Von Wissenshunger, Aha-Effekten und Studiosprengen.

Aiman und Stefan im Interview

Galileo ist laut Umfragen das beliebteste tägliche Wissensmagazin im deutschen Fernsehen (Quelle: midline media 2012). Aiman Abdallah, der Mann der ersten Stunde, moderiert die Sendung – seit 2009 im wöchentlichen Wechsel mit Stefan Gödde.

Galileo 15 Jahre
© ProSieben/Arne Weychardt

Immer wieder überraschten die beiden Moderatoren die Zuschauer: Aiman Abdallah flog mit Linienflugzeugen in 70 Stunden um die Welt (2005) und hob an einer Traube heliumgefüllter Luftballons ab (2003). Stefan Gödde bereiste an nur fünf Tagen fünf Kontinente (2013), stieg für Galileo Spezial ins Innere eines Vulkans (2012) und besuchte in Tschernobyl Menschen, die 25 Jahre nach dem Super-GAU im Sperrgebiet leben (2011). Im Interview erklären die beiden Moderatoren, wie Galileo Leben retten kann und was eine Studiosprengung mit dem 15-jährigen Jubiläum des Wissensmagazins zu tun hat.

Aiman, seit 15 Jahren moderierst Du Galileo. Warum sollte man sich die Sendung auch heute noch anschauen?
Aiman: Galileo ist neugierig. Unsere Redakteure gehen mit offenen Augen durch die Welt und stellen Fragen, die sich auch viele Zuschauer in ihrem Alltag stellen. Unsere Antworten sind verständlich, unterhaltsam und modern verpackt. Wir glauben, dass Wissen Spaß machen kann – und soll. Das versuchen wir jeden Tag umzusetzen.

Wie wissbegierig bist Du privat?
Aiman: Sehr wissbegierig. Ich war schon als Kind extrem neugierig und diese Neugierde habe ich heute noch. Ich denke, Wissenshunger gehört zu unserem Leben dazu und der Mensch wird immer auf der Suche nach Antworten sein.

Stefan, was unterscheidet Galileo von anderen Wissensmagazinen?
Stefan: Galileo ist unkonventionell und probiert die Dinge einfach aus. Wir können über uns selbst lachen und Fehler zugeben, wen sie uns passieren. Und wir setzen Trends: Galileo hat seine Zuschauer zum ersten Mal mit Hilfe von Augmented Reality aktiv in die Sendung einbezogen. Das hat vor uns noch kein anderer gemacht. Bei Facebook hat Galileo 1,66 Millionen Facebook-Fans – mehr als jedes andere deutsche TV-Magazin.

Soziale Netzwerke empfinden viele als Lust und Last zugleich. Wie sieht man das bei Galileo?
Stefan: Wir haben natürlich auch schon den einen oder anderen Shitstorm erlebt. Aber wir bekommen über sozial Netzwerke auch viele Ideen und positive Rückmeldungen. Im Februar habe ich versprochen, dass ich als Darth Vader moderiere, wenn wir innerhalb einer Woche eine Million (!) Likes bekommen. Das haben wir locker geschafft und das Bild gehört jetzt zum illustren Kreis der meist gelikten Fotos der Welt. Daran sieht man, wie aktiv die Fans auch im positiven Sinne bei Facebook sein können.

Aiman, die erste Galileo-Sendung war im November 1998. Was geht Dir spontan durch den Kopf, wenn Du Dich daran erinnerst?
Aiman: Die Aufregung und Spannung. Wir haben Monate lang auf diesen Tag hingearbeitet und -gefiebert. Als es endlich los ging, waren wir dann eher erleichtert und glücklich als nervös.

Stefan, Du bist 2009 bei Galileo eingestiegen – immerhin auch schon viereinhalb Jahre. Was war in dieser Zeit Ihr größter Aha-Effekt?
Stefan: Im besten Falle habe ich in jeder Galileo-Sendung einen Aha-Effekt und erfahre überraschende Dinge, die unsere Redakteurinnen und Redakteure recherchiert haben. Meine Lieblings-Rubrik ist übrigens: „Mein Leben als…“. Darin begleiten wir z.B. einen orthodoxen Juden, eine muslimische Familie, einen Arzt oder eine Krankenschwester durch ihren Alltag in Deutschland. Immer wieder wird mir dann bewusst: Man kann so viel Spannendes lernen, wenn man sich für das Leben seiner Mitmenschen interessiert.

Was habt Ihr mit Galileo schon erlebt? Und was würdet Ihr nie ausprobieren – auch nicht für Galileo?
Aiman: Ich durfte für Galileo schon einmal durch den geheimen Gang gehen, der vom Vatikan zur Engelsburg führt. Das gelingt nur ganz wenigen Fernsehteams. Mit Linienfliegern bin ich in weniger als 70 Stunden um die Welt geflogen. Aber ich würde beispielsweise niemals aus einem Flugzeug springen, auch nicht mit Fallschirm. Das mache ich nicht mal für Galileo.
Stefan: Meine Dreharbeiten in der Sperrzone von Tschernobyl werde ich nie vergessen: Die sieben Tage im verstrahlten Gebiet waren beängstigend, lehrreich, spannend und vor allem extrem! Aber ich durfte auch schon viele schöne Dinge erleben, die sich positiv in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Auf Island sind mein Team und ich zum Beispiel in den erloschenen Vulkan Thrihnukagigur geklettert – wohl eines der beeindruckendsten Erlebnisse, die man auf dieser Welt haben kann.

Was plant Galileo zu seinem 15. Geburtstag?
Aiman: Galileo hat sich immer wieder neu erfunden und den aktuellen Interessen der Zuschauer Rechnung getragen. Es gab eine Zeit, da waren Beiträge darüber, wie unser Essen gemacht wird, besonders beliebt. Eine andere Phase war die, in der die Zuschauer besonders gerne bei Weltrekordversuchen mitfieberten. Viele Fans haben auch die Galileo-Reisen zu den entlegensten Winkeln der Welt. Diese Programmfarben greifen wir in der Jubiläumswoche mit einem besonders spektakulären Beitrag auf: Wir wollen einen Weltrekord im Lok-Ziehen aufstellen und zeigen, wie Kartoffelchips hergestellt werden. Beim Thema Reisen drehen wir den Spieß um. Dieses Mal bekommt Galileo selbst Besuch: Drei Mitgliedern vom Stamm der Iban in Borneo besuchen eine deutsche Großstadt.
Stefan: Ich besuche Menschen, die sagen: „Galileo hat mir das Leben gerettet“. Der elfjährige Timo aus Soltau beispielsweise ist Anfang dieses Jahres ins Eis eingebrochen. Weil er kurz zuvor bei Galileo gesehen hatte, was in einem solchen Fall zu tun ist, konnte er sich aus dieser lebensgefährlichen Situation befreien. Marion (43) konnte ihrem Vater helfen, als er einen Herzinfarkt erlitt, weil sie am Vortag ein Bericht über Erste Hilfe in unserem Wissensmagazin gesehen hatte. Ich treffe Tim, Marion und andere Menschen, die Ähnliches erlebt haben, und erzähle ihre Geschichten.

Gibt es einen Beitrag, von dem Ihr in ähnlicher Weise persönlich profitiert habt wie die Menschen, die Ihr besucht?
Stefan: Ich profitiere vor allem von Beiträgen, in denen es Tipps und Tricks rund ums Kochen oder Aufräumen gibt, zwei Felder, die in meinem Leben eher suboptimal laufen (lacht). Aber im Ernst: Mir gefällt, wie kreativ unsere Redaktion mit Themen umgeht und welch überraschende Blickwinkel unsere Filmemacher einnehmen. Daher kann ich aus fast jedem Galileo-Beitrag etwas für mich mitnehmen.
Aiman: Ich habe viel von und mit Galileo gelernt – aber in einer lebensbedrohlichen Situation musste ich mein Wissen, Gott sei Dank, nicht einsetzen.

Welche verrückte Aktion steht aus Deiner Sicht noch aus?
Stefan: Wir haben schon viele verrückte Experimente gemacht und viele riskante Spreng-Aktionen begleitet. Konsequenterweise müssten wir jetzt mal unser eigenes Studio in die Luft jagen. Und genau das haben wir vor. In der Jubiläums-Sendung am 29. November 2013 sprengen wir das gute alte Galileo-Studio. Und ziehen danach in ein neues, hochmodernes Studio um, das in punkto 3D-Technik nichts zu wünschen übrig lässt. Die Zuschauer können sich schon jetzt drauf freuen. Wir tun es auch.

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