Donnerstag, 05.09.2013

100 Sekunden: Reflektierender Wolkenkratzer

Ein Wolkenkratzer in London bringt Teile eines Jaguars zum Schmelzen. Die Fassade reflektiert die Sonne so stark, dass man darunter auf der Straße sogar Spiegeleier braten kann. Wie ist es möglich, dass die Glas-Fassade eines Wolkenkratzers wie ein Brennglas wirkt? Und gab es so etwas schon häufiger?

Was ist passiert?
Ein Mann parkt für zwei Stunden sein Luxusauto in der Londoner Innenstadt – als er zurückkommt sind das Armaturenbrett und die Seitenspiegel verformt. Bei den Nachbarn rund um den „Walkie Talkie“ genannten Wolkenkratzer kommt es zu Brandflecken und die Fließen lösen sich ab.

Wie ist das möglich?
Die Glas-Fassade ist leicht gebogen. Dadurch wird der Wolkenkratzer bei starker Sonneneinstrahlung und bei einem bestimmten Einstrahlwinkel zum Hohlspiegel. Er reflektiert die Sonnenstrahlen scheinbar so, dass sie danach gebündelt auf den Boden treffen. Die Folge: Punktuell wird es dort extrem heiß. Genauer: Es wurden knapp 93 Grad Celsius auf der Straße gemessen. Das inspiriert die Londoner, sich auf dem Randstein ein Spiegelei zu braten – was tatsächlich klappt. Im Moment dauert die starke Sonnenreflexion zwei Stunden am Tag – laut der Baufirma des Wolkenkratzers wird die Sonne noch etwa drei Wochen in dem ungünstigen Winkel stehen.

Kam so etwas schon mal vor?
Ein ähnliches Problem hat das Vdara-Hotel in Las Vegas. Und siehe da: Es stammt vom gleichen Architekten wie der Wolkenkratzer in London und hat ebenfalls eine gebogene Spiegel-Fassade. Am Pool reflektiert die Glas-Fassade das Sonnenlicht so stark, dass Gäste bereits häufiger schwere Verbrennungen davontrugen. In London wurden jetzt vor dem Wolkenkratzer drei Parkbuchten gesperrt. Bis sich die Architekten eine Lösung für das Problem überlegt haben versuchen die Anwohner alles in Sicherheit zu bringen, was nicht feuerfest ist.

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