Bundestagswahl 2013

ProSiebenSat.1 Nichtwählerstudie

ProSiebenSat.1 hat im Februar 2013 die große Studie "Wähler und Nichtwähler im Wahljahr 2013" veröffentlicht. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts forsa planen derzeit 30 Prozent der Wahlberechtigten, sich nicht an der Bundestagswahl zu beteiligen. Damit droht erstmals eine Wahlbeteiligung von unter 70 Prozent, und damit die niedrigste seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Bereits bei den Bundestagswahlen von 1998 bis 2009 war die Zahl der Nichtwähler von 10,8 auf 18,1 Millionen gestiegen.

ProSiebenSat.1 Nichtwählerstudie
© ProSiebenSat.1 Media AG

Nichtwähler sind politisch interessiert, aber unzufrieden

Das Vorurteil, dass sich Nichtwähler nicht für Politik interessieren, wird durch die Studienergebnisse klar widerlegt. Das Interesse ist bei den Unentschlossenen und Nichtwählern zwar niedriger als bei den Wählern, aber mit 59 Prozent geben immerhin deutlich mehr als die Hälfte der befragten Nichtwähler an, sich beispielsweise für deutsche Politik zu interessieren.

Allerdings widerlegen die erhobenen Zahlen explizit die These, viele Bürgerinnen und Bürger würden deshalb nicht zur Wahl gehen, weil sie mit der Politik ohnehin zufrieden sind und ihr schweigend zustimmen: 85 Prozent der Nichtwähler sind mit der praktizierten Politik unzufrieden. Distanziert äußern sich viele Wahlskeptiker vor allem zu den Auswirkungen der Politik auf ihr persönliches Leben und zur Kommunikation politscher Inhalte.

"Wähler auf Urlaub"

In der aktuellen Studie wird deutlich, dass es noch keine große Zahl von dauerhaften Nichtwählern gibt, die nicht wieder als Wähler gewonnen werden könnten. Die meisten Nichtwähler verstehen sich als "Wähler auf Urlaub", ihre Wahlskepsis ist eher sporadisch.

Wahlskeptiker kommen überwiegend aus der politischen Mitte

Bei der Analyse der Nichtwähler widerlegt die Studie gängige Klischees: Zwar stehen die Wahlskeptiker tatsächlich überproportional oft vor schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen und fühlen sich wirtschaftlich benachteiligt. Dennoch wandern sie nicht an den äußersten linken oder rechten Rand des politischen Spektrums ab, sondern verorten sich auch weiterhin - und sogar noch in höherem Maße als die Wähler selbst - in der politischen Mitte (63 Prozent Unentschlossene und Nichtwähler, 49 Prozent Wähler).

Frauen neigen eher zur Wahlenthaltung

Nichtwähler sind zwar nur leicht überproportional weiblich. Bei der Gruppe der Unentschlossenen jedoch - für die Forscher diejenige Gruppe in der Bevölkerung, die gefährdet ist, sich bei der nächsten Wahl ebenfalls zu enthalten - überwiegt der Frauenanteil deutlich (Unentschlossene: 39 Prozent Männer, 61 Prozent Frauen).

Wahlbeteiligung hat auch eine soziale Dimension

Das Haushaltsnettoeinkommen von Nichtwählern und Unentschlossenen ist durchschnittlich geringer ist als das der Wähler. So verfügen 50 Prozent der Nichtwähler über ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.000 Euro. Durch die hohe Wahlenthaltung der weniger privilegierten sozialen Schichten haben die oberen Einkommens- und Bildungsschichten nach Einschätzung vieler Bürger einen überproportional großen Einfluss auf die Politik.

Mangelndes Politikinteresse ist ein Vermittlungsproblem

Das fehlende Wahlengagement ist nicht etwa die Folge eines grundsätzlich mangelnden Politikinteresses. Während eine Mehrheit der Wähler (80 Prozent) und auch der Unentschlossenen (65 Prozent) der Meinung ist, dass es für den Einzelnen sehr wichtig sei, was in der Politik vorgehe, glauben das nur 46 Prozent der Nichtwähler.

Je weniger die Menschen folglich die Auswirkungen der Politik auf ihr persönliches Leben erkennen können, desto skeptischer stehen sie der Stimmabgabe gegenüber. Insgesamt sind Nichtwähler in deutlich geringerem Maße davon überzeugt, dass Wählen eine Art Bürgerpflicht darstellt oder dass die Stimmabgabe überhaupt etwas bewirkt. Entsprechend ist es vielen Nichtwählern gleichgültig, wer die Wahlen gewinnt.

Die Verantwortung der Medien

Es ist eine zentrale Aufgabe aller Medien, zwischen den politischen Akteuren und der Bevölkerung zu vermitteln und komplexe Sachverhalte verständlich und gleichzeitig interessant zu erklären. Dass Medien diese Aufgabe erfüllen können, zeigen folgende Zahlen: 76 Prozent der Nichtwähler geben an, gut zu verstehen, was Medien berichten. Bei den Wählern sind es 84 Prozent.

 

 

Quelle: ProSiebenSat.1 Nichtwählerstudie

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