Fake Check - Slackline

Fake Check - Slackline

Ein unglaubliches Video geistert durchs Netz. Bereits nach einer Woche hat es weit über 4 Millionen Clicks. Zwei LKW fahren auf einer Autobahn parallel auf zwei Tunnelröhren zu. Zwischen ihnen ist ein Seil gespannt, auf dem eine Frau bei 80kmh von einem LKW zum anderen balanciert. In letzter Sekunde erreicht sie das rettende Fahrzeug - bevor das Seil mit voller Wucht an der Tunnelwand zerreißt. Echt oder Fake? In unserem Fake Check finden wir es heraus.
Wir zeigen das Video der Slackliner-Koryphäe Alexander Schulz. Er stellte bereits verschiedene Weltrekorde im Highlining auf und gilt als einer der besten männlichen Slackliner der Szene. Er soll für uns den Stunt wagen.
Die erste Herausforderung bei dieser Aktion: Der Wind. Alex musste auch schon in der Vergangenheit in luftiger Höhe gegen Wind ankämpfen. Aber dies ist etwas anderes. Im Video sehen wir eine Tachoanzeige, die 80 kmh anzeigt. Das entspricht der Windstärke 9. Sturm! Kann man sich bei dieser Windgeschwindigkeit auf einem Seil halten? Auf einem Flugplatz machen wir den Test - im Windstrahl einer Propellermaschine - und stellen fest: Bei 80 kmh wirds tatsächlich schwierig - nur mit äußerster Mühe kann sich Alex auf dem Seil halten.
Wir wollen jetzt den Stunt aus dem Video nachmachen. Die Landebahn eines Flugplatzes dient uns als Teststrecke. Technische Unterstützung erhalten wir von einem Stuntteam, das vor allem für die Sicherheit sorgen soll. Schließlich könnte es hier um Leben und Tod gehen. Das suggeriert zumindest das Video. Hinzu kommen zwei LKW inklusive Präzisionsfahrer. Die Stuntcrew baut auf jeden LKW ein Gerüst, das dem Seil eine sichere Höhe verleiht und für Stabilität auf dem LKW sorgt. Alex ist zwar am Seil mit einer so genannten Leech gesichert - aber wenn das Laufseil reißt, weil die LKW zu weit auseinander fahren, könnte er trotzdem während des Stunts auf den Asphalt fallen. Die Präzisionsfahrer können das nicht ausschließen. Wir wollen wissen: Wann reißt so eine Slackline? Ein Zerreißtest soll für Klarheit sorgen. An einem Ende des Seils montieren wir ein Kraftmessgerät. Dann fahren unsere Fahrer mit den LKW los – per Funk kommt das Kommando: langsam ausscheren. Der Druck auf das Seil nimmt zu. Unerwartet beginnt die Line gefährlich im Wind zu flattern. Schließlich knallt das Seil auseinander. Ergebnis: Das Seil ist bei einer Zuglast von 2,9-Tonnen gerissen. Zu riskant für unseren Stunt.
Die Stuntcrew bessert nach: Statt einer Slackline kommt jetzt ein so genanntes Dyneema Seil zum Einsatz - eine Hochleistungsfaser, die 6-7 Tonnen Zugkraft aushält. Das dürfte reichen.
Doch noch ein weiteres Problem ist zu lösen: Sollten die Fahrer zu dicht zusammen fahren, hängt das Seil durch, und Alex fällt wieder herunter. Hier soll ein zusätzliches Sicherungsseil helfen, was das Stuntteam oberhalb der Laufleine befestigt. Eine spezielle Gewichtskonstruktion soll dieses Seil immer auf Spannung halten.
Damit wäre der Versuchsaufbau komplett. Jetzt kann es losgehen. Die LKW beschleunigen auf 80 KmH. Alex legt los. Doch er kann sich nicht auf dem Seil halten. Der Winddruck und die Spannungsschwankungen im Laufseil sind zu groß. Fehlversuch. Ist das Video damit ein Fake?
Ein letztes Mal schauen wir uns das Video an. Und stellen fest: Für 80 KmH flattert die Kleidung der Seilgeherin in den Naheinstellungen verdächtig wenig. Folglich wurden die Aufnahmen wohl bei langsameren Tempo gemacht. So machen wir das auch.
Jetzt klappts. Fazit: Ja, das Video ist echt. Wenn auch bei der Geschwindigkeit etwas gemogelt wurde. Hier aber die dringende Empfehlung: Nicht nachmachen. 

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