Elefantenrüsselmuschel

Sie ist die wohl obszönste Muschel der Welt: Die Elefantenrüsselmuschel. Sie lebt ausschließlich im pazifischen Ozean, in der Gegend von Puget Sound. Puget Sound ist eine zerklüftete Bucht mit unzähligen Inseln in der Nähe von Seattle im Bundesstaat Washington.

Die Muschel lebt etwa einen Meter tief im Sand und ist entsprechend schwer zu finden. Sie hat eine verhältnismäßig kleine Schale und dafür einen Rüssel, den sie bis zu zwei Meter ausfahren kann. Der Rüssel ragt manchmal ein paar Zentimeter aus dem Boden und die Muschel spritzt Wasser raus.

Ursprünglich haben die Indianer Nordamerikas die Muschel gegessen. Daher hat sie auch ihren Namen: Geoduck (das spricht man „guuuidack“ aus). Das bedeutet soviel wie „sich tief bücken „ oder „tief graben.“

In den 70er Jahren kam – so die Legende – ein japanischer Geschäftsmann in die Gegend, um Seeigel für den Import nach Asien zu suchen. Bei dieser Gelegenheit entdeckte er die seltsam aussehende Muschel. Vermutlich wegen ihres phallischen Äußeren kam die Muschel bei seinen Landsleuten unglaublich gut an. Ein neuer Geschäftszweig war gefunden.

Inzwischen ist das Geschäft mit der  Geoduck zu einer 100-Millionen-Dollar-Industrie angewachsen.

Auf der einen Seite stehen die Geoduck-Farmen, die nahezu jedes Grundstück in Puget Sound anmieten oder kaufen, um die Muscheln dort zu züchten. Nicht ganz ohne Widerstand der Anwohner, die sich über die Millionen von Plastikrohren aufregen, die überall aus dem Sand ragen.

Auf der anderen Seite stehen die Ureinwohner Amerikas. Sie sind ebenfalls am Ertrag der Muschelfarmen beteiligt. Darüberhinaus haben sie aber auch das Recht, nach den wildwachsenden Geoducks zu tauchen. Überall auf dem Meer in Puget Sound sieht man die Fischerboote der Indianer. Obwohl das Tauchen eine gefährliche Angelegenheit ist, bietet es Indianern Verdienstmöglichkeiten, die sie ansonsten niemals hätten. Don, der Taucher in unserem Film, hat seinen Job als Geschichtslehrer für das Tauchen aufgegeben, weil er rund dreimal so gut verdient. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Immer wieder enden Tauchgänge tödlich, weil die Taucher sich unter Wasser in den 100-Meter langen Schläuchen verheddern oder schlichtweg zu lange unter Wasser bleiben. Die Bedingungen unter Wasser sind extrem ungünstig: Die Strömung ist sehr stark, die Sicht geht oft gegen null, das Wasser ist sehr kalt und es ist anstrengend, in 50 Metern Tiefe mit einem Feuerwehrschlauch Muscheln aus dem Meeresboden zu holen. Andererseits locken das Abenteuer und natürlich das große Geld.

Kurt, der Bootsbesitzer, ist in China ein heißumworbener Mann. Auf seinen Geschäftsreisen wird er immer wieder von Chinesen belagert, die einen Geoduck-Lieferanten suchen. Das Geschäft läuft ausschließlich per Handschlag ab. Chinesen überweisen Kurt Geld und er liefert.

Die Elefantenrüsselmuscheln sind so heißt begehrt, dass es sogar eine riesige Schmugglerszene gibt. Sie rücken nachts mit Booten aus und tauchen in der Dunkelheit, um ihren Fang illegal zu verkaufen.

LINKS ZUM BEITRAG:
Taylor Shellfish Farm  
Xinhs Restaurant 
Jamestown S'Klallam Tirbe 
Duckumentary 

INTERVIEW MIT DEM REDAKTEUR
1. Wieso dieses Thema?
In einer Zeitschrift habe ich zufällig ein Bild dieser Muscheln entdeckt – und bin sofort hängengeblieben. Dann habe ich nach dem Namen geggoogelt und im Netz sehr viele lustige Videos gefunden, in denen Menschen nach der Muschel graben. Tja, und nachdem meine Kollegen das auch so lustig fanden, habe ich weiterrecherchiert…und herausgefunden, dass eine ganze Menge hinter der Geschichte mit der Elefantenrüsselmuschel steckt.

2. Wie war’s beim Dreh?
Sehr amerikanisch: Ich habe mit einem Team aus Seattle gedreht. Kameramann Tj und sein Assistent Steve waren schon gemeinsam im Vietnam-Krieg und hatten sehr viele spannende Geschichten zu erzählen. Der Nordwesten der USA ist noch ziemlich wild und alles ist verdammt weit auseinander. So haben wir als Team viel Zeit zusammen im Auto verbracht. Die Landschaft in Puget Sound ist sehr einzigartig. Auf unserer Muschelsuche haben wir Orte gesehen, die wir sonst vermutlich nie in unserem Leben angesteuert hätten.

Großartig waren auch alle Menschen, die uns geholfen haben, diese Geschichte zu realisieren. Das ist etwas, was Amerika – bei aller Kritik, die wir Deutschen immer ausüben - eben auch ausmacht: Freundliche, hilfsbereite und interessierte Menschen.   

3.  Was weiß ich jetzt besser?
Ich bin  zu einer wahren Expertin für Elefantenrüsselmuscheln geworden. Wofür das gut ist? In jedem Fall hat es mein Leben bereichert und vielleicht werde ich eines Tages an einem Fernsehquiz teilnehmen und die allesentscheidende Millionenfrage dreht sich um genau diese Muschel..Wer weiß das schon?

4. Und zum Schluss…
…möchte ich einen amerikanischen Kollegen zitieren, der einen Dokumentarfilm über die Muschel gemacht hat:

„Sometimes the most amazing things are right beneath our feet!“ 

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Elefantenschüsselmuschel

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