Galileo Spezial: Tschernobyl – 25 Jahre nach dem Super-Gau

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Tschernobyl Spezial

 

Ein Vierteljahrhundert nach dem GAU ist die radioaktive Strahlung in und um Tschernobyl noch immer bis zu 1000 Mal höher als normal. Galileo-Moderator Stefan Gödde besucht den Kontrollraum des stillgelegten Reaktorblocks 3, der auch 25 Jahre nach dem Störfall noch täglich beaufsichtigt werden muss.

Galileo Spezial: Tschernobyl - 25 Jahre nach dem Super-Gau

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Der Super-GAU von Tschernobyl beginnt am 26. April 1986: Eine Übung am Reaktorblock Vier gerät außer Kontrolle. Die Folge: Eine Kernschmelze, mehrere Explosionen und damit der sogenannte Super-GAU, also ein technisch nicht mehr kontrollierbarer atomarer Unfall.
Der tonnenschwere Deckel des Reaktors ist zerstört, große Mengen Radioaktivität werden in die Luft geschleudert.

Für „Galileo-Spezial“ besucht Moderator Stefan Gödde das ukrainische Sperrgebiet. Er will sich mit eigenen Augen ein Bild machen, wie das Gebiet um Tschernobyl 25 Jahre nach dem Super-GAU aussieht.

Welchen Einfluss hat die Strahlung auch heute noch auf Menschen, Tiere und die Umwelt?
11 Tage lang ist das Team für die Filmaufnahmen im Sperrgebiet.

 

Stefan Gödde besucht eine Bewohnerin in der Sperrzone

1. Videoreisebericht

Stefan Gödde besucht Maria. Sie war 53 Jahre alt, als der Unfall passierte und wurde wie viele andere evakuiert. Bald darauf entscheidet sie sich, in ihre Heimat - 12 Kilometer vom Reaktor - entfernt zurückzukehren. Seit dem lebt sie mit ihrem Mann auf ihrem Hof, hält Ochsen und Hühner, baut ihre Kartoffeln in der Erde von Tschernobyl an. Maria lädt Stefan zum Essen ein, ob er das Angebot annimmt?

Stefan Gödde inmitten des stark verseuchten Reaktorgebietes

2. Videoreisebericht

25 Jahre nach dem atomaren Super-GAU kann man die Strahlung noch überall im verseuchten Gebiet messen. Stefan Gödde hat deswegen immer einen Geigerzähler und einen Dosimeter dabei. So kann er kontrollieren, welche Strahlung um ihn herum herrscht und ob er sich schnell zurückziehen muss. Drei Kilometer tief in der Sperrzone. Noch ist der Reaktor weit weg. Stellenweise steigt die Strahlung stark an. Vor dem Galileo-Team liegen auf einmal hunderte von Fahrzeugen. Autos, LKWs, Helikopter. Es ist der größte Friedhof in Tschernobyl: Der Fahrzeugfriedhof. Alles Fahrzeuge, mit denen Tschernobyl evakuiert wurde. Und die so stark verstrahlt sind, dass niemand sie mehr nutzen kann.

In Tschernobyl arbeiten immer noch Menschen

3. Videoreisebericht

An der Grenze zum Reaktor. Hier wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar – und wie schlimm sie hätte werden können. Denn nur einer der vier aktiven Reaktoren führte zum Super-GAU in Tschernobyl. Die drei anderen Reaktoren blieben unter Kontrolle, konnten nach unten gefahren werden. Zwei weitere Reaktoren stehen als Rohbau daneben.

Interview mit dem Galileo Moderator Stefan Gödde

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Seine Eindrücke schildert Stefan Gödde im folgenden Interview:

Wie haben Sie sich auf die Recherche-Reise in die verstrahlte Gegend um Tschernobyl vorbereitet?
Gödde: „Ich wurde von einem deutschen Physiker gecoacht, der mich dann auch zusammen mit einem Einheimischen im Sperrgebiet von Tschernobyl begleitet hat. Gefahr geht natürlich von der Strahlung aus, die stellenweise noch extrem hoch ist – vor allem aber auch durch radioaktive Staubpartikel. Mir und meinem Team kam allerdings zugute, dass während der Dreharbeiten eine Schneedecke lag. So wurde das Risiko, den Staub an die Schleimhäute zu bekommen, etwas verringert.“

Hatten Sie keine Angst?
Gödde: „Angst weniger – eher Respekt. Wir haben uns eine Woche im Sperrgebiet aufgehalten und gefilmt. Gewohnt haben wir in einem Hotel, das zum Glück nicht verstrahlt ist. Trotzdem hatte ich immer einen Geigerzähler dabei – weil die Kontamination nicht gleichmäßig ist. Manche Stellen sind weniger belastet, dafür geht von den so genannten ,Hot Spots’ eine größere Gefahr aus. Den Kontrollraum des stillgelegten Reaktorblocks 3 – direkt neben dem havarierten Block 4 - konnten wir nur unter strengster Aufsicht besichtigen. Auch heute, ein viertel Jahrhundert nach der Katastrophe, muss das Kraftwerk immer noch gewartet und instand gehalten werden. Sich dort aufzuhalten war wirklich sehr unheimlich.“


Was weißt noch auf das Leben vor 25 Jahren hin?
Gödde: „Wir haben die einstmalige Arbeiterstadt Prypjat besucht, die liegt gerade mal drei Kilometer vom Atomreaktor entfernt. 48 000 Menschen fühlten sich einst in der „Stadt der Blumen und Kinder“ wohl, lebten und arbeiteten dort. Heute ist alles verlassen und es herrscht eine Stille, wie ich sie noch nie erlebt habe: gespenstisch, alles verschlingend und bedrückend.“


Welches Bild ist Ihnen am stärksten im Kopf geblieben?
Gödde: „Zum Zeitpunkt des Unglücks wurde in Prypjat ein Jahrmarkt aufgebaut für ein großes Volksfest. Ein Riesenrad, ein Auto-Scooter – alles steht noch da, wie vor 25 Jahren. Heute ist natürlich alles verfallen, verrostet und verstrahlt – ein extrem lebensfeindlicher Ort. Dieses Bild hat mich sehr berührt – zumal man bedenken muss, dass die Menschen in Prypjat erst zwei Tage nach der Katastrophe über die Gefahr informiert und viel zu spät evakuiert wurden. Viele von Ihnen sind gestorben oder leiden noch heute an den Folgen des Super-GAUs.“


Haben Sie gar keine Menschen getroffen?
Gödde: „Doch. Einige konnten sich einfach nicht mit der ihnen zugewiesenen neuen Heimat abfinden. Besonders in Erinnerung ist mir eine alte Frau geblieben, die zusammen mit ihrem Mann in ganz ärmlichen Verhältnissen lebt. Sie hatte uns eingeladen und zu Mittag Kartoffeln gekocht, die sie selbst in ihrem Garten angebaut hat. Trotz meines schlechten Gewissens – etwas abzulehnen ist dort sehr unhöflich – habe ich verzichtet. Im Nachhinein bin ich froh darüber, denn wir haben eine Kartoffel mitgenommen und untersucht: Sie war mit radioaktivem Cäsium verseucht!“

Am 26. April 1986 waren Sie zehn Jahre alt. Was ist Ihnen von diesem Tag in Erinnerung geblieben?
Gödde: „An Details kann ich mich nicht genau erinnern, an die im Anschluss geführten Diskussionen aber schon: Was darf man noch essen? Ist Spielen im Freien gefährlich? Und natürlich, inwieweit wird unser Leben verändert, wenn die Wolke zu uns kommt?“


Was glauben Sie, wird aufgrund der aktuellen Ereignisse in Japan, auf die Menschen dort zukommen?

Gödde: „Ich habe gesehen, was so ein Super-GAU anrichtet und bin tieftraurig. 25 Jahre nach der Strahlenkatastrophe ist die Region um Tschernobyl immer noch gebeutelt, die Menschen leiden unter den Folgen. Japan könnte nun ein ähnliches Schicksal drohen und hinzu kommen noch die schlimmen Erdbeben und Tsunamis. Dass soviel Leid und Unglück über Menschen hereinbrechen kann, ist einfach unvorstellbar.“
 

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