Alle Fragen und Antworten rund um die Dackel-Welpen

FAQs Dackel-Welpen

Was ist artgerechte Haltung? Muss das Muttertier immer 24 Stunden bei seinen Welpen sein? Und warum sind Bällebad und Wippe nicht gefährlich für die Welpen? Im folgenden beantwortet die Züchterin Frau Diepers alle wichtigen Fragen rund um die Dackel-Welpen.

DackelBlanko

In der Prägephase (4. - 7. Lebenswoche) lernt der Welpe mit ganz unterschiedlichen Eindrücken (Menschen, Geräusche, optische Eindrücke etc) umzugehen. Er nimmt sein Umfeld bewusst wahr und lernt seine Sozialpartner kennen. In dieser Zeit wird seine Persönlichkeit und sein Temperament geprägt. Wird in dieser Zeit ein Welpe isoliert gehalten mit keinerlei Eindrücken bzw Sozialpartnern zusammen gebracht, kommt es mit grösster Wahrscheinlichkeit später zu Sozialisierungsproblemen, die man nur noch schwer aufarbeiten kann.

Werden die Welpen artgerecht gehalten und woran erkenne ich das?
Eine artgerechte Haltung erkennt man daran, dass wenigstens! der Mindeststandard eingehalten wird. D.h. dass alle beim Züchter lebenden Tiere nach dem deutschen Tierschutzgesetz § 11 in der gültigen Fassung gehalten werden. Darin steht u.a. geschrieben dass

  • jeder, der ein Tier hält oder zu betreuen hat, dieses Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und art- bzw. verhaltensgerecht unterbringen muss
  •  er die Möglichkeiten des Tieres zu artgerechter Bewegung nicht so einschränken darf, dass ihm Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden
  • er über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen muss

Für einen Dackel, der womöglich im Zwinger gehalten werden soll, muss die Grundfläche ohne Schutzraum mind 6qm, pro weiteren Hund + 3qm, Hündin mit Welpen 6,4qm, betragen. Es muss ausreichend Tageslicht (min. 1/8 der Bodenfläche) vorhanden sein.

Ich persönlich lehne die Zwingerhaltung ab. Meine Hunde leben mit uns in der Familie, im Haus und im Garten. Und in unserem Leben! Wie geschrieben, zeigt das Tierschutzgesetz lediglich die Mindestanforderung

Unabhängig von der Hundehaltungsverordnung schaue ich als Welpeninteressent beim Züchter darauf, ob alle im Haushalt lebenden Tier gezeigt werden und gesund, vital und wesensfest erscheinen.

Ich versuche zu ermessen, ob die Tiere, die Welpen, als auch die Zuchthunde liebevoll gehalten werden und sie nicht als Warenkorb dargepriesen werden.

Auch wenn das Tier vor dem Gesetz leider immer noch eine Sache ist, sollte man nur bei einem Züchter kaufen, der die Zucht nach bestem Wissen und Gewissen betreibt. Sollte man ein schlechtes Gefühl haben, kann man den „Züchter“ melden. Normalerweise züchtet man in einem Verband, der seine Züchter betreut, aber auch kontrolliert.

Einen Welpen zu „retten“ , in dem man ihn aus der Zuchtstätte rauskauft, ist die falsche Handhabe und eröffnet dem Hundehändler nur weitere Möglichkeiten.

Warum muss das Muttertier nicht 24h bei seinen Welpen sein?
In den ersten Tagen verlässt die Hündin die Welpenkiste lediglich zur Verrichtung der Notdurft. Mit der Zeit löst sie sich ein wenig von den Welpen, erinnert sich aber konsequent an ihre Aufgabe der Versorgung, ohne dass der Züchter die Hündin dazu animieren muss.

Nach ca. 2 Wochen bekommt die Hündin aber Lust, wieder am normalen Leben teilzuhaben. Sie will wieder in die Familie, in ihr Rudel. Zwingt man die Hündin weiter in die Wurfkiste, erkennt man eine Art „Lagerkoller“ und sie stellt die Milchleistung und die Versorgung rasch ein. Nach 3 bis 4 Wochen werden die  Welpen zugefüttert, auch das erste Mal entwurmt.

Ab da reduziert sich die Milchleistung der Hündin von ganz allein (Nachfrage/Angebot).

Die Hündin verweigert sich regelrecht und möchte eigentlich zur Sozialisierung ihrer Welpen übergehen. Das akzeptieren die Welpen allerdings meist erst, wenn die Milchbar versiegt. Die Welpen können sich zu diesem Zeitpunkt schon sehr gut miteinander beschäftigen. Die ersten Ringkämpfe sind wichtig, Machtproben und Ausprobieren was geht und was nicht mehr. Da muss sich die Mutterhündin nicht unbedingt einmischen.

Lediglich ist eben wichtig, dass die Welpen nicht isoliert aufwachsen, sondern von ihrem Welpen-Areal aus das „echte“ Leben sehr wohl mitbekommen.

Später, in der letzten Zeit, bevor die Welpen dann in ihr neues Leben ziehen, kommt dann auch noch die Erziehung durch die anwesenden Tanten etc, also die anderen Tiere, hinzu.

Warum sind Dinge wie das Bällebad, die Wippe, der Tunnel und das Wasserbecken nicht gefährlich für die Welpen?
Als Züchter überprüfe ich, ob und wie die Welpen die neuen Spielsachen annehmen und ob sie damit unfallfrei umgehen können. Ich kenne die motorischen Fähigkeiten der jungen Hunde und kann mit meiner Erfahrung auch abschätzen, ob die Welpen damit überfordert sind oder sie die neuen Dinge neugierig annehmen.

Zu keinem Zeitpunkt würde ich die Welpen einer Gefahr aussetzen. Sonst würden wir nicht auch sonst eine 100%tige Aufsicht gewährleisten.

Was muss ich beachten wenn ich mir einem Welpen zulegen möchte?
Als zukünftiger Hundehalter sollte man überdenken, ob man die nächsten 15 Jahre (+-) aus seiner Lebenssituation heraus körperlich, geistig und letztendlich auch finanziell in der Lage ist, einen Hund artgerecht halten zu können.

Wenn man sich unsicher ist, sollte es einen stabilen „Plan B“, geben. Z.b. wenn man als älterer, zum Zeitpunkt der Hundeübernahme noch durchaus vitaler Mensch, einen jungen Hund anschafft. Aber es gibt immer Situationen im Leben, die die Hundehaltung vielleicht nicht mehr ermöglichen können.

Man sollte sich darüber im Klaren sein, mit dem Züchter über eine evtl Rückgabe sprechen oder aber jemanden aus seinem Umfeld – und nicht nur als „Notlösung“ - parat haben. Ein Hund ist kein Begleiter, wenn man allein lebt und 8 Stunden täglich arbeitet. Ein Hund ist kein Begleiter, wenn man sich nicht gern bewegt bzw man körperlich versehrt ist, dass die Mobilität stark eingeschränkt ist.

Und selbst wenn das alles uneingeschränkt möglich ist, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man ein Tierleben lang die Verantwortung übernimmt und sich das eigene Leben auch im Sinne des Tieres verändert.

Gerade in den ganz jungen Monaten bedeutet das auf jeden Fall ein Mehraufwand, der den Grundstock dafür legt, dass man dann ein Hundeleben lang davon profitiert und gut zusammen gewachsen ist.

Hatte man schon einen Hund und dieser ist glücklicherweise viele Jahre alt geworden und auch das liegt schon eine Zeit zurück, sollte man sich nicht an die doch zugegebenerweise altersbedingt eingeschränkte Zeit erinnern, sondern überlegen wie munter und gedulderprobend der junge Hund viele Jahre zuvor war.

Wenn ich einen Welpen habe, was braucht er in seiner Kindheit?
Neben der materiellen Grundausstattung braucht der junge Hund nach einer guten „Kindergartenausbildung“ beim Züchter – nämlich die Prägung in eben dieser Prägephase, eine weitere artgerechte, konsequente und vor allem liebevolle Ausbildung und Haltung. Der junge Hund sollte möglichst ab sofort all das kennenlernen, was man für sich und den Hund in den nächsten 15 Jahren vorsieht.

Ein Aufwachsen auf einer rosaroten Wolke für einige Monate und dann erwarten, dass der dann beinahe körperlich erwachsene Hund alles plötzlich können muss, ist ein Trugschluss. Will man mit dem Hund in den Urlaub fahren, sollte auch der junge Hund schon mitgenommen werden. Beispielsweise Camper im Wohnmobil: rein mit dem Welpen und los!

Man geht gern viel unter Leute, in große Parks, in Biergärten, Restaurants....Hund mit! Auto fahren – Hund mit! Natürlich nicht auf dem Schoss, sondern sicher und nach der Strassenverkehrsordung gesicherten Art und Weise. Öffentliche Verkehrsmittel – Hund mit!

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur noch sehr schwer“

Jedes Tier braucht natürlich auch Sozialkontakte, am besten in einer Welpen-Spielstunde, aber auch das große Gefüge in großen Parkanlagen tut gut. Aber Achtung: Welpenschutz existiert nicht!

Tauschen Sie sich mit anderen Hundehaltern aus. Und seien Sie auch bei den „der-tut-nix“ Hunden anfangs vorsichtig. Gerade der junge Dackel, der kleine Hund, sollte nicht gleich im Spiel die dicke Labradorpfote auf den Rücken geschlagen bekommen. Das tut ihm weh und er wird womöglich zum Angstbeisser.

Dem netten „Hundehalter-Stammtischargument“, dass die Hunde das unter sich ausmachen, sollte man beim Welpen mit Vorsicht und Verantwortung begegnen. 

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