Die Legende von Hepzibah
Neun Mädchen, alle hundert Jahre...
Drei Tage und drei Nächte wälzte sich die junge Brida schreiend auf ihrem Lager. In der dritten Nacht, fast ohnmächtig vor Schmerzen gebahr sie ein Mädchen. Das Neugeborene trug ein dunkles Mal im Gesicht – einen Teufelskuss.
Der Vater erschauderte und verließ Mutter und Kind noch in derselben Nacht.
Doch er kam nicht weit, denn ein Blitz streckte ihn vom Pferd und verbrannte ihn bei lebendigem Leibe. In ihrer Schmach suchte Brida in der Kirche Zuflucht, doch der Priester verweigerte die Taufe des Kindes mit dem Teufelskuss. Er trug ihr auf, den Bastard in Gottes Namen zu ertränken.
Weinend rannte sie zum Fluss um dem Wunsch des heiligen Mannes nachzukommen. Doch als sie auf das schlafende Mädchen nieder sah, wurde ihr ganz warm ums Herz und sie legte das Versprechen ab, Hepzibah solange sie lebe zu lieben und zu beschützen vor all dem Übel dieser Welt.
Die Jahre vergingen...
Brida versteckte ihr Kind vor den Augen des Dorfes und lebte fortan in einer kleinen Hütte im Moor. Dort sammelte sie Kräuter, Wurzeln und Beeren, die sie trocknete, presste und kochte.
Jeden Morgen und jeden Abend bereitete sie ihrer Tochter einen selbstgebrauten Trank in der Hoffnung er würde helfen und sie vom Teufelskuss befreien.
Die Jahre vergingen und mit ihnen auch das scheußliche Mal. Als Hepzibah 17 Jahre alt wurde, war das Mal vollkommen verschwunden und ihr Gesicht glich dem eines Engels.
Brida wurde krank und schickte fortan Hepzibah ins Dorf, um die Besorgungen zu machen.
Als Brida starb, übernahm Hepzibah das Handwerk der Mutter und bereitete für die Frauen aus dem Dorf Tinkturen und Salben um sie von Leiden und Gebrechen zu befreien. Eines Tages begegnete Hepzibah dem jungen Joseph und sofort war es um beide geschehen. Heimlich trafen sie sich im Wald und schworen sich ewige Liebe.
Der Fluch im Feuer
Doch das Versprechen der Mutter, Hepzibah zu beschützen, starb mit ihr und so kam, was kommen musste.
Neun Richter befanden Hepzibah schuldig der Hexerei und verurteilten sie zum Tode auf dem Scheiterhaufen. Sie brannte in der Nacht zu ihrem 18. Geburtstag. Im Feuer verfluchte sie Selmen:
"Der Richter Töchter werd` ich hol´n
Alle Neune, alle hundert Jahr`.
Bis ich zurückbekomme,
was ich einst gebahr`"
Lange dachte niemand in Selmen mehr an diesen Fluch. Bis hundert Jahre vergangen waren...