Der Weg des Kauri

Der Weg des Kauri

Antike Holzmöbel sind in deutschen Wohnzimmern auch heute keine Seltenheit. Doch wer besitzt schon einen Tisch, dessen Holz 50.000 Jahre alt ist? Sumpf-Kauri stammt aus dem unberührten Neuseeland. Dort, am Ende der Welt liegt der seltene Schatz unscheinbar vergraben im Boden, ein Relikt aus der Urzeit. Die Urwaldriesen stehen nach exzessiver Rodung in der Siedlerzeit im 19. Jahrhundert unter Naturschutz. Doch findige Neuseeländer begeben sich nun auf die Schatzsuche und graben mit großen Maschinen tonnenschwere Stämme aus dem Boden. Doch wie kamen die Bäume unter die Erde? Einige sind über 50.000 Jahre alt und tragen sogar noch Blätter, die gewachsen sind in einer Welt, lange bevor es überhaupt Menschen auf diesem Planeten gab. Die Bergung ist zeitaufwendig und teuer – ein Risikogeschäft, denn keiner weiß vorher, was aus dem Boden kommt. Auch der Trockenprozess und die Bearbeitung des Holzes erfordern langjährige Erfahrung und Fingerspitzengefühl, denn was Jahrtausende unter der Erde lag ist zerbrechlich und spröde. Mit scharfen Maschinen müssen die überdimensionalen Holzstücke geschnitten werden. Gekonnt fertigen die neuseeländischen Experten schließlich exklusive Luxus-Möbel für anspruchsvolle Kunden in aller Welt. Galileo erzählt die abenteuerliche Geschichte vom vergrabenen Schatz, Mythen um die Urwaldriesen, harten Kerlen und Monstermaschinen, welche die Jahrtausende alten Giganten aus der Urzeit ans Tageslicht bringen.

Interview mit der Redakteurin:

1)    Wieso dieses Thema?
Neuseeland hält viele Naturschätze bereit, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt – fantastische Landschaften, eine beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt.  Holz klingt zunächst langweilig aber die Geschichte dieses Holzes ist so spannend wie seine Bergung – wissenschaftlich, extrem männlich, ein Naturwunder und ähnlich der Goldgräbersuche aus vergangenen Tagen.

2)    Wie war´s beim Dreh?
Dreckig! Wie der Name schon sagt, Sumpf-Kauri ist nichts für schwache Gemüter und Stöckelschuhe. Die Logistik war schon vorab eine große Herausforderung, denn niemand weiß, ob, wo und was man unter der Erde findet. Mit einer begrenzten Anzahl von Drehtagen natürlich ein Glücksspiel, am Ende auch tatsächlich einen großen Stamm zu bergen und den gesamten Prozess zeigen zu können. Der eigentliche Dreh war dann eine große Herausforderungen für Crew und Equipment. Nicht nur der immense Zeitdruck, sondern auch die schlammigen Bedingungen vor Ort. In Neuseeland ist derzeit Winter, Regenphasen machen das Sumpfland nur noch unzugänglicher und harscher. Neuseeländer sind auch in jeder Situation relaxed, Kiwis eben. Emotionen wie Freude, Enttäuschung oder Wut werden einfach nicht gezeigt – und von so harten Kerlen natürlich sowieso nicht. Maori Stämme sind eine kleine eingeschworene Einheit. Alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen war tatsächlich ein Problem. Der Deutschland-Dreh musste zum Schluss natürlich auch zum Neuseeland-Part passen. Zeitverschiebung, ein langer Postweg und unterschiedliche Arbeitsweisen machten Kommunikation und Abstimmung dementsprechend schwieriger.

3)    Was weiß ich jetzt besser?
Natürlich lernt man bei jedem Beitrag selbst noch viel mehr über Inhalte und Thematiken, filtert dann die Informationen entsprechend aus. Das ist außerordentlich spannend. Für mich ist immer wieder das enge Zusammentreffen mit Maori, den Ureinwohnern Neuseelands interessant. Gerade in so abgelegenen Gegenden wie dem Northland Neuseelands haben die Kiwi, die einzelnen Stämme und ihre Kultur einen festen Platz im Alltag. Das ist immer wieder lehrreich, beispielsweise Worte in Te Reo Maori, ihrer Sprache, ebenso wie über Rituale, Legenden und Zwischenmenschliches zu erfahren, ihre Musik zu hören. „Rangi und Papa“, sind beispielsweise „Vater Himmel und Mutter Erde“.

4)    Und zum Schluss:
An Anekdoten mangelt es bei diesen Drehbedingungen nicht. Neben diversen Erdbeben in Wellington bei der Vorbereitung zum Dreh ist eigentlich jeder einmal im Schlamm stecken geblieben und auf allen Vieren gelandet. Unser Kameramann fiel samt teurem Equipment beinahe in das sieben Meter tiefe Schlammloch, rettete gerade noch am Abgrund seine Canon, sah jedoch hinterher aus wie ein Schwarzer. Wenn man bedenkt, dass unser Protagonist noch nicht einmal Gummistiefel trug, man davon absieht, dass der Bulldozer beinahe in das Baggerloch gestürzt wäre und dann mit aller Seelenruhe der Kiwis weggefahren wird, der Jeep des Maori nicht ansprang, als dieser zu einer wichtigen Konferenz musste und unser Dreh wegen Regens wenige Stunden vor Anreise abgesagt wurde – ist eigentlich alles gut gelaufen! Wer selbst einmal nach Neuseeland reist, sollte sich die lebenden Urwaldriesen im Waipoua Forest National Park und die größten Exemplare an verarbeiteten Sumpf-Kauri bei Ancient Kauri Kingdom in Awanui unbedingt selbst einmal ansehen.

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