Ölsand - Fluch oder Segen?

Ölsand

Kanada hat sich vom Vorzeige-Öko-Staat mit grüner Lunge zur umstrittenen Öl-Nation gewandelt. Seit einigen Jahren holzen sie ihre Wälder ab, damit Öl-Multis in riesigen Tagebau-Anlagen Bitumen aus Teersanden herauslösen.
Die Abfälle landen in giftigen Schlick-Seen und verpesten Luft und Grundwasser. Die anwohnenden Native People kämpfen seitdem mit deformierten Fischen, Asthma und 30% mehr Krebserkrankungen. Neue, angeblich "saubere" Methoden der Untertage-Förderung verlagern die Verschmutzung nur unter den Boden, wo sie niemand sieht. Die Folgen kann noch niemand absehen. Wir schauen den Ölmultis über die Schulter und begleiten Aktivisten und Betroffene.

Interview mit der Redakteurin:
Wieso dieses Thema?
Mit Kanada hatte ich bisher immer die grüne Lunge Nordamerikas verbunden: Endlose boreale Wälder, Kanadier waren für mich naturverbunden und hatten ein Öko-Image. Die Ölsandindustrie hat dieses Bild in weniger als 10 Jahren komplett ausradiert. Jetzt wollte ich mir selbst eine Meinung bilden.

Wie war´s beim Dreh?
Die größte Herausforderung war, überhaupt eine Drehgenehmigung bei den Ölsandfirmen zu bekommen, und dann vor Ort an die Menschen ran zu kommen. Mit den Angestellten der Ölsandindustrie tatsächlich in´s Gespräch zu kommen war fast unmöglich. Die ganze Ölsandindustrie scheint so Medien“erfahren“ zu sein – dass sie entweder gar nicht mit uns reden, oder einem Journalisten maßgeschneiderte „Infotouren“ vorspielen. Nachfragen waren zwecklos, da die Interviewpartner immer wieder die gleichen, einstudierten Sätze, runterspulten.
Eine weitere Schwierigkeit war die Komplexität des Themas. Die Kritik an den Abbaumethoden ist so vielseitig und betrifft so viele Aspekte – in dem Film mussten wir uns auf die Darstellung der Hauptargumente beschränken. Man hätte die Liste viel weiter fortsetzen können.

Was weiß ich jetzt besser?
Ich fand es toll, in Alberta so viele engagierte Menschen kennenzulernen, die trotz aller Repressalien weiter für ihre Rechte kämpfen. Ob Cecilia Harpe, die durch ihr Engagement für sauberes Trinkwasser in ihrer Gemeinde gesorgt hat, oder Allgemeinarzt John O´Connor, der sich durch das angedrohte Berufsverbot nicht hat einschüchtern lassen. Auch Mike Hudema, William Donnahue und John Stewart beweisen durch ihr öffentliches Auftreten vor allem Mut – da sie sich mit der Kritik auch öffentlich gegen die eigene Regierung wenden. An diesen Menschen kann sich jeder ein Beispiel nehmen.

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