Interview

Kreutzer kommt

"Kreutzer ist ein Eldorado für einen Menschendarsteller wie mich"

Christoph Maria Herbst, wer ist Kommissar Kreutzer und welche Charaktereigenschaften zeichnen ihn aus?

Kreutzer ist ein überraschender Ermittler. Verschlossen, effizient, beweglich, kühl, warm. Er ist ganz viel, auch Gegensätzliches, wie eine Projektionsfläche lässt er Raum für viele Facetten.

Einen wie ihn gab es bislang noch nicht in der Fernsehlandschaft, wohlgemerkt auch in der angelsächsischen nicht. Er ist auf seine Weise unique. Er hat unzählige Gesichter und Eigenschaften - ein Eldorado für einen Menschendarsteller wie mich.

Für diese Figur gibt es nur eine einzige Vorlage, nämlich ein hervorragendes Drehbuch. Autor Christian Jeltsch hat schon mit seiner ersten Fassung ein Buch hingelegt, das ich in der Qualität - leider zu oft - bei anderen Produktionen nicht mal in der zehnten Fassung zu lesen bekomme.

Wie wichtig ist Ihnen diese Hauptrolle in „Kreutzer kommt“ – auf einer Skala von eins bis zehn?

Zunächst finde ich es einmal mehr beachtenswert, dass sich ProSieben traut, mit jemandem, der eigentlich bislang für Anderes stand, etwas Neues zu wagen. Das war mit ‚Stromberg’ damals nicht anders, und der Sender bewies Mut. Dies tut ernun wieder. Die selbst empfundene Wichtigkeit kann ich nicht benennen, wohl aber das Maß an Lust, das ich empfunden habe, als ich für ‚Kreutzer kommt’ vor der Kamera stand. Und da reicht Ihre Skala nicht aus.

Wie haben Sie reagiert, als Ihnen der Krimi angeboten wurde? Endlich mal weg von der Comedy?

‚Endlich’ wäre jetzt nicht meine Formulierung, denn das würde bedeuten, dass ich unter einem ungeheuren Leidensdruck stünde, von dem mich ein Sender jetzt aufopferungsvoll befreit. Dem ist ja gar nicht so.

Eine Figur wie ‚Stromberg’ ist ein Lifetime-Gift, aber eben auch Gift. Nun möchte ich ‚Kreutzer’ nicht als Serum bezeichnen, aber er stellt ein wunderbares Gegengewicht zum Bisherigen dar, ohne das Gewesene zu beschädigen. Mein Traum wäre eine friedvolle Co-Existenz beider und ein langes Leben.

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Stromberg und Kreutzer – beide sind nicht gerade beliebt bei ihren Kollegen.

Worin unterscheiden sie sich?
 
Der eine ist Apfel, der andere Birne. Beide Figuren haben eine Menge Fleisch, sind süß-säuerlich, und der Eine reagiert vielleicht auf etwas allergisch, was der Andere zum Fressen gern hat – und umgekehrt. Man kann sie nur schlecht vergleichen.
 
Sie kommen aus anderen Genres, unterschiedlichen Galaxien. Wenn Stromberg vom Planet der Affen kommt, so ist Kreutzer eher jemand, der sich ständig neu gebiert. Auf jeden Fall ist Letzterer ein Wolf im Schafspelz und der Bernd eher ein Schaf im geschorenen Wolfskostüm.
 
Wo Kreutzer Teamplayer ist, sich einem Wert verschrieben hat, der größer ist als er selbst, und wie eine intellektuelle Rasierklinge auftritt, ist Stromberg mit größter sozialer Inkompetenz geschlagen, sich selbst der Nächste und nicht mal bauernschlau. Die Liste ist nach oben wie unten offen.