Dinge, die die Welt verändern - Zahnräder

Dinge, die die Welt verändern - Zahnräder

Zahnräder sind Dinge, die die Welt bewegen. Jedes Autogetriebe hat welche, Fahrräder, Uhren, Küchenmaschinen oder Aufziehautos sind mit ihnen bestückt. Ohne Zahnräder stünde die Welt still. Galileo begleitet die Herstellung der größten Zahnräder der Welt. 16 Meter Durchmesser haben die Giganten, etwa ein halbes Jahr dauert ihre Herstellung. In einer Gießerei in Frankreich werden dafür hunderte Tonnen Stahl in spezielle Gussformen gegossen. Danach werden die Zahnradrohlinge nach Hattingen im Ruhrgebiet gebracht. Dort steht die weltgrößte Verzahnungsmaschine. Mehrere Wochen lang fräßt sie Zähne in den riesigen Metallring. Trotz der großen Dimensionen passiert das auf den tausendstel Millimeter genau. Eingesetzt werden die Megazahnräder im Bergbau oder der Zementindustrie, wo sie riesige Mühlen oder Drehrohröfen antreiben. Doch was ist das Geheimnis von Zahnrädern? Galileo erklärt, wie die Wunderteile aufgebaut sind, welchen Gesetzmäßigkeiten sie folgen und was es mit dem Prinzip der Über- und Untersetzung auf sich hat. Im Dynamikum in Pirmasens macht sich Galileo auf die Spur einer rätselhaften „Unendlichkeitsmaschine“ und baut in einem Experiment die wohl langsamste Maschine der Welt.

Interview mit dem Redakteur:
1. Wieso dieses Thema?
Zahnräder haben mich schon als Kind fasziniert – da kannte ich sie von Lego-Technik und den Märklin Baukästen. Schon damals konnte ich stundenlang zuschauen, wie die Räder ineinander griffen und plötzlich alles wie von Geisterhand in Bewegung geriet. Als ich mich im Rahmen dieses Films mit dem Thema auseinandergesetzt habe, habe ich erst wirklich verstanden wie wichtig diese Erfindung ist und dass Zahnräder wirklich fast überall zu finden sind. Besonders spannend war, dass wir die Entstehung der tatsächlich größten Zahnräder der Welt, mit einem Durchmesser von 16 Metern, begleiten konnten. Ich wusste davor gar nicht, dass es so große Zahnräder gibt. Am Ende sehen die Teile sehr selbstverständlich aus, wenn man aber den Herstellungsprozess begleitet, der ein halbes Jahr dauert, merkt man erst wie viel Know How und Technik dahinter steckt. Das ist wirklich faszinierend.

2. Wie war’s beim Dreh?
Am Anfang war es gar nicht einfach, einen Hersteller für Riesenzahnräder ausfindig zu machen. Da dies kein Massenprodukt ist, sind solche Firmen nicht besonders stark in der Öffentlichkeit vertreten. Die Maschine, mit der die 16-Meter Rekord-Zahnräder verzahnt werden, gibt es auch erst seit etwas über einem Jahr. Nachdem wir den Kontakt herstellen konnten, war die nächste große Herausforderung, den sehr langen Herstellungsprozess festzuhalten, ohne dafür ein halbes Jahr drehen zu können. Wir mussten also punktuell immer wieder bei der Firma vorbeischauen und hoffen, dass wir keine entscheidenden Schritte verpassen. Außerdem geht es zum Beispiel beim Guss ganz schön heiß her und wir mussten viele Sicherheitsregeln beachten. Da der Guss nur etwa 2 ½  Minuten dauert, hatten wir natürlich Sorge, dass wir nicht alles in den Kasten bekommen würden – deshalb haben wir mit mehreren Kameras gleichzeitig gedreht.  Und eine weitere Sache, die man im Film gar nicht mitbekommt, war herausfordernd: Der Hersteller der Megazahnräder hat große Probleme damit, dass das Know How geklaut wird und zum Beispiel in China dann billige Kopien der Zahnräder entstehen. Deswegen mussten wir bei jeder Aufnahme penibel darauf achten, keine Betriebsgeheimnisse zu verraten, indem wir zum Beispiel Seriennummern abfilmen oder entscheidende Details verraten. Für jemanden, der sich nicht besonders mit der Materie auskennt, ist es natürlich nicht offensichtlich, was man zeigen darf und was nicht. Deswegen mussten wir uns ständig mit den Verantwortlichen absprechen und die haben am Ende noch einmal den Film kontrolliert, damit wir nicht aus Versehen doch etwas im Bild zeigen, was zu viel verraten würde.

3. Was weiß ich jetzt besser?
Ich weiß nun überhaupt einmal, dass es solche riesige Zahnräder gibt und wofür diese eingesetzt werden. Besonders überrascht hat mich, dass die Griechen bereits vor über 2000 Jahren sehr präzise Zahnräder herstellen konnten, was man von dem rätselhaften Mechanismus von Kythera weiß. Für viele übrigens der erste Computer der Welt. Außerdem hat mich sehr fasziniert, wie man mit ein paar Zahnrädern eine Maschine bauen kann, die tatsächlich die Unendlichkeit festhält. Bei unserer selbstgebauten Maschine bräuchte das letzte Zahnrad tatsächlich über 108 Trilliarden Jahre, um sich einmal zu drehen. Das ist unvorstellbar lang. Unser Universum existiert gerade einmal 14 Milliarden Jahre. Zwar kann man das im Alltag nicht direkt anwenden, zum Nachdenken regt es aber auf jeden Fall an…

4. Und zum Schluss:
Wer von Zahnrädern fasziniert ist, kann im Internet viele spannende und skurrile Dinge zu dem Thema finden. Zum Beispiel Künstler, die irre Maschinen konstruieren, wie der Schweizer Erich Schatt, der in jahrelanger Arbeit eine wundersame Maschine aus Holz mit vielen Zahnrädern konstruiert hat. Oder der US-Künstler Arthur Ganson, der sehr witzige und fast schon philosophische Mechanismen entwirft. Es gibt auch Anleitungen um eigene Uhren zu bauen oder Vorlagen, mit denen man seine eigenen Zahnräder zum Beispiel aus Holz aussägen kann, um damit selbst etwas zu konstruieren.   

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