brustverkleinerungen (3,2 %) und Brustvergrößerungen mittels Eigenfett (3,1 %) durchgeführt.

Einen erheblichen Einfluss auf den offeneren Umgang mit ästhetisch-plastischen Eingriffen dürfte in der medialen Aufmerksamkeit begründet liegen. Viele Prominente, wie beispielsweise Sarah Jessica Parker (Sex And The City) oder Keley Cuoco (The Big Bang Theorie), stehen öffentlich hinter ihrer Entscheidung, sich die Brüste vergrößert zu haben. Aber auch Brustverkleinerungen sind bei Prominenten hoch im Kurs: ob ein von Natur aus zu großer Busen wie kürzlich bei Sophia Thomalla oder Schauspielerin Ariel Winter (Modern Family) oder die Entfernung der Brustimplantate, wie es Victoria Beckham zugab. Ein Geheimnis aus den eigenen Eingriffen zu machen, wird zunehmend zur Ausnahme. 

Warum boomen Brustvergrößerungen trotz Natürlichkeits-Trend?

Brustgröße und Form sind weitestgehend genetisch vorgegeben. Brustkorrekturen sind so gut wie die einzige Möglichkeit, die Brust gemäß den eigenen Vorstellungen verändern zu lassen. Eine von Natur aus sehr große Brust geht oft mit erheblichen Rückenschmerzen einher, die sich einzig durch eine Brustverkleinerung beheben lassen.

Eine zu kleine oder kaum vorhandene Oberweite kann sich sehr negativ auf die Selbstwahrnehmung als Frau auswirken. Eine Brustvergrößerung kann unter solcherart Voraussetzungen ein völlig neues Lebensgefühl erzeugen. Schwangerschaft, Diäten oder der normale Alterungsprozess führen fast zwangsläufig zu überdehnter Haut, die sich mit dem härtesten Sport- oder Ernährungsprogramm nicht mehr zurückbildet.

Eine Straffung, bei der dieser Hautüberschuss entfernt wird, kann der Brust wieder ein jugendlicheres, pralleres Erscheinungsbild verleihen.

Brustvergrößerungen mit Implantaten werden am häufigsten durchgeführt. Die Implantate sind in verschiedenen Größen und Formen erhältlich, sodass sich die meisten Patientenwünsche umsetzen lassen. Dabei unterscheiden sich sowohl die verwendeten Implantatgrößen als auch -formen sehr stark im Ländervergleich.

In Deutschland werden für ein eher natürlich anmutendes Ergebnis bevorzugt anatomisch geformte Kissen verwendet, während in Spanien deutlich größere Implantate, vorwiegend in runder Form, zum Einsatz kommen. Allerdings ist für das Resultat nicht nur die Gestalt der Implantate von Bedeutung. Auch der Ort der Platzierung sowie die Anatomie spielen dafür eine maßgebliche Rolle. Ein Silikonkissen kann sowohl vor den Brustmuskel als auch dahinter gesetzt werden. Wer von seiner Brustvergrößerung ein möglichst natürliches Ergebnis erwartet, ist also nicht nur mit der Wahl anatomisch geformter Implantate gut beraten. Auch unter dem Brustmuskel eingebrachte Implantate erzeugen eine Oberweite, die sich kaum noch von einer Brust unterscheidet, an der kein plastisch-ästhetischer Eingriff erfolgt ist.

Brustkorrekturen mit Eigenfett haben seit dem Implantat-Skandal um das französische Unternehmen PIP einen großen Aufschwung erlangt, zählen derzeit aber nicht zu den Standardverfahren, die in Deutschland für Brustvergrößerungen zum Einsatz kommen. Genau das Gegenteil ist bei Povergrößerungen der Fall, bei denen der Einsatz von körpereigenem Fett Implantate weitgehend verdrängt hat.

Das sogenannte Brazilian Butt Lift ist in Deutschland vorwiegend durch Stars wie Kim Kardashian oder Nicki Minaj bekannt, führt hierzulande aber noch eher ein Schattendasein.

In anderen Ländern sieht das ganz anders aus. In Brasilien ist es bereits einer der häufigsten Eingriffe, und auch in den USA ist die Kombi-OP aus einer Fettabsaugung und einer Postraffung mit Vergrößerung einer der Hauptgründe, dass Fettabsaugungen die Brustvergrößerung langsam vom Thron der beliebtesten ästhetischen OPs stoßen.

Bei dem Eingriff wird zur Gewinnung des Eigenfetts, welches in das Gesäß injiziert wird, erst eine Fettabsaugung an anderer Stelle des Körpers durchgeführt. Auf diese Art lassen sich Problemzonen, beispielsweise an den Hüften, ohne zusätzlichen Eingriff gleich mitbehandeln. Die Brustvergrößerung mit Eigenfett-Injektion erfolgt nach einem ähnlichen Verfahren. Es ist anzunehmen, dass hierzulande die Zahl der Eingriffe in den nächsten Jahren ansteigen wird.

Social-Media und die Kardashians treiben die Branche – in den USA

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Ein Indikator dafür ist auch der explosionsartige Zuwachs an Patienten zwischen 18-35 Jahren. „Millennials“ machen rund 18 % aller Patienten aus. Den Grund dafür scheinen die meisten Ärzte in sozialen Medien bereits gefunden zu haben. Fast die Hälfte aller plastisch-ästhetischen Chirurgen in Amerika geben heute an, dass die Jagd nach dem perfekten Selfie und die Eindrücke aus den eigenen Social-Media-Feeds ausschlaggebend für den Wunsch sind, etwas an sich zu verändern. Zahlen, die einige Boulevardmedien in den USA in den vergangenen Monaten dazu Antrieb, den Kardashian-Jenner Klan ins Visier zu nehmen.

Hierzulande scheint dieser Einfluss allerdings bisher deutlich weniger stark auszufallen. Einen Grund dafür nennt Dr. Nikolaus Raab: „Bei den Kardashians muss man eher die Frage stellen, was nicht gemacht wurde.“ Auch wenn der Facharzt für Plastische-Ästhetische Chirurgie aus München die vermeintlichen Eingriffe an der TV-Familie fachlich weitestgehend positiv bewertet; in Deutschland ist Natürlichkeit für die meisten Patienten oberste Prämisse. Bilder und Berichte von missglückten Eingriffen oder übertriebenem Schönheitswahn, wie bei Meg Ryan oder Mickey Rourke, sitzen hierzulande tief. Zwar orientieren sich besonders Patientinnen an Prominenten; „Frozen-Faces“ oder „Schlauchbootlippen“ bleiben aber häufige Befürchtungen.

Das zeigt auch eine erst kürzlich von GfK durchgeführte Umfrage im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie e.V. (DGBT e.V.). Diese ergab, dass sich zwar jede fünfte Frau eine Behandlung mit Botulinumtoxin (Botox®) vorstellen kann, bei Fillern wie Hyaluronsäure sind es sogar zwei Drittel, ein Großteil der Befragten aber schlecht zu dem Thema informiert ist. Obwohl der Wirkstoff seit Jahrzehnten im Einsatz ist und ursprünglich überhaupt nicht für Faltenbehandlungen eingesetzt wurde, denken noch immer rund 70 % aller Befragten, dass die Langzeitwirkungen nicht ausreichend erforscht sind. Auch war nur knapp einem Drittel der Befragten bewusst, dass das Gift nicht die Nerven betäubt, sondern Botenstoffe blockiert, die die Verspannung der Muskeln auflösen.

Auch für viele andere Eingriffe, insbesondere Brustvergrößerungen mit Implantaten, halten sich Gerüchte hartnäckig. Gestärkt durch die Nachwirkungen des Implantat-Skandals 2010 sind die Ärzte und Patienten noch vorsichtiger geworden. Ein weiterer Grund warum sich einige Trends aus den USA hier erst langsam etablieren – viele Mediziner sind nicht bereit, Produkte oder Techniken zu verwenden, selbst wenn diese längst zugelassen wurden, wenn dazu noch keine eindeutigen Langzeitstudien existieren. Die Erinnerungen an diverse Skandale um Medizinprodukte, die auch die EU erst kürzlich veranlasst haben, Hersteller strenger kontrollieren zu lassen, sitzen tief. Gerade ältere Patientinnen stehen Behandlungen daher kritisch gegenüber, auch das ergab die GFK Umfrage.

Das spiegelt sich durchaus auch in den Anfragen und Operationen in Deutschland wieder. Etablierte Eingriffe wie Brustvergrößerungen, Lidstraffungen, Fettabsaugungen und Faceliftings sind weit verbreitet und machen zusammen rund 40 % aller invasiven Eingriffe aus. Jüngere Eingriffe wie Povergrößerungen tauchen in der letzten Statistik des DGÄPC nicht einmal auf. Gerade einmal knapp 10.000 Suchanfragen dazu werden bei Google jährlich eingegeben - nicht einmal ein Drittel der monatlichen Anfragen für Brustvergrößerungen. Mehr als ein Viertel davon kommt aus NRW, besonders Düsseldorf und Köln – neben München die deutschen Zentren für plastisch-ästhetische Chirurgie. Auch hier stehen die bekannten OPs im Vordergrund, doch ein näherer Blick scheint zu bestätigen, was aktuelle Statistiken und Umfragen belegen.

Während in München vor allem Gesichtsbehandlungen wie Faltenunterspritzungen und Faceliftings häufig angefragt werden, zeigt man im Nordwesten ein stärkeres Interesse an sogenannten körperformenden Behandlungen und vergleichsweise jüngeren Eingriffen wie Brazilian Butt Lifts und Haartransplantationen. Auch die junge Promiszene rund um Düsseldorf scheint sich mit ihren kompletten Makeovers geradezu zu rühmen. Da darf es in München aktuell doch mehr Zurückhaltung sein.