Der Weg des Fahrrads

Weg der Fahhrads

Jedes Jahr werden in Deutschland vier Millionen Fahrräder verkauft. Viele davon im unteren Preisbereich bis 300 Euro, die meisten aber darüber bis 600 Euro.

Galileo hat den Weg eines typischen deutschen Fahrrads begleitet. Wo kommen unsere Fahrräder her? Unter welchen Bedingungen werden sie hergestellt? Und was taugen günstige Räder aus dem Internet, die man selber zusammenbauen muss? 

Links zum Beitrag: 
Fahrrad Sicherheit
Fahrradproduktion bei Derby-Cycle

Interview mit dem Fahrrad-Sachverständigen Dirk Zedler:

Dirk Zedler_web

 
 

1. Herr Zedler, kann ich als Laie auf den ersten Blick erkennen, ob ein Fahrrad gut ist oder nicht? Wir haben es im Beitrag versucht und uns ist es nicht gelungen. 
Ein Fahrrad ist mehr als die Summe seiner Teile. Selbst ein Fahrrad das ausschließlich aus erlesenen Bauteilen aufgebaut ist, kann schlecht funktionieren oder unsicher sein. Erst die fachgerechte Zusammenstellung und eine professionelle Einstellung ergeben ein rundes Paket. Und da hilft weder der Name einzelner Bauteile noch die Liste der einzelnen Gewichte. Daher empfehle ich im Fahrrad-Fachhandel zu kaufen, denn dort wird beraten, das Fahrrad auf den Fahrer justiert und eine Probefahrt möglich gemacht.

2. Was sind die Hauptprobleme, wenn ich ein Fahrrad kaufe, das nicht gut ist? (Stichworte: ärgerlich, aber kann auch gefährlich sein, Haftung usw.)
Ein schlechtes oder billiges Fahrrad passt meist nicht richtig zu den Körperproportionen des Fahrers und das Fahrverhalten, sowie die Funktion, bereiten keine Fahrfreude. Billigprodukte lassen typischerweise schnell in der Funktion nach und sind oft schon nach wenigen Fahrten reif für den Sperrmüll. Fahrräder aus dem Fachhandel halten länger und bei regelmäßiger Wartung gar jahrelang. Richtig gefährlich wird es nach meiner Erfahrung, wenn man als Laie versucht ein billiges und nur zum Teil montiert ausgeliefertes „Baumarktrad“ selbst fahrfertig zu machen. Wir hatten schon Gutachten zu solchen Fahrrädern bei denen falsch eingestellte Bremsen, eine unkorrekt justierte Schaltung oder gar ein nicht richtig befestigtes Pedal bzw. Vorderräder zu Stürzen mit schwerer Verletzungsfolge führten. Hersteller solcher Produkte können sich dann mitunter aus der Haftung schleichen, je nachdem wie die Bedienungsanleitung gestaltet ist.

3. Wie finde ich ein gutes Fahrrad?
Der Weg in den guten Fachhandel ist der Richtige. Wo man den findet, wissen z.B. der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V., kurz ADFC oder örtliche Radsportclubs. Fachzeitschriften, die es mittlerweile für jeden Fahrradtyp, z.B. vom Delius Klasing Verlag gibt, bieten eine gute Orientierung und eine Menge Informationen.
Nehmen Sie sich beim Kauf Zeit und vermeiden Sie Stoßzeiten beim Radhändler. Die beste Zeit für den Kauf kommt ja erst gerade. Im Sommer und Herbst sind die Händler noch gut sortiert, das Gedränge ist vorbei und die Preise purzeln auch allmählich.

4. Was sind - aus Ihrer Erfahrung - die häufigsten Fehler, die beim Fahrradkauf gemacht werden?
Übertriebener Sparwille, der zu einem zwar sehr billigen Fahrrad führt, das jedoch weder passt, noch lange hält und Spontankäufe am Samstagmorgen in der ersten Frühjahrssonne, ohne sich vorher genau überlegt zu haben was man eigentlich will.
Nur wer mit genauen Vorstellungen und ehrlicher Selbsteinschätzung zum Verwendungszweck beim Fahrrad-Fachhändler vorspricht, wird mit einem tollen Fahrrad belohnt. Und denken Sie daran, dass ein gutes Fahrrad oder Pedelec erfahrungsgemäß zu mehr Nutzung, d.h. zu höherer Kilometerleistung führt, die dürfen Sie gleich mit einplanen.

5. Sie haben ein High-Tech-Labor für Fahrräder. Braucht man so etwas wirklich und wofür?
Fahrräder sind Leichtbau. Ein 15 bis 20 Kilogramm leichtes Fahrrad kann Fahrergewichte bis zu 100 oder manchmal gar bis 120 Kilogramm tragen. Vergleicht man das mit einem PKW, der bei einem Eigengewicht von 1.300 Kilogramm typischerweise 500 Kilo mitnehmen darf, zeigt dies welche Herkulesaufgabe ein Fahrrad bewältigen muss.
Seriöse Hersteller lassen daher Ihre Produkte auf „Herz und Nieren“ in unserem Labor prüfen. Innerhalb kurzer Zeit können wir ein ganzes Fahrradleben simulieren. Prüfung des aktiven Fahrverhaltens und Crashtests, wie man sie von Autos kennt inklusive.

6. Wir fahren seit Jahrzehnten gefühlt auf den gleichen Fahrrädern, heute haben sie vielleicht ein paar Gänge mehr, aber sonst sehen sie doch noch aus wie vor 20 Jahren, oder? Stimmt das? Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Fahrradfahren mit dem Aufkommen der E-Bikes verändern?
Dem möchte ich energisch widersprechen. Das Fahrrad hat sich die letzen Jahre dramatisch zum Besseren verändert. Zum Einen ist die Technik auf einem ganz anderen Niveau und zum anderen gibt es vielfältige Fahrradtypen, die jedem Einsatzzweck gerecht werden. Das war vor 20 Jahren nicht so.
Denken Sie nur an die Beleuchtung. Früher waren es trübe Funzeln, die bei Nässe sogar ganz ausfielen. Heute machen Nabendynamos mit LED Beleuchtung den nächtlichen Radweg fast taghell und automatisches Standlicht sowie Tagfahrlicht bringen ein enormes Plus an Sicherheit. Dennoch laufen neue Fahrräder leichter und leiser.

7. Was für ein Fahrrad fahren Sie? 
Oh, ich fahre tagtäglich Fahrrad und habe daher für jeden Einsatzzweck mindestens ein Modell. Neben meinen Rennrädern und Mountainbikes für die Freizeit habe ich ein Faltrad für die Bahnreise, ein Stadtrad für den täglichen Weg zur Arbeit und ein Pedelec für die Anfahrt zu Terminen bei denen ich nicht angeschwitzt ankommen will. Insgesamt habe ich sieben regelmäßig genutzte Fahrräder.

Beitrag verpasst?

Weg des Fahrrads aus China

Ein in Deutschland gefertigtes Fahrrad kostet knappe 600 Euro, eines aus China rund 200 Euro. Woher kommt dieser Preisunterschied und was sagt der Preis über die Qualität aus? Um genau das herauszufinden, sind wir um die ganze Welt gereist.

Zum Video

Kommentare

Ganze Folgen