Comedystreet XXL

Simon

"Beinahe hätte ich Dir eine geballert – das bekomme ich des Öfteren zu hören!"

Simon Gosejohann hat dem Prinzip "Versteckte Kamera" mit "Comedystreet" einen – pardon – Tritt in den Hintern verpasst. Der Dank: "Comedystreet XXL", wo Simon nun zur besten Sendezeit auftrumpfen kann. Mit dem Comedian und selbst erklärten Nachwuchsentertainer sprach ProSieben.de über die Möglichkeiten des neuen Formats, über Peinlichkeitsgrenzen und darüber, dass nicht jeder Spaß versteht.

Simon Gosejphan
© Guido Ohlenbostel-ProSieben

Herr Gosejohann, "Comedystreet" geht ins siebte Jahr und trägt nun das Label "XXL"; steht XXL für mehr als nur eine längere Sendezeit?
Ja, da geht es schon um mehr. "Comedystreet XXL" ist eine neue, viel aufwändigere Sendung. Wir können jetzt Gags und Geschichten erzählen, die sehr viel umfangreicher sind.

Simon Gosejohann 2
© Guido Ohlenbostel-ProSieben

Können Sie ein Beispiel nennen, ohne dabei aber schon zu viel zu verraten?
Ich mache etwa in der Köln-Arena einer Frau vor 15.000 Zuschauern einen ziemlich peinlichen Heiratsantrag oder singe einem Mann bei Kai Pflaume ein Liebesgeständnis. Oder wir versorgen bei einem Moderatoren-Casting für Wetter die Teilnehmer mit ganz viel Wind und Wasser.

Gibt es auch ein Wiedersehen mit guten alten Bekannten?
Ja, das gibt’s auch. Der Riesenpimmel-Mann ist wieder mit dabei, der schwule Bauarbeiter und der Mofa-Rocker auch. Und auch diese Figuren haben durch das "XXL" nun die Möglichkeit, ein wenig mehr zu erleben, als bisher. 

"Mehr erleben, als bisher": Gibt es für Sie dennoch eine Grenze, die Sie nicht überschreiten, oder darf Comedy grundsätzlich alles?
Nein, ich kenne schon meine Grenze und möchte selbstverständlich niemandem schaden. Natürlich mache ich gerne meine Witze, aber nachher soll dann auch wieder alles in Ordnung sein. Ich will niemandem nachhaltig an den Karren fahren, das ist ganz sicher nicht mein Ding. Und ich mag es auch nicht, selbst gut dazustehen, während mein Gegenüber vorgeführt wird. Dennoch müssen die Grenzen für jeden Gag immer wieder neu gesteckt werden.

Gibt es auch so etwas wie eine eigene Peinlichkeitsgrenze?
Ja, die gibt es auch. An die muss ich immer wieder herangehen. Allerdings scheint die bei mir dann ganz woanders zu liegen, als bei den meisten anderen.

Ist auch eine Spur Masochismus dabei?
Das ist eher bei "Elton vs. Simon" der Fall. Bei "Comedystreet" mache ich mich einfach nur zum Affen, damit andere darüber lachen können.

Lacht die eigene Freundin auch?
Ja. Manche Gags sollte ich vielleicht dennoch vorher mit ihr abklären. Mache ich dann aber doch nicht, so dass sie schon mal ein wenig irritiert ist…

… wie auch das ein oder andere "Opfer", gab es auch mal richtig Ärger?
Natürlich versucht man von vorneherein zu vermeiden, dass jemand plötzlich ausflippt. Die Gefahr ist aber durchaus gegeben. Geht man durch die Stadt, dann trifft man sehr viele Leute, und wenn man großes Pech hat, auch mal einen Psychopathen…

… der einem dann an die Wäsche will?
Das kann passieren! Bei der letzten Staffel kam plötzlich einer aus einem Kiosk heraus gerannt und hat geschrieen "Ich töte euch, ich töte euch!" – und ein "Beinahe hätte ich Dir eine geballert!" bekomme ich durchaus des Öfteren mal zu hören.

Es geht also nicht nur darum, das Publikum zum Lachen zu bringen, sondern auch ein wenig ums Provozieren und Polarisieren?
Gute Frage. Grundsätzlich geht es in erster Linie natürlich darum, die Leute zum Lachen zu bringen. Aber man entwickelt sich mit dem Zeitgeist auch weiter und Grenzen, etwa die des schlechten Geschmacks, verschieben sich mit der Zeit. Was vor fünf Jahren vielleicht noch saukomisch war, entlockt einem heute nur noch ein müdes Lächeln. Und Langeweile ist nicht nur bei Comedy tödlich: Nichts nehmen einem die Leute übler, als schlechte Witze. Comedy ist daher immer auch eine Gratwanderung.

Simon is back
© Guido Ohlenbostel-ProSieben

Wie sehen Sie grundsätzlich die deutsche Comedy? "XXL" scheint zu belegen, dass die Boom-Jahre in Deutschland offensichtlich noch immer nicht vorbei sind...
In der Tat ist es eine großartige Chance mit ein bisschen mehr Geld nun zur Primetime für ein größeres Publikum auch ein wenig größere Gags erzählen zu können. Comedy in Deutschland scheint sich meinem Empfinden nach auf einem hohen Niveau etabliert zu haben.

Kann man aber nicht fast schon von einer Comedy-Schwemme sprechen, die dieses Niveau bereits wieder zu unterspülen droht?
Natürlich ist auch manches dabei, was furchtbar ist. Genauso, wie einem manches auch sehr gut gefällt. Das halte ich aber für eine ganz normale Entwicklung.

Worüber lachen Sie?
Z. B. freue ich mich sehr auf die neue Staffel von "Pastewka". "Stromberg" oder "Dr. Psycho" gefallen mir auch sehr gut.

Und was ist zum Heulen?
Das ginge jetzt in die Richtung Kollegenschelte, da halte ich besser meine Klappe. Letztlich geht es auch bei Humor um Haltung. Wer eine eindeutige Haltung zeigt, dem verzeihe ich persönlich auch einmal einen schlechteren Scherz. So ist sicherlich nicht alles von Helge Schneider Gold, trotzdem hat er bei mir immer einen Stein im Brett.

Helge Schneider ist ein Multi-Talent, der Musik mit Film, mit Comedy verbindet; wie sehen Sie sich?
Ich würde mich als Nachwuchs-Entertainer bezeichnen. Mit dem Begriff "Entertainer" verbindet man etwa auch einen Harald Juhnke. Ohne mich nun mit dieser Legende vergleichen zu wollen, gefällt mir doch die Vielseitigkeit, die Juhnke stets gezeigt hat. Er war Sänger, Tänzer, Schauspieler mit klassischem Background. Von dem kann man zwar bei mir ganz gewiss nicht sprechen, aber eine Vielseitigkeit würde ich mir durchaus auch attestieren. Entertainer – mit diesem Begriff fühle ich mich wohl! 

(Interview: Andreas Kötter)

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