Interview mit Peter Grosch

Peter Grosch

Galileo: Wenn wir Bio aus China hören, dann passt das für uns erstmal nicht zusammen. Können Sie das verstehen?
Peter Grosch: Ja klar. Wir haben hier aber auch eine fast anerzogene Unsicherheit gegenüber China, das ist schon eher irrational und beruht eher auf Unkenntnis. Andererseits hat man natürlich davon gehört, dass dort mit Umwelt nicht gerade vorsichtig umgegangen wird, dass es Belastungen und Zerstörungen gibt. Daneben hat es ja auch ganz konkrete Skandale bei Lebensmitteln gegeben in China. Die Frage, ob man trauen kann, liegt da also gar nicht so fern.

Galileo: Sie gelten als kompromissloser Prüfer. Haben Sie schon mal erlebt, dass man Sie hinter das Licht führen wollte? Was haben Sie da gemacht? 
Peter Grosch: Das gibt es immer wieder mal, aber keineswegs speziell in China. Fehler können passieren, auch wenn sie zur Folge haben können, dass man das BIO-Zertifikat zumindest zeitweise einfrieren muss. Fängt jemand vorsätzlich an zu tricksen oder zu betrügen, ist sofort die Disqualifikation die Folge. Da wird die Ware gesperrt und das Zertifikat entzogen. Wir haben auch schon kompletten Ausschluss von Bio-Vermarktung ausgesprochen. Da kann es keine Kompromisse geben.

Galileo: Sie haben Ihre Firma vor über 20 Jahren gegründet und sind heute weltweit im Einsatz. Was hat sich im Bio-Anbau in der Zeit am meisten verändert?
Peter Grosch: Nun, seit 1990 ist der Markt etwa 200% gewachsen, mehr Länder nehmen teil und heute ist das Hauptmotiv das Business. Verändert hat sich natürlich die Höhe der gesamten Wertschöpfung und damit auch die Anfälligkeit für groß angelegte Betrügereien wie etwa in Italien in jüngerer Zeit. Verändert haben sich die Kundenstrukturen – es gibt eine viel breiter gelagerte Nachfrage – und der professionelle Umgang mit der Ware. Bio ist heute überall präsent und fester Bestandteil des Lebensmittelmarktes, 50% werden im Lebensmitteleinzelhandel verkauft und die klassischen ‚Bioläden‘ sind zu exzellenten Fachmärkten geworden.

Galileo: Die EU erkennt ja auch Prüfungen von einheimischen Zertifizierern an. Sind denn Prüfungen von einheimischen Prüfern in Ländern ohne Bio-Anbau-Erfahrung und viel Armut genau so unabhängig und verlässlich?
Peter Grosch: Erfahrung kann man sich aneignen, aber der Business-Gedanke hat eben auch so manche Zertifizierer im Griff – und da wird es gefährlich. Es wird z.T. hemmungslos gedumpt und darunter leidet die Verlässlichkeit der Kontrolle. Das gilt keineswegs besonders für lokale Zertifizierer im Ausland, sondern z.T. leider auch für europäische Prüfer. Ich kenne beides: Lokale Prüfer mit großer Zuverlässigkeit und internationale Zertifizierer mit Praktiken, die ich für verantwortungslos halte. Wir haben hier nur eine konsequente Linie und die haben wir auch in der internationalen Zusammenarbeit immer weitergegeben. Alles andere ist Betrug an Ehrlichen Bauern und gutgläubigen Konsumenten.

Galileo: Woran erkenne ich, was Sie geprüft haben?
Peter Grosch: Jedes Produkt muss den sog. Kontrollstellencode tragen. Unserer ist z.B. DE-ÖKO-001.

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