Interview mit Eva-Maria
"Ich dachte, ich habe ohnehin keine Chance"
Eva-Maria, Du hast drei Ausbildungen abgeschlossen und Dir und anderen damit bewiesen, dass Du Deine Ziele erreichst. Warum bist Du dennoch nicht glücklich?
Es stimmt, ich hatte die Motivation, diese Ausbildungen abzuschließen. Letztlich wusste ich aber gar nicht, was ich damit eigentlich anfangen soll… Nicht zuletzt, weil ich immer gedacht habe, dass die anderen sowieso besser sind als ich, und ich ohnehin keine Chance auf einen Job habe.
Was waren das denn für Ausbildungen?
Ein BWL-Studium, das ich abgeschlossen habe, dann eine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin, die ich nach meiner Therapie in der Klinik gemacht habe. Und im Oktober werde ich eine Ausbildung zur Gestalttherapeutin abschließen.
© ProSieben/Benedikt Müller
"Nach meiner Therapie in der Klinik"? Warum warst Du dort?
Ich wurde 2003 wegen Magersucht behandelt.
Glücklich sein hat auch mit Selbstakzeptanz zu tun. War das eines Deiner Probleme?
Selbstzweifel sind mein großes Problem. Diese Zweifel waren an einigen Tagen so groß, dass ich vieles einfach nicht in Angriff nehmen konnte: Ich habe immer geglaubt, dass ich es ohnehin nicht schaffen würde...
Wie schwer ist es Dir gefallen, im Fernsehen über Deine Probleme zu sprechen?
Natürlich wollte ich persönlich Fortschritte machen. Aber mir ging es auch darum, anderen – z.B. Menschen, die etwa Probleme mit dem Essen haben – zu zeigen, dass es zwar ein langer Weg ist, aber dass sich dieser Weg auch lohnt.
Was stellst Du Dir heute unter Glück vor?
Mein Wunsch ist, in Zukunft Menschen mit Essstörungen zu helfen. Ich würde sehr gerne die Beratung in einer Klinik übernehmen, bei der ich anderen Menschen mit dem, was ich selbst gelernt habe, helfen kann. Das wäre Glück.
Wie haben Dir die beiden Coaches geholfen?
Wir haben individuelle, aber auch Gruppenübungen gemacht, etwa Achtsamkeitsübungen. Oder wir haben Vergebungsbriefe geschrieben, die einem helfen sollen, etwas aus der Vergangenheit loszulassen, das bisher hinderlich für die eigene Entwicklung war.
Hat Dich der "Glücksreport" Deinem Ziel ein Stück näher gebracht?
Auf jeden Fall! Es hat sich wirklich sehr viel getan – das hätte ich so niemals vermutet. Natürlich ist noch nicht alles wunderbar, aber ich habe doch schon sehr große Schritte gemacht. Und ich würde es jederzeit wieder machen!
Interview: Andreas Kötter
© ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH

