Interview
"Jim Carrey? - Das ist ein schönes Kompliment!"
Max Giermann im Interview
Ob man über Stefan Raab lachen kann, ist die eine Sache. Dass Comedian und Parodist Max Giermann zum Brüllen komisch ist, wenn er den Raab gibt, das ist die andere und wird jetzt mit einer eigenen Show belohnt. In "Granaten wie wir" ist Giermann zwölf Folgen lang jedes Mal in der Rolle eines anderen bekannten Gastgebers zu sehen. Vor Live-Publikum empfängt er seine prominenten Gäste mal als Reinhold Beckmann, mal als Uli Hoeneß oder Tim Mälzer. Und natürlich auch als Stefan Raab.
Eine Personality-Show mit anderen Mitteln also. Im Exklusiv-Interview für ProSieben.de spricht der ausgebildete Theaterschauspieler und Clown mit Andreas Kötter über die Kunst der Parodie, Reaktionen der Parodierten und über große Vorbilder.
Frage: Herr Giermann, mit "Granaten wie wir" bekommen Sie Ihre erste eigene Show, eine Art Ritterschlag?
Max Giermann: Das ist ohne Frage eine Ehre, und wenn man dann das erste Mal die große Showtreppe herunterkommt, fühlt sich das tatsächlich sehr feierlich an, wie eine Art Ritterschlag.
Bei "Switch Reloaded" müssen Sie meist in der Greenbox arbeiten, umso mehr dürfte der Auftritt vor Publikum für den ausgebildeten Theaterschauspieler Max Giermann ein zusätzlicher Anreiz sein?
Das stimmt. Wenn man wochenlang in diesem grünen Loch steht, kann das irgendwann schon aufs Gemüt schlagen. Vor Publikum arbeiten zu können, ist toll.
Gibt es noch Lampenfieber, obwohl Sie diese Situation vom Theater kennen?
Ja, das muss aber auch so sein. Wäre es anders, dann würde ich etwas vermissen. Lampenfieber gehört für mich einfach dazu.
In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie großen Respekt vor der Leistung von Moderatoren hätten, das für Sie aber kein Job wäre; indirekt sind Sie jetzt aber doch noch einer geworden, wenn auch in Gestalt von Stefan Raab, Reinhold Beckmann etc.?
Genau das ist der Punkt, auf den es mir ankommt. Ich spiele ja letztlich doch wieder eine Rolle und trete nicht als Max Giermann vor die Leute, sondern eben als Stefan Raab etc. Dann ist es auch okay, dass ich moderiere und Gäste empfange.
Gäste, von deren komödiantischen Können das Gelingen der Show natürlich auch ein wenig abhängt ...
Deshalb werden sie auch dementsprechend ausgewählt. Und der Reiz liegt nicht zuletzt gerade in der Kombination dieser Gäste und in dem Aufeinandertreffen mit meiner Parodie.
Verraten Sie uns ein paar Namen?
Oliver Pocher wird kommen, Detlef D! Soost, Dieter Nuhr, Helge Schneider und z. B. auch Tim Mälzer.
Trifft dann womöglich der echte Tim Mälzer auf den Giermann-Mälzer?
Man weiß es nicht, man weiß es nicht ...(lacht). Da möchte ich heute noch nicht zu viel verraten.
Mälzer, Raab, Beckmann, Hoeneß: Wie nähert man sich überhaupt der Person, die man parodieren will?
Ich sehe und höre mir viel Material an und arbeite zunächst nur an der Stimme. Ich nehme bestimmte Passagen mit dem Diktiergerät auf, höre sie mir dann immer wieder an und versuche die Stimme so exakt wie eben möglich zu kopieren.
"So exakt wie eben möglich": Gibt es eine professionelle Erklärung dafür, dass der Parodierte in natura bisweilen gar nicht so witzig wirkt, während Ihre exakte Parodie brüllend komisch ist?
Eigentlich eine ziemlich gute Frage ... Die Lust am Nachahmen ist wohl der Ursprung des Theaterspielens und damit auch der Comedy. Wenn wir etwas uns Bekanntes in einem neuen Kontext wiederentdecken, empfinden wir das als komisch.
Es gibt z. B. Leute, die finden Stefan Raab überhaupt nicht komisch, Ihre Parodie aber umwerfend ...
Stefan hat seinen ganz eigenen Humor und der schließt schlechte bzw. flache Witze mit ein. Viele mögen das, manche können darüber nicht lachen. In der Parodie kann ich so viele schlechte Witze machen wie ich will, das ist sehr dankbar: Entweder die Leute lachen über den Gag oder darüber, dass ich seinen Hang zu Kalauern veräpple.
Gibt es jemanden, der Ihnen besonders schwer gefallen ist?
Ich erinnere mich, dass mir Walter Freiwald vom RTL-Shop sehr schwer gefallen ist. Und zwar, weil Freiwald grundsätzlich sehr weit von mir weg ist und uns beide rein gar nichts verbindet. Trotzdem ist mir diese Parodie, wie ich glaube, ganz gut gelungen. Wenn einem etwas schwer fällt, dann heißt das also nicht zwingend, dass es dann nicht trotzdem ein gutes Resultat geben kann.
Wie reagieren Ihre "Opfer"?
Grundsätzlich eigentlich positiv. Es ist zumindest noch nie vorgekommen, dass mich jemand geschnitten oder eine negative Bemerkung gemacht hätte. Ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass sich der eine oder andere bisweilen nicht vielleicht doch mal auf den Schlips getreten fühlt. Aber derjenige wird den Teufel tun, das öffentlich zu bekennen. Schließlich wäre das schlecht fürs Image.
Gibt es auch eine besonders positive Reaktion?
Ich habe mich z. B. sehr über das Lob von Johann Lafer gefreut, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das besonders Tolle daran ist, dass er mich zum Essen eingeladen hat.
Nicht zuletzt, weil Sie mit Humor im Fernsehen so erfolgreich sind, liegen Ihre letzten Theater-Engagements schon länger zurück, fehlt Ihnen bisweilen die Ernsthaftigkeit des Theaters?
Im Moment überhaupt nicht. Als ich mit dem Theater aufgehört habe, war ich wohl auch ein wenig Theater verdrossen. Damals habe ich mir gesagt, dass ich erst wieder Theater spiele, wenn der brennende Wunsch da ist und ich nicht nur zusage, weil die Größe der Rolle oder die Stadt verlockend ist. Es gibt aber seit einiger Zeit auch gar keine Angebote mehr, die ich hätte absagen können. Stattdessen hat sich das mit dem Fernsehen immer besser entwickelt. Trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass in ein paar Jahren alles wieder anders aussieht. Vielleicht will ich dann unbedingt wissen, ob ich es noch kann auf der Theaterbühne, und bin es leid, immer nur den Faxenmaxe zu machen.
Stichwort "Faxenmaxe": Bekommt man als Comedian auch die Anerkennung der Feuilletons, die man sich als Bühnenschauspieler mit Schiller, Goethe etc. erspielt?
Wenn nicht, dann würde mir das nicht fehlen. Allerdings überrascht es mich, wie sehr "Switch Reloaded" von den Feuilletons gefeiert wird. So gesehen bekomme ich heute mit diesem Format weit mehr Presse, als zu der Zeit, als ich z. B. in Essen Schillers "Kabale und Liebe" gespielt habe.
Sie sind nicht nur ausgebildeter Theaterschauspieler, sondern auch ausgebildeter Clown ...
Das war purer Zufall. Ich habe als Schüler Georgo Peugot kennen lernen und mit ihm zusammenarbeiten dürfen und dabei sehr großen Spaß gehabt. Eine Art von Spaß, die ich während meiner Theaterzeit immer wieder vermisst habe. Ich glaube sogar, dass diese Erfahrungen als Clown der entscheidende Motor sind, warum ich heute überhaupt das mache, was ich mache.
Umso mehr müssen Sie bedauern, dass Clowns in Deutschland auszusterben drohen ...
Da stimme ich nur teilweise zu. Helge Schneider ist für mich z. B. ein Clown. Ein Musik-Clown zwar, aber ohne Frage ein Clown. Trotzdem sind es natürlich nur wenige und ich bedauere es in der Tat vor allem sehr, dass non-verbale Comedy im Fernsehen so wenig vorkommt.
Apropos „nonverbales Spiel“: Hella von Sinnen hat Sie gerade deswegen als deutschen Jim Carrey bezeichnet, wovon man sich auch auf Ihrer Website überzeugen kann ...
Das ist ein sehr schönes Kompliment von Hella von Sinnen! Ich habe Jim Carrey schon zu Zeiten von "Ace Ventura" geliebt, als er beim deutschen Publikum überhaupt noch nicht gut ankam. Für mich ist Carrey auf jeden Fall ein großes Idol.
