Ein-Euro-Shop

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Der Slogan „Geiz ist geil“ ist zwar nicht mehr zu hören. Trotzdem boomen besonders die Schnäppchenmärkte weiter. Sie schaffen es, Ware die anderswo viel mehr kostet, erstaunlich günstig anzubieten. Dies hat verschiedene Gründe: Die Ware kommt zum Großteil aus China, ohne Zwischenhändler, in großen Mengen. Außerdem handelt es sich bei den Produkten um Insolvenzware, Ladenhüter, Überproduktionsware und B-Ware. Im Rahmen einer Wissensreportage sind wir mit einem gewieften Schnäppchenmarkt-Zulieferer unterwegs.Thomas Tanklay ist seit vielen Jahren im Geschäft. Heute ist er unterwegs um einen Zulieferer in der Nähe von Hamburg zu besuchen. Er hat neue Postenware, die für unseren gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann interessant sein könnte. Vorausgesetzt der Preis stimmt. Es gibt eine herzliche Begrüßung mit dem Großhändler. Man kennt und schätzt sich. Der Kreis der Schnäppchenplayer ist überschaubar. Im riesigen Hochregallager stapeln sich Bananenkisten. „Daran erkennt man echte Sonderposten,“ weiß Tanklay. Denn in den Läden sind die Originalverpackungen der nicht abgesetzten Ware oft nicht mehr vorhanden, Bananenkisten in der Regel schon. Diese sind daher oft ein Indiz für Schnäppchen. Thomas Tanklay wird fündig und schlägt zu: Geburtstagsbücher – besonders günstig, weil der Besitzer verstorben ist, und das Lager aufgelöst werden musste. Und Teichfiguren, weil diese im Winter nicht mehr auf normalem Wege verkauft werden können.
Dann macht sich Thomas Tanklay auf zu einem Kunden in der Nähe von Hamburg. Broder Andersen betreibt hier seit vielen Jahren erfolgreich den sogenannten Knüllermarkt – eine Halle voller Schnäppchen: Wurstendstücke, die nicht in die Verpackung dürfen, weil sie optisch nicht gut aussehen; zerbeulte Konservendosen, deren Inhalt jedoch einwandfrei ist; Bonbontüten, die nur falsch beschriftet wurden. Das alles zu einem Bruchteil des Normalpreises.
Jetzt ist Thomas Verhandlungsgeschick gefragt. Über 300 Muster hat er dabei. Jetzt will er verkaufen. Es geht um Centbeträge. Die Masse macht's. Handschuhe für 39 Cent wechseln den Besitzer. Eine Spielesammlung für ehemals 14,90,- Euro geht jetzt für schlappe 1,10 Euro über den Ladentisch, bzw. Palettenweise ins Lager. Ein gutes Geschäft – für beide Schnäppchenprofis.
Eine Woche später sind wir auf der Internationalen Aktionswarenmesse in Köln. Hier trifft sich die gesamte Branche. Netzwerkpflege ist angesagt. Und jeder versucht seine Schnäppchen zu ergattern. Auch Thomas hat hier einen Stand mit seiner Firma. Er hat Druck – denn das Lager ist voll – zu voll. Er muss verkaufen und will neue Kunden akquirieren. Seine Topseller: Der Mamaslip – nicht schön, weil riesig – aber unglaublich oft verkauft. Und eine Decke mit Pfauenmuster. Zwei Geschäftsleute einer großen Warenhauskette kommen an den Stand. Thomas Tanklay läuft zur Höchstform auf – und schafft es. Er ist drin und kann liefern. Die Decke stieß nicht auf Gegenliebe, aber der Mamaslip hat überzeugt. Für Thomas der erhoffte Messe-Erfolg. Am nächsten Tag geht es dann wieder auf die Straße – auf Schnäppchenjagd.

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Sonderposten bis zum Abwinken! Schnäppchenmärkte boomen wie nie zuvor. Sie schaffen es, Konsumgüter, die anderswo deutlich mehr kosten, erstaunlich günstig anzubieten. Warum die Ware so preiswert ist und wie es um die Qualität der Produkte steht,...

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