Interview mit Kameraoperator und Copterpilot Holger Hirsch

Stefan und Holger - Costa Concordia Unglück Spezial

Was hat Dich an diesem Projekt besonders gereizt?
Das Wrack der Costa Concordia ist ein außergewöhnlicher Einzelfall. Ein riesiges Schiff, das nicht einmal 100 Meter vom Ufer entfernt auf Grund liegt und zur Hälfte herausragt, gibt es nicht so häufig zu sehen. Eine ideale Entfernung für Luftbildaufnahmen mit ferngesteuerten Multicoptern. Beim Flug sieht man in Echtzeit die Kamerabilder, man kann sehr nahe heranfliegen, aber auch hoch darüber hinweg. Diese Einstellungen gab es von dem aufgerichteten Schiff bisher nicht. Auf der anderen Seite stand der Respekt vor der Tragödie, auch wenn es inhaltlich um eine Dokumentation geht.

Hattest Du jemals schon solche Probleme mit Drehgenehmigungen wie bei der Costa Concordia?
Wir filmen hauptberuflich ca. 150 Projekte pro Jahr. Sicherheit und legales Drehen stehen an oberster Stelle- Vom größten Atomkraftwerk Deutschlands bis hin zur Autobahnbaustelle – teilweise gibt es da kritische Einstellungen, die offizielle Genehmigungen erfordern und zusätzlich vor Ort fallweise bewertet werden.
Das Restrisiko muss kalkulierbar sein. Der Genehmigungsaufwand ist oft äußerst hoch. So war es auch bei der Costa Concordia. Nach einem halben Jahr lagen dann vermeintlich alle Dokumente vor. Nur, dass die Bürokratie in Italien ein eigenes Thema ist. Bisher konnten wir alle Projekte durchführen, eine kurzfristige Absage wie auf Giglio gab es zum Glück noch nicht.

Mal unabhängig von der Costa Concordia: Was war Dein spannendstes Projekt bisher?
Da gibt`s einige. Sehr viel Spaß macht es mit Weltklasse-Sportlern zu arbeiten. Sie leisten außergewöhnlich Durchgeknalltes und liefern auf den Punkt genau ab.
Spannend wird es bei Speed-Disziplinen und Shots, die nur ein einziges Mal möglich sind. Timing und Absprache sind dann extrem wichtig.
Wir hatten etwa einen Dreh in Ungarn auf einem Flugplatz mit dem RedBull-Airrace- Flieger Hannes Arch und einem Driftcar-Spezialisten. Bei einer Szene mussten wir mit dem Copter direkt über die beiden fliegen, als sie mit 200 km/h durch eine 90 Grad Kurve geschossen sind. Es war spannend!

Was willst Du unbedingt noch drehen? Gibt es einen ganz dringenden Wunsch?
Da gibt`s noch so vieles! Wellenreiten auf Fidschi hört sich gut an. Der Copter bietet außergewöhnliche Perspektiven, die man mit keinem anderen Gerät einfangen kann. Im Moment haben wir wieder Spaß daran, das Filmen mit Modellflugzeugen weiterzuentwickeln. Und wir planen gerade an einem sozialen Non-Profit Projekt in Afrika. Das wäre klasse, wenn das zustande kommt.

Wie wird man überhaupt Drohnenpilot und Kameraoperator?
Bei mir hat sich das aus Leidenschaft und meinem Beruf ergeben. Ich bin seit über zehn Jahren Modellflieger und wohne nur 500 Meter vom Modellflugplatz entfernt. In meinem Job war ich im Marketing für Sport-/Modeunternehmen tätig und auf vielen Film-/Fotoproduktionen unterwegs. Als ich mit dem Filmen in der Luft begann, war das ein wildes Experimentieren. Aber auch heute ist der Aufwand immens, bis die Technik zu 100% professionell so funktioniert wie man es gerne möchte. Wir sind mittlerweile ein Team von fünf Leuten, mit Technik-, Kamera- und Flugbackground. Da klappt das schon ganz gut.

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