Interview mit Florian
"Warum war ich nicht glücklich? müsste die Frage lauten…"
Florian, warum bist Du nicht glücklich?
"Warum war ich nicht glücklich?" müsste die Frage lauten. Mein Unglück war eine Verkettung von Umständen, die damit begann, dass ich letztes Jahr als Radio-Redakteur gekündigt wurde. Und die kleine PR-Firma, die ich in Sachen Motorsport mit zwei ehemaligen Freunden hatte, ging kurz darauf ebenfalls den Bach runter. Dann ist auch noch meine Beziehung in die Brüche gegangen – alles in einem Zeitraum von etwa anderthalb Monaten. Anfang dieses Jahres war ich dann wirklich verzweifelt. Das alles ging doch sehr ans Eingemachte.
© ProSieben/Benedikt Müller
Warst Du denn zuvor glücklich – mit Job, Unternehmen und Beziehung?
ch würde sagen "Ja!". Zumindest habe ich es damals so empfunden. Heute allerdings sehe ich das etwas differenzierter, weil es schon ein wahnsinniger Stress war. Wenn ich nicht bei meinem eigentlichen Arbeitgeber war, dann war ich im Sommer jedes Wochenende in Sachen PR bei einem Rennen irgendwo in Europa oder auf irgendwelchen Messen unterwegs. Darunter haben sowohl meine Beziehung als auch meine Gesundheit gelitten. Trotzdem war das eine tolle Zeit, aber ich weiß heute auch sehr zu schätzen, dass ich jetzt mehr Zeit für mich habe.
Was also hat das Glück zurückgebracht?
Das frage ich mich selbst immer noch… Mein Leben hat sich komplett verändert! Ich habe eine viel positivere Einstellung zum Leben, mache wieder viel Sport und habe 25 Kilo abgenommen. Beim "Glücksreport" habe ich gelernt, einen anderen Blick aufs Leben zu werfen.
Wenn einem das gelingt, dann kann man sich selbst manipulieren und sich seine Glücksmomente selbst schaffen.
Klingt interessant – und wie funktioniert das?
Eine Aufgabe war zum Beispiel, dass wir am Ende eines Tages drei Dinge festhalten mussten, die uns an diesem Tag glücklich gemacht haben. Man wurde also gezwungen, einen exakteren Blick auf das eigene Leben zu werfen. Und siehe da: Man findet diese Momente dann auch!
Welcher Moment ist das bei Dir heute?
Heute z. B. freue ich mich wahnsinnig darüber, dass die Sonne scheint, und ich deshalb endlich wieder offen Cabrio fahren kann! Es sind oft Kleinigkeiten, aber es hilft einem wirklich, diese auch wertzuschätzen.
Hast Du auch beruflich neue Hoffnung geschöpft?
Ja. Am 4. Oktober beginne ich ein Praktikum beim Fernsehen. Das heißt zwar noch lange nicht, dass ich dort auch eine Festanstellung bekomme, aber ich erweitere so mein Portfolio um den Bereich TV. Denn ich bin sicher, dass Journalismus nach wie vor mein Ding ist, und ich dort einfach hingehöre.
Glaubst Du, dass Du dieses positive Grundgefühl konservieren kannst?
Ich denke, ja. Ich glaube, dass ich viel gelassener geworden bin. In dieser Hinsicht habe ich mir viel von Oliver (Teilnehmer beim "Glücksreport"; d. Red.) abgeschaut, der eine unglaubliche Gelassenheit ausstrahlt. Meine frühere Verbissenheit habe ich heute nicht mehr.
Interview: Andreas Kötter
© ProSiebenSat.1 TV Deuschland GmbH

