Interview mit Spieleforscher Christian Roth

Spielforscher Christian Roth

Wie kamen Sie dazu, Spieleforscher zu werden?
Spiele und insbesondere Computerspiele haben mich bereits seit meiner Kindheit fasziniert. Die Möglichkeiten, selbst direkten Einfluss auf das Spielgeschehen zu haben und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen machten mir großen Spaß. Ich interessierte mich immer schon für das menschliche Erleben und Verhalten. Als Diplompsychologe und Spieleforscher arbeite ich an der Fertigstellung meiner Doktorarbeit zum Erleben von interaktiven Geschichten an der VU Universtität in Amsterdam.

Wie viel spielen Sie selbst?
Durch meine Arbeit beschäftige ich mich weitgehend aus wissenschaftlicher Sicht mit diesem Thema, aber wenn sich die Gelegenheit bietet, probiere ich verschiedene Spiele aus.

Was kann man beim Computerspielen lernen?
Es hängt vom Spiel und den Spielern selbst ab. Es gibt Spiele, die historische Fakten integrieren und Wissen vermitteln (z.B. Age of Empires), desweiteren werden kognitive und motorische Fähigkeiten speziell in Actionspielen trainiert. Man lernt, verschiedene Ereignisse gleichzeitig zu verarbeiten, schnell zu reagieren und kann die Teamfähigkeit schulen (z.B. Shooter, Rollenspiele).

Sind diese Fähigkeiten auch auf das reale Leben übertragbar?
Oft sind die erlernten Fähigkeiten sehr spielspezifisch. Rennfahrer und Piloten trainieren beispielsweise auch im Simulator. Chirurgen mit Computerspielerfahrung haben eine sicherere Hand im Umgang mit mikroinvasiven Instrumenten.

Stimmt es, dass Computerspiele auch in der Medizin eingesetzt werden?
Die wichtigste Eigenschaft von Spielen im medizinischen Bereich ist, dass sie ablenken, Freude bereiten, Schmerzen in den Hintergrund drängen und junge Patienten über ihre Krankheit aufklären. In der Reha können die Gehirnleistungen bedeutend gesteigert werden.

Wie kam die Wende von „Computerspielen ist schlecht“ zu „Computerspielen ist gut/kann gut sein“?
Die Suchtgefahr wird immer wieder thematisiert. Mittlerweile kann man aber besser differenzieren. Zum Beispiel weiß man, dass Gewalttäter nicht unmittelbar durch Gewaltspiele zu diesen geworden sind. Jedoch gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Spielen, so dass diese Frage nicht pauschal beantwortet werden kann. Momentan herrscht der Trend, das Positive mehr zu beachten.

Sollten die Menschen mehr Computer spielen?
Spiele bieten vielfältige Interaktionsmöglichkeiten und können die Medienkompetenz schulen und das Gehirn fit halten.

Kann jeder seine Fähigkeiten (wie Reaktionsfähigkeit, Koordination usw.) durch Computerspielen verbessern?
Ja, da gibt es kaum Einschränkungen. Aber wie bereits erwähnt, hängt es sehr davon ab, wer welche Spiele wie spielt. Moderates Spielen kann aber nie schaden.

Wie viel Spielen ist gesund?
Das dauerhafte Spielen mit extremen Schlafmangel ist gesundheitsschädlich. Generell gilt: die Dosis macht das Gift. Solange man seinen Alltag noch gut bewerkstelligen kann und Computerspielen nicht als einziges Hobby und soziales Umfeld hat, sind auch mehrere Stunden tägliches Spielen heutzutage ganz normal. Bei Kindern wird hoher Medienkonsum, wie Fernsehen und Computerspielen, als problematisch erachtet. Es ist wichtig ihr Gehirn auf unterschied

Wer glauben Sie, wird im Games-Marathon am längsten durchhalten?
Ich tippe auf den Pro-Gamer, da er Spiele sicher am wenigsten als Anstrengung empfinden wird. Dazu kommt jedoch der Schlafentzug, der allen Spielern zu schaffen machen wird. Es wird also spannend!

Können unsere Non-Gamer sich schon nach zehn oder 12 Stunden in den Tests verbessern?
Die Trainingszeit müsste von der Dauer bereits reichen, um erste Effekte hervorzurufen. Jedoch bietet diese Art und Weise des Trainings wenig Zeit, dass sich das Gehirn anpasst, daher ist das Ergebnis möglicherweise nicht aussagekräftig.

Welche Rolle wird die Müdigkeit bei dem Experiment spielen?
Bei jedem Lernen ist es wichtig, Pausen einzulegen, das passiert, wenn wir schlafen, um dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, Gelerntes zu festigen.

Ist es ein Vorteil, dass wir quasi von der Außenwelt ausgeschlossen sind, es also keinen Tag-Nacht-Rhythmus gibt?
Die Probanden werden sowieso früher oder später müde und werden die Uhrzeit ignorieren.

Welche Entwicklungen erwarten Sie bei unseren Spielern (non Gamer und Gamer)
Ich glaube, dass sich anfangs noch Verbesserungen in den verschiedenen Tests zeigen werden, aber bald die Müdigkeit die Lerneffekte von den Spielen drastisch mindern wird.

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