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Britische Kriegsreporterin hatte als erste über den Beginn des Zweiten Weltkriegs berichtet

Clare Hollingworth stirbt mit 105 Jahren

Clare Hollingworth schreibt Geschichte, als sie 1939 an Polens Grenze deutsche Truppen entdeckt. Ihr Bericht über die Vorbereitungen des Angriffs auf das Nachbarland gelten als "Jahrhundert-Scoop".

10.01.2017 18:15 Uhr / dpa
Kriegsreporterin Clare Hollingworth (M)
© dpa

Die britische Reporterin Clare Hollingworth, die als erste über den Beginn des Zweiten Weltkriegs berichtet hatte, ist tot. Sie starb im Alter von 105 Jahren in Hongkong, teilten ihre Familie und der Auslandskorrespondentenclub (FCCHK) in der chinesischen Sonderverwaltungsregion am Dienstag mit.

Die frühere Journalistin der britischen Zeitung «Daily Telegraph» begann ihre bemerkenswerte Karriere mit der "Sensationsnachricht des Jahrhunderts", wie der Club es formulierte, als sie 1939 exklusiv über den bevorstehenden Angriff der Wehrmacht auf Polen berichtete.

"Wir sind traurig mitzuteilen, dass die gefeierte Kriegskorrespondentin Clare Hollingworth nach einer illustren Karriere, die ein Jahrhundert von Nachrichten umfasste, heute Abend gestorben ist", teilte die Familie auf Facebook mit.

Ihre Schilderungen waren die ersten Informationen vom deutschen Angriff

"Wir sind sehr traurig über die Nachricht von Clares Tod", sagte auch FCCHK-Präsidentin Tara Joseph. Die Journalistenvereinigung hatte am 10. Oktober mit Hollingworth noch ihren 105. Geburtstag gefeiert.

Kaum eine Woche beim "Daily Telegraph" besuchte Hollingworth 1939 als junge Journalistin die deutsch-polnische Grenze, um über die Spannungen zwischen Polen und Nazi-Deutschland zu berichten. Dabei beobachtete sie deutsche Truppen, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge auf dem Weg nach Polen.

Ihre Schilderungen waren die ersten Informationen vom deutschen Angriff auf das östliche Nachbarland und überraschten selbst Diplomaten. "1.000 Panzer an polnischer Grenze versammelt", überschrieb der "Daily Telegraph" ihren Bericht am 29. August 1939. Zehn Divisionen seien für einen "schnellen Schlag" vorbereitet. "Die deutsche Militärmaschine ist jetzt bereit zum sofortigen Handeln."

"Ich hatte keine Angst", erinnerte sich Hollingworth 2014 in einem Interview mit dem "Telegraph". Sie sei ins Grenzgebiet gefahren, um über Flüchtlinge zu berichten. "Während ich dort war, entwickelte sich plötzlich der Krieg."

"Es ist außergewöhnlich, alt zu sein. Ich träume die ganze Zeit davon, jung zu sein."

Später arbeitete Hollingworth auch als Korrespondentin im Nahen Osten, in Algerien, China, Jemen und Vietnam, wo sie nach Berichten mehrmals nur knapp dem Tode entkommen konnte. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie ihre Memoiren.

Seit den 70er Jahren berichtete die Journalistin aus Hongkong, wo sie zuletzt in einer bescheidenen Wohnung unweit des Gebäudes des Korrespondentenclubs lebte. Sie war zweimal verheiratet und hatte keine eigenen Kinder, aber eine Stieftochter aus ihrer zweiten Ehe.

In dem Interview des "Telegraph" sagte Hollingworth über ihr hohes Alter: "Es ist außergewöhnlich, alt zu sein. Ich träume die ganze Zeit davon, jung zu sein."

Wo sie hingehen würde, wenn sie die Uhr zurückdrehen könnte? "Ich würde durch die Zeitungen gehen und sagen: Wo ist der gefährlichste Ort, wo ich hingehen kann? Weil daraus immer eine gute Geschichte entsteht."

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