Sie sind in fast allen öffentlichen Gebäuden: Flughäfen, Bürotürmen, Industrieanlagen und Lagerhallen. Sprinkleranlagen gehören zum Brandschutz. Im Ernstfall sollen sie Feuer und Flammen unter Kontrolle halten. Zum einen, um Menschen mehr Zeit zur Flucht zu geben. Zum anderen, um das Gebäude selbst und Gegenstände vor der Zerstörungswut der Flammen zu schützen. Aber wann löst die Sprinkleranlage aus? Reicht der Qualm einer Zigarette? Oder vielleicht die Weihnachtskerze auf dem Schreibtisch? Galileo geht diesen Fragen nach und liefert eindrucksvolle Bilder.
Wer hat eigentlich die Sprinkleranlage erfunden?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Manche gehen davon aus, dass der Amerikaner Henry S. Parmalee 1874 den Sprinklerkopf erfand. Er besaß eine Pianofabrik und wollte seine wertvollen Instrumente vor Flammen schützen. Die Öffnungen der Sprinklerköpfe waren damals mit Lötzinn und einem Metallplättchen verschlossen. Wurden die Temperaturen im Raum zu heiß, schmolz das Zinn und das Wasser spritzte aus den Rohren.
Andere gehen davon aus, dass ein Herr Grinnell aus Manchester die Sprinkleranlage erfand. Der Ingenieur soll mit so genannten „Sprühbrausen“ die damals in Manchester weit verbreiteten Textilmanufakturen geschützt haben.
Zerstört das Wasser nicht die gesamte Büroeinrichtung?
Natürlich entsteht durch das Auslösen der Anlage ein (Wasser)Schaden. Was man dabei schnell vergisst ist die Tatsache, dass der Schaden durch das Feuer natürlich sehr viel größer wäre. Bekämpft die Sprinkleranlage nicht die Flammen, brennt im schlimmsten Fall das ganze Gebäude aus. Da sind ein paar nasse Dokumente oder Büromöbel sicherlich das kleinere Übel.
Wie verhindert man einen Fehlalarm an heißen Tagen?
Wenn die Sonne den ganzen Tag ins Büro knallt, steigen die Temperaturen ohne Klimaanlage gerne mal über 30 Grad Celsius. Die Sprinklerköpfe sind mit einer Glasampulle verschlossen die auf Hitze reagiert. Um Fehlalarme zu verhindern nimmt man für die Festlegung der Auslösetemperatur des Sprinklers die höchste anzunehmende Temperatur im Raum und verdoppelt sie. In einem ‚normalen’ Büro brechen die Sprinklerampullen deshalb bei einer Kerntemperatur von 78 Grad Celsius. Um die zu erreichen muss aber erstmal der gesamte Sprinkler erwärmt werden. Damit das innerhalb von Minuten, und nicht über Stunden, geschieht, braucht es unter der Decke Temperaturen von knapp 300 Grad Celsius. Ein brennender Papierkorb kriegt das nicht hin.
Was für Sprinkleranlagen gibt es?
Moderne Sprinkleranlagen funktionieren nicht mehr nur mit Wasser. Überall dort wo Wasser großen Schaden anrichten könnte, etwa in Serverräumen, Museen oder Tresoren, wird mit Gas gelöscht. Weil der klassische Sprinklerkopf bei diesen Anlagen fehlt, werde sie auch als Löschanlagen bezeichnet. Sie alle funktionieren durch die Verdrängung von Sauerstoff. Den benötigt das Feuer zum brennen. Normalerweise liegt der Anteil von Sauerstoff in der Luft bei 21 Prozent. Im Brandfall wird Kohlenstoffdioxid (CO2) in den Raum geleitet und der Sauerstoffanteil auf 15 Prozent, oder tiefer, gesenkt. Die Flammen ersticken. Für den Menschen besteht keine Gefahr. Es bleibt genug Sauerstoff zum atmen.
Fragen an den Redakteur:
Wieso dieses Thema?
Bei der Themensuche für unsere Rubrik „Was passiert, wenn…“ haben wir in der Redaktion zusammen gesessen und gegrübelt. Irgendwann hat eine Kollegin ihren Blick zur Decke schweifen lassen und ist beim Anblick der Sprinkleranlage spontan auf die Idee zum Beitrag gekommen. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage auf den Fluren wurde sehr schnell klar, dass nur die wenigsten wissen, wie so eine Sprinkleranlage funktioniert und wann sie auslöst. Grund genug einen Bericht darüber zu machen.
Wie war’s beim Dreh?
Heiß und nass. Klingt irgendwie schlüpfrig, war aber wirklich so. Unser Reporter wusste nicht, ob die Sprinkleranlage durch Rauch oder Hitze ausgelöst wird. Wir haben es ihm vorher nicht gesagt. Um nichts zu verraten mussten wir also die ganze Zeit mit Regenjacken rumlaufen und konnten sie nicht erst bei dem Experiment mit der Kerze anziehen. An dem Drehtag war, natürlich, tierisch heiß. Dazu dann noch die Schweinwerfer und so drehten wir ‚im eigenen Saft’.
Das tolle bei diesen Experimenten ist die Spannung. Obwohl ich wusste, dass der Sprinkler durch die Kerze ausgelöst wird, war nicht klar, wie lange genau es dauert. Dementsprechend hat sich die ganze Zeit der Magen verkrampft. Wir wurden vorher gewarnt, dass es nach dem Auslösen ziemlich laut knallt, weil die Leitungen unter Druck stehen. Ich saß in knapp vier Metern Höhe auf einer Leiter und hatte die zweite Kamera in der Hand. Was auf den Aufnahmen nicht rüberkommt ist der unglaubliche Knall. Die Mikrofone pegeln ihn automatisch runter. Auf jeden Fall bin ich vor Schreck fast von der Leiter gefallen. Im Bericht kann man beim Schreibtischbrand sehen, wie das Bild wackelt. Unser Kameramann ist also genauso schreckhaft wie ich.
Was weiß ich jetzt besser?
Wer sich den Beitrag anschaut, kann bei der nächsten Betriebsfeier mit seinem Wissen glänzen. Denn nur die wenigsten haben eine Ahnung davon, wann Sprinkleranlagen losgehen und wo der Unterschied zu Rauchmeldern liegt.
Und zum Schluss?
Vor ein paar Monaten habe ich in der Tiefgarage einer Bank geparkt. Ich konnte beobachten wie ein anderer Autofahrer vergaß seine Heckklappe zu schließen. Beim Losfahren riss er damit einen Sprinkler ab. Das Wasser schoss aus der Leitung und er war ziemlich durch den Wind. Aufmunternd sagte ich ihm, dass es ja nur ein bisschen Wasser sei und sowieso die Versicherung zahle. Kaum war ich im Treppenhaus gab es eine automatische Durchsage. Die gesamte Bankfiliale wurde wegen eines Sicherheitsalarms geräumt. Es war wohlgemerkt die Hauptfiliale eines großen Bankhauses. Als ich mit geschätzten tausend anderen Kunden das Gebäude verließ trafen auf dem Hauptplatz zwei Löschzüge, Krankenwagen und Polizeifahrzeuge ein. Der abgerissene Sprinklerkopf hatte vollautomatisch eine Kette von Sicherheitsmaßnahmen ausgelöst. Zum Schluss weiß ich also, dass so ein Sprinklersystem noch viel komplexer sein kann als gedacht. Und irgendwie war ich dann auch etwas durch den Wind.